Ein Scherenschleifer zu Gast in Rosenheim

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Heinz Wandel konzentriert bei der Arbeit auf dem Ludwigsplatz. Jetzt macht er erst einmal eine Woche Pause, bevor er nächste Woche in Wasserburg zu finden sein wird.

Rosenheim - Scherenschleifer alter Prägung, die man bis in die sechziger Jahre herumziehen sah, gibt es nur noch ganz wenige. Doch einer von ihnen war jetzt in Rosenheim zu Besuch.

Wenn die Scherenschleifer früher an der Tür klingelten, rückte die Hausfrau all das heraus, was stumpf geworden war. Zwar kann man in Rosenheim noch in verschiedenen Geschäften Messer schleifen lassen oder zumindest einschicken lassen, doch es fehlt der Scherenschleifer draußen auf der Straße, der allein durch seine Gegenwart daran erinnert, dass das gute Fleischmesser oder die Haarschere dringend einen neuen Schliff bräuchten.

Zugegeben, es hat sich seit den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Wegwerf-Mentalität breitgemacht. Man kauft billige Schneidwerkzeuge, und wenn diese stumpf sind, kaufte man neue. Professionelle Köche, Metzger und Haushalte, die auf hochwertige Messer Wert legen, legen jedoch größten Wert auf scharfe Klingen.

Ein Scherenschleifer in der Klepperstraße in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts.

Heinz Peter Wandel, der sich vor drei Jahren aufs Altenteil zurückzog, seinen Großhandelsbetrieb verkaufte und nun als Privatier seine Tage verbrachte, fühlte sich gelangweilt. Nur herumzusitzen war nicht das Ding des heute 62-Jährigen. Als der gelernte Schleif- und Poliermaschinentechniker in seiner Heimatstadt Solingen feststellte, dass es in der Stadt der Messer, Scheren und Klingen keinen Scherenschleifer gab, der seinen Küchenmessern den rechten Schliff verpasst hätte, war die Idee geboren. Er folgerte sozusagen messerscharf: "Ich werde gebraucht". Zudem führt sein Schwiegersohn in dritter Generation einen Betrieb, in dem Schleifmaschinen hergestellt werden und der unterstützte ihn kräftig. Ohnehin waren Wandel und seine Frau im Wohnmobil gerne kreuz und quer durch Europa unterwegs. Und so verband der Solinger das Angenehme mit dem Nützlichen. Er baute einen Anhänger für sein Wohnmobil und rüstete diesen mit allen notwendigen Maschinen eines professionellen Scherenschleifers aus.

In Absprache mit namhaften örtlichen Küchenausstattern bereist das Paar nun ganz Deutschland und die deutschsprachigen Nachbarländer. Vor dem jeweiligen Fachgeschäft bietet Wandel seine Fertigkeiten an. Überall ist der Zuspruch groß - wobei er vor lauter Nostalgiegesprächen manchmal Mühe hat, seine Arbeit zu verrichten.

"Das Schöne ist, dass ich das wirklich aus Spaß an der Freude mache", lässt Wandel diejenigen wissen, die sich mit ihm unterhalten. Er schleift alles, von der Friseurschere bis zum Rasenmäher-Messe, auch Rundmesser von Küchenmaschinen bis zu einer Größe von 400 Millimetern. Für Messer verlangt er vier bis sechs, für japanische Profimesser bis 15 Euro, Profischeren kosten mehr, manches läuft nach individueller Vereinbarung.

In der Karwoche hatte "Tavola" am Ludwigsplatz den Scherenschleifer engagiert. Im Geschäft selbst wird zwar auch ein Service geboten. Selber schleift Inhaber Gerhard Buluschek allerdings nur glatte Messer. Alles andere schickt er ein zu Fachfirmen.

Heinz Peter Wandel und seine Frau trieb es zu Ostern weiter nach Österreich und Slowenien, wo sie wieder einige Tage "Pensionisten-Urlaub" einschieben. In Rosenheim wird der Scherenschleifer voraussichtlich wieder im Herbst sein, in etwa acht Tagen in Wasserburg. Anfragen sind möglich unter www.hpw-schleiftechnik.de.

au/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser