Ude und Steinbrück rackern

SPD-Parteitag: Schweißarbeit im Wahlkampf

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Die heiße Phase des Wahlkampfs: OB und Spitzenkandidat Christian Ude schuftet beim Kleinen Parteitag der SPD in München. Mehr Applaus bekommt aber Kanzlerkandidat Peer Steinbrück.

München - Die SPD läutet die heiße Phase des Wahlkampfs an: Christian Ude und Peer Steinbrück kämpfen beim Kleinen Parteitag nicht nur gegen die tropischen Verhältnisse im Theaterzelt "Das Schloss".

Nach seiner Rede steht OB Christian Ude im schweißgebadet-durchsichtigen Hemd da. Das liegt weniger an der Temperatur seiner Rede oder der Hitze des Applauses. 24 der 100 Delegierten sind gar nicht erst zum Kleinen Parteitag der SPD erschienen. Einige der 300 Gäste sind schon gegangen, manche während Udes Rede. Die Anwesenden schaffen nach Jubelstürmen für Kanzlerkandidat Peer Steinbrück noch mäßigen Applaus. So sieht die heiße Phase des Wahlkampfs aus: Bei 29 Grad draußen herrscht im Theaterzelt "Das Schloss" am Olympiapark ein Klima wie im Dschungelzelt von Hellabrunn.

Wie ein Löwe beginnt der Spitzenkandidat zur Landtagswahl aber nicht: Ude arbeitet sich an den schlechten Umfragen und an der aus seiner Sicht noch schlechteren Berichterstattung darüber ab. Verteidigung ist das, nicht Attacke. Dabei bekennt der OB selbst, dass „zum Glück“ noch acht Wochen Zeit sind.

Die Themen sind nach Monaten des Wahlkampfs bekannt: Das Dreier-Bündnis mit Grünen und Freien Wählern steht. Die CSU schreibt bei den Sozialdemokraten ab – „wie früher nur in Doktorarbeiten“. Die SPD-Pressestelle weist darauf hin, dass Ude auch das Freihandelsabkommen mit den USA kritisiert hat.

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Nun sind Parteitage nicht in erster Linie für die Themen da – sondern vor allem, um die eigenen Leute mitzureißen. Ude wäre nicht Ude, wenn er da nicht selbst mit guten Sprüchen das Wahlkampf-Fieber der Genossen steigern würde. „Ich verspreche, mich in den nächsten zwei Monaten zu zerreißen“, ruft er zum starken Finale seiner Rede. „Aber ich bitte euch, das ebenfalls zu tun!“ Beim Regierungswechsel werde nichts schlechter, sagt er in Schröder-Manier, schon gar nicht wirtschaftlich. „Wenn man die Stimmen der CSU gibt, wählt man die eigene Mieterhöhung. So blöd kann kein Mieter sein!“ Die Studiengebühren sind schon weg. „Ich werde der erste Ministerpräsident sein, der beim Amtsantritt eine stattliche Bilanz vorlegen kann.“

Da sind die Genossen bei der Hitze schon nach Steinbrück ausgepowert. Der hält eine Stunde eine Ärmel-rauf-Rede wie aus dem Arbeiter-Lehrbuch. Erinnert an den 150 Jahre alten Auftrag zur Gerechtigkeit. Beschwört die ganz alten und alten Geister mit Lassalle und Wehner, von dem er eine Notiz hat. Darauf steht: „Weitermachen!“ – Hans-Jochen Vogel hat sie ihm geschenkt, der im Publikum den Temperaturen trotzt, der Kämpfer. Landes-Chef Florian Pronold fehlt, weil er krank ist.

Steinbrück führt die Kanzlerin vor, die nichts über den US-Lauschangriff weiß, der größten Grundrechtsverletzung seit langem: „Es ist nicht unanständig, wenn man sie an den Amtseid erinnert, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden.“ Und was habe sie an Reformen geschafft? „Nur heiße Luft!“, plärrt ein Genosse aus dem Publikum. Sie kleben an seinen Worten. „Nicht nervös werden“, mahnt Steinbrück. „Das Ding wird entschieden über einen Swing von wenigen Prozent."

David Costanzo

Quelle: tz

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