+++ Eilmeldung +++

Spanisches Verteidigungsministerium

Kampfflugzeug bei Madrid abgestürzt

Kampfflugzeug bei Madrid abgestürzt

Der Schock sitzt tief

+
Bundesliga-Schiedsrichter Felix Zwayer leitete im Oktober 2011 in Berlin das Kreisligaspiel SV Blau Gelb gegen GW Baumschulenweg. Aus Protest gegen die zunehmende Gewalt auf Amateurplätzen hatten Berlins Fußball-Referees jede Partie für fünf Minuten unterbrochen. Eine Aktion, wie sie inzwischen auch in der Region denkbar ist.

Rosenheim - Der Schiedsrichter, der das Skandalspiel zwischen Iliria und dem ESV pfiff, bangt noch immer um sein Augenlicht. Unter seinen Kollegen herrscht einstweilen starke Verunsicherung.

Fußballspiele pfeifen in den unteren Ligen - ein Vergnügen ist das in den seltensten Fällen. Weil sie es nie allen rechtmachen können, werden Schiedsrichter Woche für Woche ausgepfiffen, beleidigt, bedroht, gerempelt - und manchmal sogar geschlagen. So wie ein Referee aus Feldkirchen-Westerham bei einem A-Klassen-Spiel in Rosenheim. Das Opfer bangte auch gestern um sein Augenlicht, die Schiedsrichter-Kollegen sind geschockt. Für sie ist eine Schmerzgrenze überschritten.

Es waren abstoßende Szenen, die sich am Tag der Deutschen Einheit beim Stadtderby zwischen dem albanischen Klub FC Iliria und dem ESV Rosenheim abspielten. Weil die Hausherren in der Nachspielzeit noch das 2:2 kassierten, schlugen zwei Iliria-Spieler den Schiedsrichter und den Gäste-Trainer, der schlichten wollte, krankenhausreif.

Seither gibt es unter den Referees in der Region nur noch ein Thema: den Gewaltexzess in der Innflutmulde, die Folgen für die Betroffenen und die Konsequenzen.

Alles zum Skandal-Spiel:

Die wichtigste Frage: Wie geht es den Opfern? Der Unparteiische gestern zu den OVB-Heimatzeitungen: "Ich kann mein linkes Auge auf- und zumachen. Aber ich sehe nichts außer einem Schleier." Er war am Freitagnachmittag in einer Münchner Spezialklinik untersucht worden und sollte dort operiert werden. Die Ärzte entschlossen sich aber dazu, den Rückgang der Schwellung abzuwarten. Die Gefahr der Erblindung bestand auch gestern, Folgeschäden sind wohl kaum zu vermeiden. "Um eine Brille komme ich auf keinen Fall herum", so der Schiedsrichter aus Feldkirchen-Westerham, der seit 18 Jahren Fußballspiele in der Region leitet.

Der Trainer des ESV Rosenheim, der den Referee schützen wollte und dafür einen heftigen Tritt in den Bauch versetzt bekam, musste wegen einer Magenblutung bis gestern täglich das Romed-Klinikum aufsuchen, ist aber auf dem Weg der Besserung.

Der FC Iliria hat sich gestern in einem Schreiben an den Bayerischen Fußball-Verband (BFV) für die Angriffe entschuldigt und mitgeteilt, dass die beiden Spieler, die den Schiedsrichter und den Gäste-Trainer körperlich attackiert und schwer verletzt hatten, mit sofortiger Wirkung vom Verein suspendiert worden sind.

"Ich möchte mich persönlich und stellvertretend für den ganzen Verein für die Vorkommnisse bei allen Beteiligten und vor allem beim Unparteiischen und beim Trainer des ESV in aller höchster Form entschuldigen und wünsche ihnen alles Gute und schnellstmögliche Genesung", erklärte Jashar Kosumi, Präsident des FC Iliria.

Dass manche Spieler, Verantwortliche und Fans des FC Iliria anfangs nach Erklärungen und Rechtfertigungen für die brutalen Tritte und Schläge gesucht, die Gewaltexzesse heruntergespielt und die Schwere der Verletzungen infrage gestellt hatten, macht viele Unparteiische wütend. "So ein Verhalten ist unentschuldbar. Da muss man sich ohne Wenn und Aber distanzieren", betont Josef Kurzmeier, Chef der Schiedsrichter der Fußballgruppe Chiem.

Das Wochenend-Spiel des FC Iliria gegen Kolbermoor II (1:8) hat Kurzmeier selbst geleitet. Am Rande der Partie trieb die Polizei ihre Ermittlungen voran und vernahm Zeugen, auch das Medieninteresse war groß - und damit auch der Druck, der auf dem Schiedsrichter lastete. "Und diesen Druck wollte ich keinem jungen Kollegen aufbürden", sagt der Ramerberger, der einer der erfahrensten Referees im Landkreis Rosenheim ist.

"Dass der Verein sich von den Vorkommnissen distanziert und die Spieler ausgeschlossen hat, ist ein guter und wichtiger erster Schritt. Klar ist aber auch, dass der Fall von der Sportgerichtsbarkeit des BFV lückenlos aufgearbeitet wird", betont Oberbayerns BFV-Bezirksvorsitzender Horst Winkler.

BFV-Pressesprecher Thomas Müther im Gespräch mit Radio Charivari:

o-ton

Das Kreissportgericht Inn/Salzach hatte am Freitag beide Spieler bereits mit sofortiger Wirkung per einstweiliger Verfügung vorläufig gesperrt und die Ermittlungen aufgenommen. Beschäftigen wird sich der BFV auch mit dem "Nachspiel" in Internet-Foren. Dort kam es teils zu rassistischen und diskriminierenden Äußerungen. "So erschüttert, wie wir alle über den Vorfall in Rosenheim waren, so erschrocken sind wir über die Diskussionen in den sozialen Netzwerken. Rassismus, Gewalt und Diskriminierung dürfen bei uns keinen Platz haben", sagt Reinhold Baier, BFV-Vizepräsident und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft "Gemeinsam und Fair".

Indessen rollt auf die zwei Tatverdächtigen ein Strafverfahren wegen (schwerer) Körperverletzung zu. Ob es sich bei den zwei Albanern um amtsbekannte Schläger handelt, wollte die ermittelnde Polizeiinspektion weder bestätigen noch dementieren.

Manche Schiedsrichter fordern auch sportpolitische Maßnahmen. Ihre Begeisterung hält sich nicht erst seit der Eskalation vom 3. Oktober in Grenzen, wenn sie zu Spielen des FC Iliria oder mit Beteiligung türkischer Mannschaften eingeteilt werden. Manche räumen schon zur Pause die Schiedsrichterkabine leer, bringen ihre Sachen zum Auto, deponieren den Schlüssel bei einem Bekannten und "flüchten" unmittelbar nach Abpfiff zum Wagen, weil sie um ihre Gesundheit fürchten. Feldkirchener Spieler sollen sich auf der Flucht vor wütenden Gegnern sogar im Ballkammerl eingesperrt haben. Eine zunehmende Unsitte sei dabei, dass sich gewaltbereite Spieler das Trikot vom Leib reißen, um nicht durch die Rückennummer als Schläger identifiziert zu werden.

ls/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser