Streifzug durch 150 Jahre Herbstfest

Rosenheim - Der Countdown läuft: Am 26. August beginnt das Jubiläums-Herbstfest. Wer sich bereits jetzt in Wiesnstimmung bringen will, der sollte die Sonderausstellung im Städtischen Museum besuchen.

Unter dem Titel "Lockruf und Tradition" werden Exponate, Bilder und Filme gezeigt, die gut nachvollziehen lassen, was sich in 150 Jahren beim Herbstfest geändert hat und was bis heute gleich geblieben ist.

Die Idee für die Ausstellung hatte Museumsleiter Walter Leicht. Hilfe bekam er bei der Realisierung von der Historikerin Lydia Zellner und der Volkskundlerin Michaela Firmkäs. Viele Monate haben sie in alten Aufzeichnungen, Archiven und Museumsbeständen recherchiert, um den Besuchern der Sonderausstellung einen umfangreichen Einblick in die bewegte Geschichte des Rosenheimer Herbstfestes zu geben. Besonders achteten sie bei der Gestaltung der Schauräume auf möglichst große Realitätsnähe.

Bier und Bierzelte spielten anfangs keine große Rolle

So erwartet die Gäste nun auch eine alte Bierbank, Krüge, zusammengeknülltes Steckerlfischpapier, Reste einer großen Wiesnbreze und unter dem Tisch Müll. Wer diese sehr realistische Anordnung im Städtischen Museum sieht, fühlt sich automatisch in ein Bierzelt versetzt. Verstärkt wird dieses Gefühl noch mit der dazu passenden Geräuschkulisse. Eines fand Leicht bei seiner Recherche besonders interessant: "Man stellt fest, dass es heute fast nichts gibt, was es nicht früher schon mal gab."

So müssen wohl auch alle Wiesnbesucher, die Wein auf dem Herbstfest als nicht traditionell kritisieren, nach einem Rundgang durch die Ausstellung umdenken. Wein, Likör und Kaffee wurden schon 1861 ausgeschenkt, en Steckerfisch gibt es seit 1888 und die Wiesnbrezn konnte man sogar schon im Jahr 1836 genießen.

Bier und Bierzelte spielten dagegen in der Anfangszeit eine eher untergeordnete Rolle. Zeitweise beklagten sich die Wirte sogar, dass die Volksfestbesucher ihr Bier lieber in der Stadt tranken, weil es dort 25 Pfennig kostete und damit um fünf Pfennige billiger war als am Fest.

Staunen kann man aber in der Sonderausstellung nicht nur über das vielseitige historische Wissen, das dadurch anschaulich näher gebracht wird. Interessant sind auch die Exponate, die von Privatpersonen, Ausstellern, Brauereien und dem Stadtmuseum München stammen.

Die Geisterbahn von 1974 kann niemanden mehr schocken

Darunter finden sich auch einige ganz besondere Raritäten, wie etwa ein Bierkrug vom Herbstfest 1914, das Lieblingsstück des Museumsleiters. Das besondere an diesem Steinkrug ist, dass er für eine Wiesn wirbt, die überhaupt nicht stattgefunden hat. Der Krieg bereitete dem Vergnügen ein jähes Ende. Das gleiche passierte 1939 nochmals. Da waren sogar schon alle Buden, Zelte und Fahrgeschäfte fertig aufgebaut, als die Absage erfolgte.

Zum Glück überwiegen aber nicht die finsteren Augenblicke der Geschichte in der Sonderausstellung. Hauptsächlich wird bei einem Blick in die Schauvitrinen deutlich, was Wiesnbesuchern immer schon besonders gut gefallen hat. Dazu zählen Schieß- und Wurfbuden ebenso wie das Kasperltheater, das es auch noch nach 150 Jahren schafft, Kinderaugen zum Leuchten zu bringen. Allerdings sehen die Kasperlfiguren heutzutage schon etwas anders aus. Ausgestellt sind im Städtischen Museum Kasperl, Teufel und Tod aus dem Jahr 1940. Alle drei Puppen dürften auf Kinder unserer Zeit schon sehr gruselig wirken.

Genau anders verhält es sich da mit dem Geisterbahn-Monster aus dem Jahr 1947. Das könnte heutzutage wohl niemanden mehr schockieren. Immerhin konnte die Puppe mit den langen Zähnen aber bereits Arme und Unterkiefer bewegen.

Für Beständigkeit in der 150 Jahre langen Geschichte sorgt der Glückshafen. Schon immer war er fest in der Hand der Stadt Rosenheim. Die Einnahmen durch den Losverkauf wurden von Anfang an für gemeinnützige Projekte verwendet. Auch diesem wichtigen Bestandteil der Wiesn widmet sich die Sonderausstellung.

Ein Karussell vor dem Museum

Ab Mitte August kommt beim Städtischen Museum sogar noch mehr Wiesngefühl auf. Dann wird vor dem Eingang ein Karussell aufgestellt. Während des Herbstfestes soll es dann gemeinsame Aktionen von Ausstellern und Museum geben, bei denen Besucher Geld sparen können. Mit der Jubiläumswiesn endet schließlich auch die Sonderausstellung "Lockruf und Tradition."

wu/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © Reisner

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