Sexgelüste ziehen Haftstrafe nach sich

Rosenheim - Seine Sexgelüste muss ein "Noch-Ehemann" teuer bezahlen. Sie bringen ihm wegen starken Alkoholkonsums und fehlender Zustimmung der Ehefrau zwei Jahre Haftstrafe.

Zuerst hatten der Angeklagte und seine von ihm getrennt lebende Frau in derer Wohnung zusammen mit einigen Gästen gemeinsam den Geburtstag ihrer Tochter gefeiert. Sowohl der Angeklagte, der sich nun vor dem Rosenheimer Schöffengericht zu verantworten hatte, als auch seine Frau hatten dem Alkohol reichlich zugesprochen.

Zweitere zog sich, nachdem sie nicht gar so viel vertragen hatte, in ihr Schlafzimmer zurück und schlief ein. Das allerdings schien dem angetrunkenen „Noch-Ehemann“ nicht zu gefallen, ihm gelüstete es nach Sex. Er begab sich in das Schlafzimmer seiner Frau und entkleidete sie. Dann fing er an, auf sie einzuschlafen, damit sie aufwache und er mit ihr Geschlechtsverkehr ausüben könne. Es blieb nicht bei einem Schlag: Damit sich seine Frau gefügig zeige schlug er in seiner Trunkenkeit mit den Fäusten auf ihrem Kopf und in die Rippen, riss sie brutal an den Haare, würgte sie mehrmals, belegte sie mit obszönen Schimpfworten und drohte in seinem Rausch, sie - falls sie sich weigere – umzubringen.

Danach wuchtete er seinen massiven, durchtrainierten Körper auf die zierlich wirkende Frau, um den Geschlechtsverkehr auszuüben. Wegen seiner Trunkenheit kam es aber nicht dazu. Die Überfallene konnte sich befreien und auf den Balkon flüchten. Als der Mann Anstalten machte, ihr zu folgen sprang sie in ihrer Angst vom Balkon im ersten Stock. Es blieb bei leichteren Blessuren.

Der 1959 in Russland geborene und 1998 als Spätaussiedler mit seiner Frau nach Deutschland gekommene Angeklagte versuchte auf Anraten seines Verteidigers, Rechtsanwalt Hans Sachse aus Rosenheim, gar nicht erst die Vorgänge zu bestreiten. Er erklärte, er könne sich wegen des übermäßigen Alkoholgenusses an nichts erinnern. Allerdings räumte er ein, dass es sich so durchaus zugetragen haben könnte.

Der medizinische Sachverständige, Dr. Thomas Schwarz, attestierte dem Probanten eine leicht eingeschränkte Steuerungsfähigkeit durch dessen Alkoholprobleme, die zwar hin und wieder zu einem „Filmriss“ führen könnten, aber keine Schuldunfähigkeit wegen seelischer Störungen rechtfertigen würden und infolgedessen auch keine Einweisung in ein psychiatrisches Krankenhaus oder in eine Entziehungsanstalt notwendig machten.

Der Verteidiger und der Vertreter der als Nebenkläger auftretenden „Noch-Ehefrau“ hatten zuvor in einem Täter-Opfer-Ausgleich vereinbart, dass der Angeklagte an seine Frau einen Geldbetrag in Höhe von 3500 zahlt.

Hart ging der Vertreter der Staatsanwaltschaft mit dem Angeklagten zur Sache, da er für die versuchte Vergewaltigung, verbunden mit schwerer Körperverletzung, eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten forderte. Unter Einbindung eines noch offenen und somit einzubeziehenden Strafbefehls plädierte er trotz Opfer-Täter-Ausgleich und zugestandener, alkoholbedingter verminderter Schuldunfähigkeit beim Angeklagten auf eine Gesamtstrafe von zwei Jahren und drei Monaten Freiheitsentzug.

Das ging dem Verteidiger zu weit. Er akzeptierte zwar die seitens der Staatsanwaltschaft beantragte Freiheitsstrafe für die versuchte Vergewaltigung und schwere Körperverletzung, wollte aber nicht hinnehmen, dass der einzubindende Strafbefehl die Freiheitsstrafe um fünf Monate erhöhen solle.

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Heinrich Loeber schien diese Meinung zu teilen, es verurteilte den Angeklagten zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren. Da nach Auffassung des Gerichtes beim Angeklagten keine positive Sozialprognose erkennbar sei, konnte die Freiheitsstrafe nicht zur Bewährung ausgesetzt werden.

je/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser