Serie - Teil 3: "Ab wann bin ich süchtig?"

Ist mein Körper sexy genug? Wie Instagram Druck auslöst 

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Die Bodybuilderin Veronika Haberl (l.) und Sozialpädagogin Lena Breitenfellner

Mühevoll arrangiertes Frühstück, die neuesten Klamotten und ein durchtrainierter Körper - in Zeiten von Instagram und Co. scheint es besonders leicht geworden zu sein, sich selbst perfekt zu inszenieren. Doch was passiert, wenn Likes das Einzige sind, was uns ein gutes Gefühl gibt?

Man hat den Eindruck, dass die Fitnesswelle alle erreicht hat. Wenn man auf Instagram nach unten scrollt, sieht man haufenweise gesunde Mahlzeiten, schlanke Frauen und durchtrainierte Männer. Der Trend sieht allerdings nur auf den ersten Blick gesund aus. Besonders Lena Breitenfellner, Sozialpädagogin bei der Suchthilfe neon Rosenheim, blickt kritisch auf die aktuellen Entwicklungen. Sie arbeitet in der Prävention gezielt mit Jugendlichen zum Thema Selbstoptimierung und -inszenierung. "Das Beste aus einem rauszuholen, nicht nur sportlich sondern auch gesellschaftlich und beruflich ist ja eigentlich sinnvoll. Gefährlich wird es erst, wenn es gesundheitsschädlich wird", so Breitenfellner. Denn: Was in den sozialen Medien präsentiert werde, sei oftmals unrealistisch und verleite zu ungesunden Maßnahmen. 

Artikelserie "Ab wann bin ich süchtig?"

- Teil 1: 5 praktische Tipps gegen die Smartphone-Sucht

- Teil 2: Mein Selbstversuch - 24 Stunden ohne Smartphone

Besonders junge Mädchen seien gefährdet, durch Instagram in eine Spirale aus Selbstzweifel und Minderwertigkeitskomplexen zu geraten. "Viele Mädchen denken, dass sie glücklicher und beliebter werden, wenn sie abnehmen. Wenn man sich selbst dann dank Instagram auch noch mit jedem Fitnessblogger vergleichen kann, wächst natürlich der Druck. Oftmals erkennen Mädchen nämlich gar nicht, dass diese Körperformen absolut unrealistisch und operiert, beziehungsweise nachträglich bearbeitet wurden", betont die Sozialpädagogin Breitenfellner, "Likes sollten nicht die Stimmung beeinflussen!"

"Mein Ziel ist es, bewusst als Vorbild zu fungieren"

So sieht das auch Veronika Haberl, eine 20-jähriger Rosenheimerin. Sie trainiert bereits seit 2014 intensiv im Fitnessstudio, betreibt seit einiger Zeit sogar Bodybuilding und teilt ihre Fortschritte auf ihrem Instagramaccount @veronika_haberl mit über 14.000 Followern. "Mein Ziel ist es, bewusst als Vorbild und Inspiration zu fungieren, nicht als unrealistisches 'Photoshop-Ideal'. Gerade deswegen poste ich auch Bilder, auf denen vielleicht nicht alles gelungen ist", betont Haberl im Gespräch mit rosenheim24.de. 

Wann wird der Sport zur Sucht?

Haberl geht vier bis sieben Mal pro der Woche ins Fitnessstudio. Sie selbst würde sich allerdings nicht als süchtig bezeichnen: "Müsste ich meinen Trainingsrhythmus auf Grund beispielsweise einer Verletzung unterbrechen, wäre das ärgerlich, aber in erster Linie einfach, weil ich weiß, wie schnell sich meine hart antrainierte Muskulatur wieder abbaut. Ich würde den Sport in meinem Fall eher als Therapie und weniger als Sucht bezeichnen. Ich brauche ihn einfach als Ausgleich. Klar würde es auch ohne gehen, wollen würde ich es aber nicht."

Die Sozialpädagogin Breitenfellner sieht dann eine Sucht gegeben, wenn es einem nur dann gut gehe, wenn man Sport mache. "Auch wenn jemand zum Beispiel mit einem Kreuzbandriss einen Marathon läuft, ist das krankhaft. Es gibt aber natürlich auch Stufen davor", so Breitenfellner. "Der Sport ist aber gesellschaftlich einfach anerkannt und auch die Sportindustrie verdient am aktuellen Fitnesstrend kräftig mit. Deswegen sind auch Leute, die den Sport bereits in einem krankhaften Maß betreiben, akzeptiert.", weiß die Sozialpädagogin. 

Werbung auf Instagram: Eine Grauzone

Die Sportindustrie hat Instagram mittlerweile fest in der Hand. Auch Veronika Haberl wirbt auf ihrem Instagram-Account, zum Beispiel für Eiweißshakes und Sportklamotten. Wie viel sie genau pro Post verdient, will sie uns nicht verraten, meint aber, es sei eher ein "Geben und Nehmen". "Meine Grundbedingung ist, dass ich wirklich nur Produkte bewerbe, die ich wirklich gut finde. Werbeposts sind aber immer deutlich als solche gekennzeichnet und meine Kooperationen habe ich von Anfang an öffentlich gemacht", so die Instagramerin. Trotzdem führe sie ihren Account in erster Linie um andere zu motivieren, nicht um Profit daraus zu schlagen.

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"Wichtig ist, dass man selbst glücklich ist"

Doch nicht alle Fitnessblogger sind so. Da gerade junge Mädchen schlecht unterscheiden können, was persönliche Meinung und was gesponserter Post sei, appelliert Breitenfellner besonders an die Eltern: "Hockt euch zusammen mit euren Kindern an einen Tisch und lasst euch zeigen, wem sie folgen und wen sie toll finden. Fragt sie ruhig, was sie genau an der Person bewundern und klärt sie bewusst darüber auf, dass nicht alles was gepostet wird auch der Realität entspricht. Das Erlernen eines kritischen Blickes ist ganz, ganz wichtig!". 

Diese Meinung teilt auch Veronika Haberl: "Wichtig ist, dass man selbst glücklich ist, egal welche Körperform oder Lebensweise das beinhaltet. Das sollten junge Mädchen lernen und vorgelebt bekommen."

fso

Quelle: rosenheim24.de

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