Siebenfacher Rücktritt: Nun Neuwahlen

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Die Rücktrittsschreiben von sieben Feuerwehrleuten (einer war verhindert) musste gestern vor dem Hauptausschuss Bürgermeister Felix Schwaller (rechts stehend) entgegennehmen.

Bad Aibling - Völlig überfahren wirkte gestern Abend der Hauptausschuss mit Bürgermeister Felix Schwaller. Vor der Sitzung kam es zum Eklat:

Der Zweite Kommandant sowie sechs weitere Feuerwehrleute legten ihre Kündigungsschreiben vor. Sie traten mit sofortiger Wirkung aus dem aktiven Dienst der Feuerwehr Bad Aibling aus. Sie sahen keine Chance mehr, dass die von ihnen angeprangerten Missstände (wir berichteten) behoben werden. Unter dem Druck der Rücktritte versprach Schwaller Neuwahlen der Führungsriege.

Zusammen mit den Schreiben gaben die sieben Feuerwehrleute ihre Funkgeräte und Piepser zurück, der Zweite Kommandant Christian Stechl auch den Bund mit den Schlüsseln für das Feuerwehrhaus. Die Rücktritte begründete Stechl so: Es sei nicht allein damit getan, die Spaltung in der Feuerwehr zu kitten.

Nun ist endgültig Schluss mit dem aktiven Dienst: Funkgeräte, Piepser und Schlüssel fürs Feuerwehrhaus wurden abgegeben.

Mit dieser Aussicht auf Vermittlung hatte der Bürgermeister noch versucht, die Rücktrittsabsichten zu stoppen. Man sei doch schließlich durch die geplanten Krisengespräche auf einem guten Weg. Die Geduld der Kritiker war nach eigenen Angaben aber bereits seit Frühjahr auf die Zerreißprobe gestellt. Als letztes Mittel hatten sie den offenen Brief an Bürgermeister - sogleich oberster Dienstherr der Feuerwehr - sowie alle Stadträte geschrieben. Darin hatten sie explizit zahlreiche Kritikpunkte dargelegt und die desolate Situation der Feuerwehr Bad Aibling aufgezeigt.

"Wir können nicht mehr. Das ist ein sehr schwerer Gang für uns. Aber wir sehen keinen anderen Ausweg", so die Sieben übereinstimmend. Sie ließen durchblicken, dass sie - so schwer es auch falle - nicht mehr auf ihr Herz, sondern auf den Verstand hören. "Es muss sich etwas ändern", so Stechl.

Mit dem Vize-Kommandanten, der seit sieben Jahren in diesem Amt ist, geht nach vier Jahren auch der Jugendwart. Insgesamt verliert die Aiblinger Feuerwehr 93 Jahre Erfahrung im Dienst am Nächsten (gerechnet sind nur die Aiblinger Dienstjahre). Der Jugendwart war zum Beispiel 13 Jahre in der Freiwilligen Feuerwehr Mietraching tätig. Fünf davon dort bereits als Jugendwart.

Mit dem Wegbrechen von sieben Freiwilligen könnte der Führung ein neues Problem drohen. Denn: Im Gegensatz zu sechs Berufsfeuerwehrlern und einem Polizisten (alle auswärts im Schichtdienst tätig) üben die sieben ihren Beruf in Bad Aibling aus. Dadurch waren sie eigenen Angaben zufolge tagsüber bei Einsätzen "griffbereit".

Ein gestern Vormittag geplantes Krisengespräch im Landratsamt sollte zwischen Kreisbrandrat Sebastian Ruhsamer, Bürgermeister Schwaller, Erstem Kommandanten Wolfram Höfler und Zweitem Kommandanten Stechl stattfinden. Es wurde abgesagt. Schwaller zufolge konnte Stechl berufsbedingt daran nicht teilnehmen.

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Angedacht war noch bis zum Zeitpunkt der siebenfachen Rücktrittserklärung, dieses Gespräch in der nächsten Woche nachzuholen. Dies ist nun hinfällig. Stattdessen wird es Neuwahlen der Führungsriege geben. Für die sieben Feuerwehrleute der einzig mögliche Schritt, die Feuerwehr Bad Aibling zu "retten". Kameradschaft, Fairness und Ehrenamt müssten wieder ihren Stellenwert bekommen und nicht mit Füßen getreten werden.

Selbst dann wird Stechl allerdings für Führungsaufgaben nicht mehr zur Verfügung stehen. Er könne sich aber, wie auch die sechs anderen, bei einem völligen Neuanfang eine Rückkehr in den aktiven Dienst vorstellen.

Schwaller gab zu, dass die Kluft doch größer sei, als er befürchtet habe. "Sie ist nicht mehr heilbar." Er sah jetzt nur noch den Ausweg, Neuwahlen der Feuerwehrführung vorzunehmen. Diesbezüglich wolle er sich mit Kreisbrandrat Sebastian Ruhsamer besprechen. Er werde jedoch, da sich der Protest vorwiegend gegen den Ersten Kommandanten Wolfram Höfler richte, diesem nahelegen, auf eine erneute Kandidatur zu verzichten. Schwaller zeigte sich zuversichtlich, dass mit der Wahl wieder Ruhe in die Feuerwehr einkehren möge.

Elke Wrede-Knopp (Mangfall-Bote)

Quelle: rosenheim24.de

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