Sicherheit für Senioren durch Senioren

+
Foto der neuen Seniorenberater, oben rechts Kriminaloberrat Hans-Peter Butz, Stellvertretender Leiter des Sachgebietes Kriminalitätsbekämpfung

Rosenheim - In einer Aktion des Polizeipräsidums Oberbayern Süd helfen ruheständige Polizeibeamte der Generation 60-Plus, denn viele ältere Mitbürger fühlen sich in der Öffentlichkeit unsicher.

Angesichts des wachsenden Anteils älterer Menschen in der Bevölkerung ist auch eine Zunahme von Straftaten zu verzeichnen, die sich hauptsächlich gegen Seniorinnen oder Senioren richten. Immer wieder werden Gutmütigkeit und Unkenntnis der Generation 60-Plus durch dreiste Täter ausgenutzt. Zudem fühlen sich viele ältere Mitbürger in der Öffentlichkeit unsicher oder gar bedroht – obwohl sie, bezogen auf ihren Anteil an der Gesamtbevölkerung, tatsächlich seltener Opfer von Straftaten werden als der Durchschnitt. 26,5 % beträgt der Bevölkerungsanteil der über 60-Jährigen im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Nur 12 % der Geschädigten von Straftaten fallen in diese Altersgruppe. Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd verstärkt nun seine Bemühungen, die Zielgruppe der Senioren über die Gefahren aufzuklären, aber auch deren subjektives Sicherheitsgefühl zu verbessern.

Für dieses Vorhaben konnten nun acht erfahrene, pensionierte Polizeibeamte und eine Beamtin, darunter ehemalige Dienststellenleiter und Kriminalbeamte, gewonnen werden. Sie traten nun sozusagen wieder ihren „Dienst“ an und werden in Zukunft ehrenamtlich mit Präventionsvorträgen speziell für Seniorengruppen tätig. Bereits in der Vergangenheit hat es Beratungen für Senioren im Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd gegeben. Nun wurden die Konzepte überarbeitet, weitere Themen in die Beratungen aufgenommen und zusätzliche pensionierte Kollegen „rekrutiert“. Ende Februar war es schließlich soweit. Unter Leitung des Sachgebietes Kriminalitätsbekämpfung wurde feierlich die Aktion „Sicherheit für Senioren durch Senioren“ ins Leben gerufen. Ab sofort stehen die ehrenamtlich und nur mit einer Aufwandsentschädigung vergüteten Berater für Vorträge vor Seniorengruppen zur Verfügung. In die Vorträge und Beratungen können sie eigene Erfahrungen und polizeiliches Wissen einfließen lassen und so den Slogan „Sicherheit für Senioren durch Senioren“ mit Leben erfüllen.

Die Anforderung erfolgt über die Kriminalpolizeilichen Fachberater bei den Kriminalpolizeidienststellen (Anschriften liegen bei). Diese übernehmen die Koordination und versorgen die Seniorenberater mit aktuellen Informationen aus dem Bereich der Kriminalitätsbekämpfung und –vorbeugung. Darüber hinaus stehen die Kriminalpolizeilichen Fachberater auch für Fragen im Zusammenhang mit Einbruchsschutz zur Verfügung. Seniorengruppen oder andere Vereinigungen mit Interesse an einer Beratung werden gebeten, sich dorthin zu wenden.

Wer Gefahren kennt, kann viele Risiken ausschließen

Folgende Beispiele veranschaulichen die Notwendigkeit, Senioren speziell auf bestimmte Kriminalitätsphänomene aufmerksam zu machen:

Auch Straftäter agieren zielgruppenorientiert und haben speziell für ältere Semester Varianten ihrer Taten entwickelt, um so an das „sauer Ersparte“ zu kommen. Enkeltrick, Geldwechseltrick und Handwerkertrick sind nur einige Beispiele aus dem Sammelsurium an Betrügereien, die sich findige Kriminelle für die ältere Generation ausgedacht haben. Meist wird die unbedarfte Art oder Gutmütigkeit ausgenutzt oder schlicht die Tatsache, dass diese Personengruppe in Wahrnehmung und Aufmerksamkeit oftmals nicht mehr so leistungsfähig ist.

Ein weiteres Beispiel ist der sogenannte Wechseltrick, dem alleine im Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd in den letzten Monaten 47 Bürgerinnen oder Bürger zum Opfer gefallen sind. Meist ältere Menschen werden beim Gang zur Bank beobachtet oder vor Einkaufsmärkten abgepasst. Mit vorgetäuschter Hilfsbedürftigkeit bittet der Täter freundlich um Wechselgeld für Parkuhr oder Einkaufswagen, fasst dann vermeintlich unterstützend in das Kleingeldfach des hilfsbereiten Seniors und erleichtert ihn unbemerkt um das Papiergeld. Schäden von mehreren Hundert Euro sind keine Seltenheit und treffen die Opfer – die oft über eine nur geringe Rente verfügen - besonders schwer.

Unter Vorspiegelung falscher Tatsachen gelingt es dreisten Tätern auch immer wieder in Wohnungen älterer Menschen zu gelangen. Nie bestellte oder angeblich von der Hausverwaltung geschickte Arbeiter werden bedenkenlos eingelassen. Oftmals schlüpft unbemerkt ein zweiter Täter hinterher und hat, nachdem der „Handwerker“ das Opfer nach allen Regeln der Kunst ablenkt und mit Hilfsarbeiten eindeckt, alle Zeit der Welt, die Wohnung nach Kostbarem abzusuchen.

Noch dreister gehen Täter nach dem sogenannten „Enkeltrick“ vor. Dem Senior wird am Telefon weisgemacht, dass ein Enkel dringend Geld benötige. Mit der Frage: „Rate mal wer dran ist“, wird das Opfer meist noch dazu verleitet den Namen eines möglichen Enkels zu nennen. Oft soll nach Absprache eines Losungswortes ein Bote dann das Geld abholen, womit dem vermeintlichen Großvater oder der Großmutter Sicherheit vorgegaukelt wird.

Ältere Menschen werden statistisch seltener Opfer von Gewaltdelikten als jüngere. Dies wird von vielen älteren Menschen jedoch oft anders wahrgenommen, so dass sie sich im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr auf die Straße trauen, immer mehr aus dem öffentlichen Leben zurückziehen. Dadurch wird ihre Selbstständigkeit und Lebensqualität spürbar eingeschränkt. Auch hier setzen die Seniorenberater an und versuchen ein der Realität entsprechendes Sicherheitsgefühl zu vermitteln.

Pressemitteilung Polizeipräsidium Oberbayern Süd

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser