Nach dem Feuer-Inferno in Notre-Dame in Paris

Was würde passieren, wenn Schloss Herrenchiemsee brennt?

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Wenn das Schloss Herrenchiemsee brennt, läuft ein spezieller Alarmplan ab.
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Schloss Herrenchiemsee - Nach dem Brand in der Pariser Kathedrale Notre Dame wird natürlich allerorts über die Sicherheit spezieller Bauwerke und Kulturgüter in der Region diskutiert. Ein besonderer Fall ist das Schloss Herrenchiemsee.

Was passiert, wenn es auf Herrenchiemsee brennt? Eine Frage, die Chiemgau24 direkt an den Rosenheimer Kreisbrandrat Richard Schrank weitergegeben hat. Seine Antwort kommt prompt: "Dann läuft ein spezieller Alarmplan ab." Heißt im Klartext, es ist genau vorgeschrieben, welche Feuerwehren zuerst alarmiert und dann auf Fähren verladen werden.

Kreisbrandrat Richard Schrank ist sich der Besonderheit des Schloss Herrenchiemsee bewusst.

Die Feuerwehr Prien am Chiemsee hat auch ein eigenes Boot, mit dem eine Mannschaft sofort auf die Insel übersetzt, um zusammen mit der Löschgruppe, die untertags vor Ort ist, die Fahrzeuge zu besetzen, die auf der Insel stationiert sind. "Das ist dann sozusagen der erste Angriffstrupp", erklärt Schrank und gibt gleichzeitig zu: "Es dauert seine Zeit, bis alles Material vor Ort ist."

"Oft kannst du nur schützen"

Doch das sei selbst in Notre Dame der Fall gewesen und es gebe ein Problem, das man mit so großen, denkmalgeschützten Gebäuden hätte: "Es dürfen keine Schlauchleitungen vorverlegt werden. Wenn diese schon vor Ort wären, müssten sie nicht jedes Mal verlegt werden. Das kostet Zeit", weiß der Kreisbrandrat. Zeit, die bei einem Brand diesen Ausmaßes nicht da ist.

"Ich habe den Brand von Notre Dame zufällig gleich zu Beginn im Fernsehen verfolgt, an den Rauchwolken habe ich gesehen, dass der Dachstuhl nicht mehr zu halten ist." Die Farbe des Rauches hat Richard Schrank verraten, was Sache ist. Als Einsatzleiter müsste er im Falle eines Brandes auf Herrenchiemsee entscheiden, was zu tun ist. "Oft kannst du nur noch schützen, schauen, dass nicht mehr betroffen ist, wie es eben in Paris der Fall war." Die Feuerwehr hat sich darauf konzentriert, den Grundriss der Kathedrale und die beiden Türme zu retten.

Kulturgutschutz- bzw. Notfallpläne sollen das Schlimmste verhindern

In Herrenchiemsee ging es aber wie in Paris nicht nur um das Gebäude an sich. Es befinden sich wertvolle Kunstgegenstände im Inneren. "Die Bayerische Schlösserverwaltung erarbeitet für alle Liegenschaften Kulturgutschutz- bzw. Notfallpläne. Diese Pläne enthalten einen Alarmplan, Kontaktpersonen/Ansprechpartner für die Feuerwehr, Informationen zu den Kunstwerken im Schloss und zur Bergungsreihenfolge, sowie zum Umgang mit den Kunstwerken bei einem Notfall. Räume, die als mögliche Notlager genutzt werden können, um die Kunstwerke zwischen zu lagern, sowie Geschoss-Pläne der Evakuierungsbereiche sind dort ebenfalls vorgesehen", heißt es von Seiten der Schlösser- und Seenverwaltung.

Vor allem in den Räumen gibt es im Brandfall viel zu retten.

Bisher kam dieser Notfallplan noch nicht zum Einsatz. Lediglich Fehlalarme oder kleine Rauchentwicklungen sorgten dafür, dass die Feuerwehren über den See gebracht wurden. Was aber, wenn es richtig brennt, hat die Feuerwehr, die Chance, das Schloss Herrenchiemsee vor dem Schlimmsten zu bewahren?

Im Ernstfall kein gutes Gefühl

"Es wird schon spannend", gibt der Kreisbrandrat zu. "Wir haben sehr große Brandabschnitte. Der Dachstuhl ist ein 30 bis 40 Meter langer offener Holz-Dachstuhl." Natürlich gebe es Brandschutztüren, die die einzelnen Brandabschnitte von einander trennen würden und eine Brandmeldeanlage, aber im Ernstfall hätte Schrank kein gutes Gefühl, seine Leute da rein zu schicken.

Aus der Luft sieht man die Besonderheit des Schlosses. Auch auf der Insel ist der Weg zur Einsatzstelle gar nicht so leicht erreichbar.

Von Seiten der Schlößer- und Seenverwaltung wird aber noch einmal betont: "Bauliche Brandschutzvorkehrungen, wie Bildung von Brandabschnitten, Rauchabschnitten, Einbau von Feuerwehrangriffstreppen, Verbesserung des Feuerwiderstands von Bauteilen etc. sind vorhanden und werden permanent nach jeweils neuesten Vorschriften überprüft und optimiert." Als direkte Folge des verheerendes Brandes im Oktober 1961 auf der Burg Trausnitz, bei dem große Teile der Burg zerstört wurden, habe die Schlösserverwaltung regelmäßige Brandbeschauen in allen Liegenschaften eingeführt, um notwendige Brandschutzmaßnahmen zu ermitteln.

"Die elektrischen Anlagen und der Blitzschutz werden regelmäßig überprüft, die Melde- und Löscheinrichtungen gewartet sowie die Löschwasservorräte überwacht. Dazu sind die Mitarbeiter sowohl bei der täglichen Arbeit als auch insbesondere bei Restaurierungs- und Reparaturarbeiten wachsam. Dies wird in den besucherstarken Objekten der Schlösserverwaltung durch regelmäßige Brandschutzübungen geprobt, die insbesondere die Evakuierung von Besuchern, das Training im Umgang mit Feuerlöschern, den Löschaufbau an den Hydranten sowie ein Erste-Hilfe-Training beinhalten."

cz

Quelle: chiemgau24.de

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