Anklage wegen Steuerhinterziehung

Was Sepp Krätz drohen könnte

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Wiesn-Wirt Sepp Krätz in seinem Hippodrom. Er betreibt auch das Andechser am Dom und die Waldwirtschaft.

München - Die Anklage wegen Steuerhinterziehung gegen Sepp Krätz könnte für den Wiesn-Wirt dreifach bitter werden. Sollte das Landgericht die Klage zulassen, droht neben einer juristischen Strafe auch der Verlust des Hippodroms.

Seine Konzession als Wirt steht ebenfalls auf dem Spiel.

Noch ist nichts entschieden. Wiesn-Chef Dieter Reiter (SPD) will zunächst die Anklageschrift durcharbeiten und anschließend mit Krätz über die Vorwürfe sprechen. Der Gastronom soll den Fiskus angeblich um rund eine Million Euro hintergangen haben.

Der Stadtrat entscheidet voraussichtlich im Mai über die Vergabe der Festzelte. Bis dann liegt vermutlich noch kein Urteil vor. Was also tun? Kann die Stadt einem Wirt aufgrund eines Verdachts das Zelt wegnehmen? Die Antwort lautet: ja, unter Umständen kann sie das.

Welcher Wirt welches Zelt bekommt, entscheidet der Stadtrat nicht aus der hohlen Hand heraus. Die Verwaltung gibt - für die Öffentlichkeit geheime - Kriterien vor, die die Bewerber erfüllen sollen. Entschieden wird nach einem festen Bewertungssystem, bei dem der Beste gewinnt - so zumindest die Theorie. Die Zelte der Münchner Großbrauereien sind zwar traditionell auf dem Oktoberfest vertreten, die Wirte haben jedoch kein Gewohnheitsrecht. Wer im Bewerbungsverfahren durchfällt, ist raus. Das Hippodrom gehört Krätz selbst und nicht einer der Münchner Brauereien.

Aufgrund des justiziablen Bewertungssystems kann Wiesn-Chef Reiter nicht einfach aus dem Bauch heraus entscheiden. Die persönliche Eignung des Wirts spielt bei der Vergabe jedoch eine erhebliche Rolle. Ein Steuerstrafverfahren kann die Punktzahl bei der Bewerbung entsprechend nach unten drücken. Wie sehr, das unterliegt der politischen Einschätzung. Über diesen Umweg kann Reiter also durchaus ein gewichtiges Wort mitreden, ob Krätz das Hippodrom behalten darf.

Die Frage nach seiner Konzession könnte ebenfalls noch vor dem Urteil entschieden werden. Krätz betreibt das Andechser am Dom und die Waldwirtschaft in Großhesselohe. Die Konzession ist nicht an eine Gaststätte gebunden, sondern an die Person des Wirts. Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle will die Anklage ebenfalls prüfen. Sollte er zu dem Schluss kommen, dass Krätz als Wirt nicht mehr „zuverlässig“ ist, sein „Gewerbe nicht mehr ordnungsgemäß“ ausführen kann, entzieht ihm die Verwaltung die Konzession. Verliert Krätz seine Gaststättenerlaubnis, ist er auf einen Schlag auch das Hippodrom los.

Laut KVR-Sprecherin Daniela Schlegel gibt es keinen starren Katalog, an dem sich die Verwaltung orientieren kann. Der Entzug einer Konzession sei immer eine Einzelfallentscheidung. Auch eine Bewährungsstrafe führe nicht zwangsläufig zum Verlust der Gaststättenerlaubnis. Die Verstöße müssten mit dem Gewerbe im Zusammenhang stehen, erklärt Schlegel.

Den scheint es in Krätz’ Fall allerdings zu geben: Im Fokus der Ermittlungen stehen die Umsätze von der Freischankfläche im Andechser am Dom sowie der Sektbar des Hippodroms. Dort soll es laut Staatsanwaltschaft zu illegalen Tricksereien gekommen sein. Eine anonyme Anzeige hatte den Stein im November 2010 ins Rollen gebracht. Wann die Stadt über Zelt und Konzession bestimmt, konnten die Verantwortlichen noch nicht sagen.

Thomas Schmidt

Quelle: Oktoberfest live

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