Zehn Monate nach tödlichen Schüssen

Augsburger Polizistenmord: Anklage erhoben

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Der leitende Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz (l) auf einem Archiv-Bild vom Dezember vergangenen Jahres.

Augsburg - Nach monatelangen Ermittlungen steht die Anklageschrift gegen die beiden mutmaßlichen Augsburger Polizistenmörder. Wann der Prozess beginnt, ist noch unklar.

Knapp zehn Monate nach dem Augsburger Polizistenmord hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen zwei Brüder erhoben. Die 57 und 59 Jahre alten Männer sollen den Polizisten Mathias Vieth erschossen und dessen Kollegin verletzt haben. Sie wurden Ende Dezember festgenommen und sitzen seitdem in Untersuchungshaft. Die Anklage lautet unter anderem auf gemeinschaftlich begangenen Mord und versuchten Mord. Termine für die Hauptverhandlung stehen noch nicht fest, wie die Staatsanwaltschaft am Montag mitteilte.

Der Fall hatte bundesweit Schlagzeilen gemacht. Laut Staatsanwaltschaft planten die beiden am 28. Oktober 2011 einen bewaffneten Raubüberfall in Augsburg. Sie sollen sich auf einem Parkplatz getroffen haben, um von dort aus zum geplanten Tatort weiterzufahren - ausgestattet mit zwei Schnellfeuergewehren und zwei Pistolen. Eine Polizeistreife wollte die Männer kontrollieren und durchkreuzte so die Pläne. Die beiden flüchteten laut Anklage auf einem gestohlenen Motorrad mit gefälschtem Kennzeichen in Richtung Augsburger Siebentischwald.

Auf der Flucht stürzten sie der Staatsanwaltschaft zufolge mit der Maschine auf einem unbefestigten Waldweg. Der 41 Jahre alte Polizist habe sie mit gezogener Dienstwaffe aufgefordert, sich hinzulegen. Daraufhin hätten die beiden mutmaßlichen Mörder aus etwa zehn Meter Entfernung Schüsse auf die Polizisten abgefeuert. Vieth wurde von mehreren Kugeln getroffen und tödlich verletzt. Die heute 31 Jahre alte Polizistin wurde leicht verletzt. Die beiden Brüder aus Augsburg und dem Landkreis Aichach-Friedberg sollen zu Fuß geflohen sein.

Das Strafgesetzbuch sieht für Mord eine lebenslange Freiheitsstrafe vor. Die Staatsanwaltschaft legt den beiden Männern auch gefährliche Körperverletzung sowie schweren Raub in mehreren Fällen zur Last. Außerdem werden ihnen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte in besonders schwerem Fall sowie Verstöße gegen das Waffen- und das Kriegswaffenkontrollgesetz vorgeworfen.

Sie sollen eine Vielzahl von Kriegswaffen und Munition besessen und diese in mehreren Gebäuden im Landkreis Aichach-Friedberg versteckt haben. Die Tochter des einen Verdächtigen war im Juni zu einer zweijährigen Bewährungshaftstrafe verurteilt worden, weil sie Waffen und Geld ihres Vaters bei sich deponiert hatte.

Außerdem begingen die mutmaßlichen Polizistenmörder laut Staatsanwaltschaft zwischen 2002 und 2011 mehrere Raubüberfälle - zum Teil mit bislang unbekannten Mittätern. Vorgeworfen wird ihnen etwa, 2002 ein Werttransportunternehmen in Ingolstadt überfallen zu haben. Dabei sollen drei Täter einen Mitarbeiter mit vorgehaltener Maschinenpistole gezwungen haben, den Tresor zu öffnen, und mit einer Beute von mehr als 300 000 Euro geflohen sein.
dpa

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