Schein-Pflege: "Freispruch wird's nicht geben"

Bischofswiesen/Traunstein - "Ich geh davon aus, dass wir heute eine Lösung finden", begann Richter Jürgen Zenkel am Donnerstag den Berufungsprozess gegen eine 56-jährige Bischofswieserin.

Davon schien er im Vorfeld schon so überzeugt, dass er die acht geladenen Zeugen wieder ausgeladen hatte. Er stellte es zu Beginn der Verhandlung am Landgericht Traunstein der Angeklagten frei, sich zu äußern. Erklärte aber im gleichen Atemzug, dass aus seiner Sicht das Amtsgericht Laufen gut gearbeitet hätte.

Lesen Sie auch:

Schein-Pflege als Einnahmequelle

Dort war die gelernte Hotelfachfrau im Oktober vergangenen Jahres wegen Betrugs und versuchter Freiheitsberaubung zu einer Geldbuße von 500 Euro und einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen á 50 Euro (3000 Euro) verurteilt worden. Die Angeklagte wollte einen Freispruch erreichen, die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe, deshalb gingen beide in Berufung.

Der 56-jährigen wurde vorgeworfen, das von ihrem Sohn angemietete Hotel in Bischofswiesen als Pflegeeinrichtung ausgeschrieben zu haben, obwohl ihr die Qualifizierung und die Genehmigung dafür fehlte. Ein Jahr lang erhielt sie von einem Mann, der seine demenzkranke Frau dort in Pflege gab, monatlich 1075 Euro (insgesamt 11.350 Euro). Die Frau soll sie außerdem immer wieder in ihrem Zimmer eingesperrt haben.

"Nach dieser Aktenlage dürfte das Urteil getragen werden", erklärte Zenkel. "Es wird weder einen Freispruch noch eine Freiheitsstrafe geben", appellierte er an beide Parteien, das Urteil zu akzeptieren und die Berufung zurückzunehmen. Das taten sowohl Staatsanwaltschaft und Verteidigung und Richter Zenkel entließ die Angeklagte mit den Worten: "Passen Sie in Zukunft besser auf."

cz

Quelle: BGland24.de

Rubriklistenbild: © pa

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser