Prozess in Ingolstadt

Sexualmord an Franziska: Die grausame Wahrheit

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Der Angeklagte im Gerichtssaal des Landgerichts in Ingolstadt. Er soll die kleine Franziska im Februar vergangenen Jahres an einem Weiher in Neuburg an der Donau sexuell missbraucht und anschließend erschlagen haben.

Ingolstadt - „Ja“: Es ist das bisher einzige Wort des Angeklagten im Prozess um den Sexualmord an der kleinen Franziska. Der mutmaßliche Täter hat das scheußliche Verbrechen gestanden.

Wenigstens bleibt den Eltern der ermordeten Franziska eine Aussage als Zeugen erspart. Sie müssen dem Peiniger ihrer Tochter im Ingolstädter Schwurgerichtssaal nicht in die Augen schauen. Die Prozessbeteiligten verständigten sich darauf, auf die ursprünglich geplante Vernehmung von Mutter und Vater der Kleinen zu verzichten. Die Eltern treten in dem Verfahren als Nebenkläger auf, verzichten aber darauf, sich die erschütternden Details des Mordes an ihrem Kind anzuhören. Ihre Anwältin vertritt sie vor Gericht.

Franziska war am 15. Februar 2014 auf dem Nachhauseweg entführt und in Neuburg an der Donau an einem Weiher sexuell missbraucht worden. Anschließend erschlug der Täter das Opfer. Für den Mord muss sich seit Februar ein 27 Jahre alter Mann vor dem Ingolstädter Schwurgericht verantworten. Er hat die Tat zu Prozessbeginn gestanden. Sieben der 20 vorgesehenen Verhandlungstage sind mittlerweile absolviert. Das Urteil soll Ende Mai verkündet werden.

Angeklagter im Gefängnis niedergestochen

Der spektakuläre Prozess hatte am 9. Februar kaum begonnen, als er für den Tag auch schon wieder vorbei war. Zur Überraschung der Zuhörer verkündete der Vorsitzende Richter Jochen Bösl, dass bis zum Beginn der Beweisaufnahme erst noch weitere Zeugen vernommen werden sollen - Häftlinge im Gefängnis von Kaisheim. Dort war der Angeklagte kurz vor dem ursprünglich vorgesehenen Prozessbeginn von seinem Zellengenossen niedergestochen worden. Kindsmörder und Sexualverbrecher stehen in der Gefängnishierarchie auf unterster Stufe. Womöglich war Hass auf den Angeklagten das Motiv der Attacke.

Das Verfahren begann daraufhin drei Wochen später. Und nun vergingen noch einmal zwei Wochen, bis es richtig losging. Mit Spannung wurde erwartet, ob Franziskas mutmaßlicher Mörder gesteht. Doch der 27-Jährige schwieg. Für ihn verlas sein Verteidiger eine Erklärung, in der der zuletzt arbeitslose junge Mann die Vorwürfe einräumt. „Ohne Gegenwehr, aber erkennbar ohne ihr Einverständnis“ habe er die Kleine vergewaltigt, heißt es darin. Zur Vertuschung dieser Tat „beschloss der Angeklagte sodann, die Geschädigte zu töten“. Vom Vorsitzenden befragt, ob die Erklärung zutreffend seien, sagte er lediglich: „Ja“. Es ist sein bisher einziges Wort im Prozess.

Erschütternd sind die Aussagen der medizinischen Gutachter. Sie schildern das unvorstellbare Martyrium, das die Zwölfjährige vor ihrem Tod durchleiden musste. Der Täter habe dem Kind bis zu eine Stunde lang schwerste Verletzungen an Kopf, Brustkorb und im Intimbereich zugefügt, sagte etwa der Rechtsmediziner Randolph Penning. Er obduzierte die Leiche des Mädchens. Eine derart brutale Gewalt vor allem gegen den Kopf des Opfers sei ihm aus keinem vergleichbaren Fall bekannt, schilderte der erfahrene Gutachter.

Mutmaßlicher Täter fand seine Festnahme lustig

Wes Geistes Kind der Angeklagte ist, geht auch aus den Aussagen der Polizeibeamten hervor, die den mutmaßlichen Täter bei seiner Flucht festnahmen. Als der Mann nach einer wilden Verfolgungsjagd mit erhobenen Händen aus seinem Auto ausstieg und zu Boden gerungen wurde, grinste er. „Ich hatte den Eindruck, er fand's noch recht lustig“, erinnerte sich einer der Beamten vor Gericht.

Nach den Osterferien geht der Prozess mit der Vernehmung weiterer Polizisten weiter. So sollen Beamte aussagen, was sich an jenem Spielplatz wenige Kilometer vom Tatort abspielte, an dem der mutmaßliche Mörder sein Opfer beobachtete, ehe er es ins Auto zerrte und zum Weiher fuhr. Auch die Auswertung der zahlreichen auf dem Handy des 27-Jährigen gespeicherten Daten spielt dann eine Rolle.

Nach wie vor gelten für den Prozess strenge Sicherheitsvorkehrungen. Aus dem familiären Umfeld des Opfers hatte es konkrete Drohungen gegen den Angeklagten gegeben, die allerdings ausgeräumt werden konnten. Dennoch werden alle Zuschauer, die akkreditierten Journalisten und selbst die Anwältin von Franziskas Eltern vor Betreten des Sitzungssaales auf Waffen durchsucht.

Der Verteidiger des 27-Jährigen will verhindern, dass sein Mandant auch noch zur Sicherungsverwahrung nach Verbüßung der zu erwartenden Haftstrafe wegen Mordes verurteilt wird. So hat Adam Ahmed es zu Prozessbeginn angekündigt. Die besondere Schwere der Schuld steht beim Urteilsspruch aber in jedem Fall im Raum. Der noch junge Mann könnte dann nicht wie sonst üblich nach 15 Jahren Haft auf seine Freilassung hoffen.

Chronik des Grauens: Sexualverbrechen in Deutschland

Wie die zwölfjährige Franziska sind auch schon andere Kinder in Deutschland Opfer von Sexualverbrechen geworden. Einige Fälle:

  • Februar 2012: Das Landgericht Stade (Niedersachsen) verurteilt einen Pädagogen zu lebenslanger Haft. Der sogenannte Maskenmann hatte zwischen 1992 und 2001 drei Jungen ermordet und mehrere sexuell missbraucht.
  • Juni 2011: Spaziergänger finden die Leiche der siebenjährigen Mary-Jane aus Zella-Mehlis (Thüringen). Der Täter muss lebenslang in Haft. Er hatte das Kind missbraucht, aus Angst vor Entdeckung gewürgt und bewusstlos in einen Bach gelegt. Das Mädchen ertrank.

dpa

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