Deutschlands beste Schuhfertigerin ganz bescheiden

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Rosenheim - Sarah Holler ist Deutschlands beste Schuhfertigerin. Vor einigen Wochen wurde sie von Bundesministerin Ursula von der Leyen ausgezeichnet. Aber trotzdem beleibt sie ganz bescheiden, aber auch sehr ehrgeizig.

"Ich schaue jedes Paar Schuhe ganz genau an. Kleber-Reste an der Sohle oder eine unsaubere Naht - solche Dinge fallen mir sehr schnell auf, wenn ich zum Schuheeinkaufen gehe", erzählt Sarah Holler. Ihr kritischer und fachmännischer Blick hat seinen Hintergrund: Die 20-jährige Rosenheimerin ist beste deutsche Schuhfertigerin. Vor einigen Wochen wurde sie in Berlin von Bundesministerin Ursula von der Leyen ausgezeichnet. Trotz dieser Spitzenleistung bleibt die Gabor-Angestellte ganz bescheiden, aber auch sehr ehrgeizig.

Schuhfertigerin - das war ursprünglich nicht ihr Traumberuf. "Ich wollte als Kind Polizistin oder Pilotin werden", erzählt die gebürtige Niederbayerin. Allerdings habe ihr handwerkliches Schaffen ebenfalls schon immer viel Spaß gemacht: "Ich glaube, das hat mir mein Opa vererbt. Dem habe ich schon oft geholfen, Schränke zu bauen."

Bei einer Berufsberatung gab Holler an, dass sie natürliche Materialien wie Holz oder Leder sehr schön finde, und diese Aussage führte sie zu Gabor. Vor vier Jahren, im Alter von 16 Jahren, zog sie nach Rosenheim, um dort ihre Ausbildung als Schuhfertigerin zu starten. "Ich merkte schnell, dass mir diese Arbeit wirklich liegt", erinnert sich die handwerklich begabte junge Frau.

Dieses Talent bescheinigt ihr auch Gabor-Ausbildungsbeauftragte Christa Deingruber: "Wir sind auf Sarah unglaublich stolz." Für Menschen mit "zwei linken Händen" sei diese Berufswahl nichts. Holler zeichne sich neben handwerklichem Können aber auch mit großem betrieblichen Engagement aus: "Sie beweist immer wieder enormen Teamgeist und engagiert sich, wo sie kann."

Bei Gabor in Rosenheim entstehen Musterschuhe. Sogenannte Schuh-Modelleure entwerfen neue Modelle und dann sind Angestellte wie eben auch Sarah Holler dafür zuständig, sie nach Entwurf anzufertigen. Sie beherrscht alle Fertigungsschritte. Zwei Paar Schuhe hat sie sich schon ganz allein angefertigt, darunter auch das Paar Stiefel, das sie bei der Preisverleihung in Berlin trug. "Auf meine selbst genähten Schuhe achte ich natürlich ganz besonders. Die werden ständig gepflegt", schmunzelt Deutschlands beste Schuhfertigerin.

Seit sie ihre Ausbildung beendet hat, sieht sie Schuhe mit ganz anderen Augen. Kleinste Details fallen ihr auf, und wenn es sich dann auch noch um Gabor-Schuhe handelt, werden manchmal auch Erinnerungen wach. "Besonders, wenn ein Modell besonders verzwickt zu nähen war", sagt Holler.

Die 20-Jährige ist sehr sportlich. Selbstverteidigungs-Training, Bogenschießen, Reiten, Laufen und Radfahren gibt sie als Hobbys an. Aber für Freizeit bleibt ihr momentan kaum Zeit, denn auch auf ihrem jüngsten großen Erfolg ruht sich die Schuhfertigerin nicht aus. Für die Zukunft hat sie große Pläne.

Mit der mittleren Reife begann Sarah Holler ihre Ausbildung bei Gabor. Derzeit lernt sie im betrieblichen Unterricht gleichzeitig Englisch und Italienisch, will demnächst mit der Ausbildung zum Industriemeister beginnen und holt noch dazu im Fernstudium ihr Abitur nach. Den Ausbildungsschein, der sie berechtigt, selbst Lehrlinge auszubilden, hat sie schon in der Tasche.

"Das ist manchmal schon ganz schön viel. Aber man muss eben seine Zeit gut einplanen. Dann klappt das schon", ist sich Holler sicher.

Irgendwann einmal würde sie gerne für eine Zeit lang ins Ausland gehen. Der Schuhfertigung bleibe sie aber wohl auch in der Zukunft treu, meint sie, denn: "Dabei hat man es mit wunderschönen Materialien zu tun und sieht etwas entstehen." wu

Quelle: rosenheim24.de

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