Rosenheimer Getränk erobert Afrika

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Rosenheim/Dakar - Das Wichtigste kommt in den 20-Uhr-Nachrichten. Das gilt nicht nur für die „Tagesschau“. Auch im Senegal ist das so. Und dort war die kleine weinrote Dose mit der Aufschrift „Bizz‘up“ zu sehen!

Die kleine weinrote Dose mit der Aufschrift „Bizz‘up“, die Präsident Abdoulaye Wade zur besten Sendezeit in die Fernsehkameras hält, muss also schon von großer Bedeutung sein für die Westafrikaner. Sie trauen dem Erfrischungsgetränk aus Rosenheim zumindest auf dem schwarzen Kontinent einen Siegeszug im Stil von „Red Bull“ zu. Senegals Star-Architekt hat den Entwurf für die Bizzup-Abfüllfabrik bei Dakar, die sich auch der Staats-Chef herbeiwünscht, schon in der Schublade.

Ob Antennen (Kathrein), Verpackungsmaschinen (Krones), Folien (Schattdecor) oder Stadiondächer (Hightex) - die Welt setzt auf Spitzenprodukte aus dem Wirtschaftsraum Rosenheim. Nun ist ein schmackhafter Durstlöscher aus der Innstadt, "erfunden" 2007 in einem improvisierten Probierkammerl am Salzstadel, drauf und dran, zu einem Verkaufsschlager zu werden.

Rund eine Million Dosen und Flaschen verkaufte die Bizz'up GmbH 2010. Im laufenden Geschäftsjahr ist diese Marke schon übertroffen worden - vor allem dank Afrika. Dorthin werden die Hibiskus-Getränke tonnenweise verschifft: nach Togo, Ghana, Benin, Südafrika, Mali, Guinea, Burkina Faso, in die Elfenbeinküste und in den Senegal.

Afrikanisch abheben - auch die Werbekampagne setzt auf Exotik.

Dass sich gerade die Westafrikaner gern von dem neuen Energiedrink aus Rosenheim Flügel verleihen lassen, liegt in der Natur der Sache. Denn Bizz'up geht auf Bissap zurück. So nannten die Tuareg-Nomaden den tiefroten Saft, den sie aus der Hibiskuspflanze quetschten. Bissap war für sie ein lebenswichtiger Energielieferant auf ihren kräftezehrenden Märschen durch die Wüste.

Heute hat Bissap in vielen afrikanischen Ländern den Status eines Nationalgetränks - und so war Pierre Goudiaby Atepa, bekanntester Ingenieur und Architekt im Senegal, schon vor zehn Jahren auf den Geschmack gekommen. Sein Plan: den Hibiskus-Saft in ein kohlensäurehaltiges Erfrischungsgetränk verwandeln. Die Geschäftsidee Atepas schaffte es zwar nach Amerika, dort starb das Projekt aber noch in der Planungsphase.

Am Salzstadel war das anders. Andreas März junior und Francois Ekui aus Togo experimentierten so lange mit einem Sack Hibiskusblüten aus Lomé, Extrakten der Guarana-Frucht und der Açai-Beere aus Brasilien, bis es hieß: Fertig ist die exotische Weltneuheit.

Innen ein Stück Afrika, außen der Schriftzug "made in Germany" - das kommt gut an auf dem schwarzen Kontinent - und so schaffte es "Bizz'up" auf Anhieb in den Präsidentenpalast. Eingefädelt hatte den Staatsakt um die kleine Dose aus Rosenheim Architekt Atepa. Von Senegals "Mann des Jahres 2010", der als einer der einflussreichsten Männer im Land gilt, stammt der Entwurf für die Fabrik, die sich auch Präsident Wade herbeiwünscht. Im Blitzlichtgewitter sagte er den Rosenheimer Getränkeproduzenten die volle Unterstützung Senegals zu - den Grundstein wolle er selbst legen.

Es scheint so, als könne Bizz'up einem ganzen Kontinent Flügel verleihen - so wie es der Salzburger Unternehmer Dietrich Mateschitz mit "Red Bull" vorgemacht hat. Und tatsächlich: Was bei zwölf Millionen Senegalesen gut ankommt, müsste auch 152 Millionen Nigerianern schmecken. Im mit Abstand bevölkerungsreichsten Staat Afrikas sieht Andreas März, Geschäftsführer der Bizz'up GmbH, den Wachstumsmarkt, der dem Afro-Getränk aus Oberbayern ("ein reines Naturprodukt - ohne jeden chemischen Zusatz") zum großen Durchbruch verhelfen könnte.

Sollte auch in Nigerias Regierungschef ein Bizz'up-Fan schlummern, dürfte nichts mehr schief gehen. Schließlich heißt der Mann Jonathan Goodluck...

Ludwig Simeth (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

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