Rosenheimer Delegation zu Gast in Rumänien

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Müllabfuhr, Wasserversorgung, Klinikverwaltung: Im Gespräch mit Delegationsleiter Dieter Kannengießer (links) äußerte Präsident Constantin Otaficiuc sein großes Interesse an den Lösungen im Landkreis Rosenheim.

Rosenheim - Eine Delegation aus Bürgermeistern, Kreisräten und Mitarbeitern der Rosenheimer Landkreisverwaltung war zu Besuch in Temesch, dem Partnerlandkreis des Landkreises Rosenheim.

Es ist Mittag in der Kreisstadt Temeswar. Der Bus mit dem die Gruppe aus dem Landkreis Rosenheim unterwegs ist steht im Stau. Der Autor dieser Zeilen kommt beim Blick aus dem Busfenster ins Grübeln. Die Pferdefuhrwerke, die vor wenigen Jahren noch ein alltägliches Bild waren sind fast völlig verschwunden. Stattdessen nahm die Zahl an Autos und Lkws deutlich zu – es reicht schon zum Stau in der Mittagszeit. Egal auf welcher Straße man Temeswar verlässt, überall schießen riesige Gewerbegebiete aus dem Boden, ein Kreisverkehr hat einen bei uns unvorstellbaren Durchmesser von mehr als 50 Meter, die neuen Traktoren der Bauern haben bayerisches Niveau und auch der private Hausbau boomt – an einem Rohbau steht ein Kaufpreis von 37.000 Euro. Der Präsident des Landkreises Temsch Constantin Otaficiuc ist stolz auf das Erreichte, weist im Gespräch mit dem Leiter der Rosenheimer Delegation, dem stellvertretenden Landrat Dieter Kannengießer, aber auch auf die noch zahlreich vorhandenen Defizite hin.

Rosenheimer Delegation in Temesch

Vor allem bei der Infrastruktur ist noch viel zu tun. Im Oktober will der Landkreis Temesch einen Masterplan für die Bereiche Wasser und Abwasser in Brüssel abgeben. In einer ersten Phase will man bis 2018 118 Millionen Euro investieren, mit Unterstützung der Europäischen Kommission. In 2030, so ist es geplant, sollen alle Wasserleitungen, die Kanalisation sowie sämtliche Kläranlage verlegt bzw. fertig gestellt sein. Präsident Otaficiuc schätzt die Ausgaben für das Gesamtprojekt auf 300 Millionen Euro. Auch für die Müllabfuhr und das Einsammeln der Wertstoffe arbeitet man an einem Konzept. Die dortige Verwaltung orientiert sich dabei an den Lösungen im Landkreis Rosenheim. Otaficiuc interessierte sich außerdem sehr für die Fusion bzw. Verwaltung der ROMED- Kliniken, schließlich hatte Temesch erst vier Woche zuvor die Verantwortung für die örtlichen Krankenhäuser übernommen. Bis dahin war das Land, also die Zentralregierung in Bukarest für sie zuständig. In dem osteuropäischen Land wird zudem eine Gebietsreform geplant, die durchaus mit der in den 1970er Jahren in Bayern durchgeführten vergleichbar ist. Damals wie heute sollen kleine Gemeinden zusammengeschlossen werden.

In dem Rosenheimer Partnerlandkreis gibt es Gemeinden mit lediglich 300 Einwohnern. Otaficiuc will deren Verwaltung neu organisieren und gesteht, dass es Widerstände gibt. Das Autobahnnetz in Rumänien hat einen Umfang von lediglich 300 Kilometern. Im Landkreis Temesch selbst wird derzeit an den ersten Autobahnkilometern gebaut. Bis Ende kommenden Jahres sollen bereits 45 Kilometer fertig gestellt sein. Es sei erfreulich, diese Fortschritte zu sehen, sagte Kannengießer in dem Vier-Augen-Gespräch mit dem Präsidenten. 2012 wird sich der Abschluss eines Freundschaftsabkommens zwischen beiden Landkreisen zum zehnten Mal jähren. Kannengießer erinnerte daran und meinte, Freundschaft könne nur funktionieren, wenn man sich gegenseitig bemühe und den europäischen Gedanken pflege. Präsident Otaficiuc erwiderte, Freundschaft brauche Jahre, bis sie sich entwickle. Für ihn sei es eine Ehre und eine Freude, die Freunde aus Rosenheim zu sehen. Der Landkreis Temesch ist flächenmäßig etwa sieben Mal größer als der Landkreis Rosenheim. Rund 700.000 Menschen leben dort, die Hälfte davon in der Kreisstadt Temeswar.

Zehn Universitäten bilden hochqualifizierte Arbeitskräfte aus, was wiederum die Ansiedelung von Unternehmen in der Region fördert. Auch an der Wirtschaftskraft macht sich dies bemerkbar – Temesch gehört landesweit zu den Top 3. Die Veränderungen in Temesch sind nicht zu übersehen. Die Bemühungen, schnellstmöglich den Anschluss an den mitteleuropäischen Standard herzustellen, überall spürbar. Nachdenklich macht da nur die persönliche Einschätzung einer Mitarbeiterin der Landkreisverwaltung von Temesch, die im abendlichen Gespräch die Sorge äußert, dass bei dieser Rasanz einige seit Generation eingeübte Traditionen auf der Strecke bleiben könnten.

Pressemitteilung Landratsamt Rosenheim

Quelle: rosenheim24.de

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