Sein Herz schlägt schwarz-rot-gold

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Bad Aibling grüßt aus Lemberg (Ukraine). Die selbst gemachte Fahne des Super-Fans "kennt" fast alle EM- und WM-Stadien auf dieser Welt.

Bad Aibling - Wo immer die Deutsche Nationalmannschaft ein Turnier spielt - Christian Otto ist da. Von einem Aiblinger, der auszog um Deutschlands größter Fan zu sein:

Er steht für den "zwölften" Mann der deutschen Fußballnationalmannschaft wie sonst kaum einer: Bis auf die WM in Japan/Südkorea hat der Bad Aiblinger Christian Otto seit der EM 1988 im eigenen Land keine einzige Europa- und Weltmeisterschaft ausgelassen. "Mein Herz schlägt schwarz-rot-gold", bekennt der 42-jährige Metzgermeister, der für den Fall der Halbfinal- und Finalteilnahme von Deutschland die Tickets natürlich schon in der Tasche hat.

Schweinsteiger-Trikot und schwarz-rot-goldener Schal sind immer im Gepäck, wenn Christian Otto in Sachen Fußball unterwegs ist. Ebenfalls unverzichtbar: Die große, selbstgestaltete Fahne in den Nationalfarben mit dem Schriftzug "Bad Aibling" darauf. Keine Frage, dass sie auch von den Rängen im Stadion in Lemberg heuer bereits in die Welt hinaus gegrüßt hat. Weitere Einsätze sind auch beim Halbfinale in Warschau und Finale in Kiew geplant, das Weiterkommen der Deutschen vorausgesetzt. Dort kommt es, so Ottos Wunsch, dann möglicherweise im Spiel gegen Spanien zur Revanche für das 2008 mit 0:1 verlorene Endspiel.

723 Fußballspiele (darunter zahlreiche Europa-Pokalspiele "seines" FC Bayern) hat der Super-Fan mittlerweile live im Stadion erlebt. "Meine Freunde sagen, für das Geld hätte ich mir fast schon ein Häuschen kaufen können", lacht Christian Otto. Mit Stolz stellt der 42-Jährige fest: "Ich war mit dem Fußball in jedem Land Europas, mit Ausnahme von Albanien."

Bereits jetzt heißt es aber wieder über Landkarten brüten und das Internet durchstöbern für das nächste Ziel: Die Weltmeisterschaft in Brasilien 2014. Denn: "Mit den Vorbereitungen muss man schon eineinhalb Jahre im Voraus beginnen, noch dazu wenn die Wege so weit sind wie dort in Südamerika. Da sollte man möglichst zentral stationiert sein", weiß der Aiblinger aus seinen jahrzehntelangen Erfahrungen.

Eingeschworenes Team auf Auslandsmission: Christian Otto (rechts) und Otto Steffl verpassen so gut wie kein Turnier-Spiel der deutschen Nationalmannschaft.

Natürlich werden auch touristische Ziele mit eingeplant, wenn man schon alle zwei Jahre den Großteil seines Urlaubs in den Fußball investiert. Land und Leute hautnah kennenlernen, das ist für den Aiblinger eine ideale Kombination mit der "schönsten Nebensache der Welt". Und diesbezüglich hat Otto wahrlich viel erlebt, seit er 1986 im Alter von 16 Jahren begann, zunächst zu den Spielen des FC Bayern und schließlich denen der Nationalelf zu reisen. Anfangs aufgrund des beschränkten Budgets per Interrail quer durch die Lande oder - wenn es von der Distanz her machbar war - mit dem Auto.

Unvergessen aber auch der Aufenthalt bei der WM in Südafrika vor zwei Jahren, bei dem es ihm und seiner Frau ermöglicht wurde, beispielsweise Soweto von seiner unbekannten Seite kennenzulernen. Was ebenso tiefe Eindrücke hinterließ wie die Begegnungen mit der einheimischen Bevölkerung: "Wir hatten das Gefühl, das sind auch lauter Deutschlandfans, so nett und begeistert waren alle", erinnert sich Marianne Otto, die nicht ganz so fußballverrückt ist wie ihr Mann und Tochter Sophie (13). Sie ist mittlerweile aber auch vom Fußballvirus infiziert und jubelt, wie zuletzt in Lemberg, im Stadion kräftig mit.

Meistens mit dabei ist seit rund 14 Jahren auch Otto Steffl, Dritter Bürgermeister von Bad Aibling. Auch er schätzt die menschlichen Begegnungen, sei es mit anderen Nationen oder mit den Fans anderer Bundesligamannschaften, mit denen man in Eintracht wie ein Mann hinter der deutschen Elf steht. Gemeinsam haben er und Christian Otto auch noch das Ziel, einmal nach Buenos Aires zu einem Spiel der Boca Juniors in deren Stadion "Bonbonera" (Pralinenschachtel) zu fahren.

Unübertroffen für die schwarz-rot-goldene Fußballer-Seele war natürlich die WM 2006 im eigenen Land - und die Titelgewinne bei der EM in England 1996 und der WM in Italien 1990: "Da haben wir wirklich mächtig gefeiert -ich bin erst fünf Tage später heimgereist", erinnert sich Christian Otto.

Doch erlebte er im Lauf der Jahrzehnte auch weniger schöne Ereignisse, etwa 1998 bei der WM in Frankreich, als deutsche Hooligans den französischen Gendarm Daniel Nivel ins Koma prügelten oder als es 1990 zu Randalen in Italien kam.

Unterm Strich aber überwiegt das Positive bei Weitem - auch wenn Niederlagen schmerzen. Dass es dazu im gestrigen Viertelfinalspiel gegen Griechenland nicht kommen würde, konnten Christian Otto und Otto Steffl nur hoffen. Live waren sie diesmal nicht dabei. Denn sie engagieren sich auch im Verein "Mut und Courage" und hatten für eine Benefizveranstaltung in Hessen an diesem Wochenende bereits ihre Zusage gegeben. "Aber das Spiel können wir dann hoffentlich im Hotelzimmer verfolgen."

Eva Langwieder/Mangfall-Bote

Quelle: rosenheim24.de

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