Fahrzeugbauer versteckte Zigaretten

Rosenheim - Aus dem Gefängnis in Bad Reichenhall wurde ein Angeklagter beim Amtsgericht vorgeführt. Es geht um die Frage, ob der 34-Jährige ein Serien-Zigarettenschmuggler ist.

Ob der 34-jährige Serbe aus Novi Sad schon öfter Zigaretten stangenweise geschmuggelt hatte oder ob er am 21. September gleich beim ersten Versuch aufgegriffen worden war, ließ sich jetzt vor dem Amtsgericht nicht mehr zweifelsfrei klären. Dennoch lautete die Anklage der Staatsanwaltschaft auf gewerbsmäßigen Schmuggel und versuchte Steuerhinterziehung.

Der Kleintransporter, mit dem der Angeklagte ins Bundesgebiet eingereist war, wies einen professionell eingebauten doppelten Boden auf. Den anzubringen, war dem Schmuggler nicht schwer gefallen - schließlich war er gelernter Fahrzeugbauer und konnte bestens mit Schweißgerät und Trennscheibe umgehen. Allerdings waren die Dichtungsnähte aus weißem Silikon so auffällig, dass er auf dem frischen Silikon einfach Erde verrieb, um diese zu tarnen.

Vergebens: Den Schleierfahndern, die ihn auf der A8 stoppten, fiel der Umbau am Fahrzeugboden auf, und so kam die Konterbande ans Tageslicht. Dass ein derart professioneller Umbau nur ein einziges Mal genutzt werden sollte, wollte der Staatsanwalt nicht glauben. Auch dem Vorsitzenden Richter Heinrich Loeber fiel das schwer.

Da aber frühere Schmuggelfahrten nicht beweisbar waren und der Angeklagte weder in Deutschland noch in Serbien vorbestraft war, hielt der Staatsanwalt eine Haftstrafe, die zur Bewährung auszusetzen sei, für möglich. Er beantragte ein Jahr und zwei Monate Haft und die Auflage, dass der Serbe die hinterzogene Steuer in Raten erstatten müsse.

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Julian Praun, wies darauf hin, dass eine Gewerbsmäßigkeit keinesfalls beweisbar sei und daher eine Strafe von sieben Monate Gefängnis ausreiche. Bei der Aussetzung zur Bewährung stimmte er dem Staatsanwalt zu. Außerdem beantragte er, sein Mandant sei umgehend aus der Haft zu entlassen.

Das Gericht stimmte dem Antrag des Staatsanwaltes zu, weil bei diesem Aufwand am Fahrzeug doch eine enorme kriminelle Energie sichtbar und nur eine beabsichtigte Einzeltat mehr als unwahrscheinlich sei. Zudem habe der Angeklagte zugegeben, dass er eine weitere große Menge an Zigaretten noch zuhause lagere. "Diese wollte er wohl kaum als Nahrungsmittel selbst verzehren", so der Richter. Er stimmte aber auch einer Bewährungszeit von drei Jahren zu und entließ den Mann aus der Haft.

au/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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