Prügel-Vorwürfe: Abmahnung für Krätz

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Sepp Krätz wurde offiziell von der Stadt abgemahnt, nachdem er sein Personal beleidigt und tätlich angegriffen hatte

München - Nach den Prügelvorwürfen gegen Wiesn-Wirt Sepp Krätz, hat die Stadt München den Hippodrom-Chef nun ermahnt. Sollten sich derartige Szenen wiederholen, könnte es für ihn das Aus als Festwirt bedeuten.

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Jetzt ist es offiziell: Wirtschaftsreferent Dieter Reiter hat Wiesn-Wirt Sepp Krätz (56) nach den Prügelvorwürfen gegen die eigene Belegschaft am Mittwoch scharf ermahnt und mit einem Rauswurf von der Wiesn gedroht, „sollte es erneut zu Vorkommnissen kommen“.

Im Klartext: Sepp Krätz darf nach dem alljährlichen Bewerbungsverfahren aller Voraussicht nach 2011 zwar wieder auf die Wiesn – er wird allerdings unter verschärfter Beobachtung stehen. Damit ist Krätz, der sich erst vor Kurzem mit Glanz und Glamour als „Gastronom des Jahres 2011“ feiern ließ, im Jahr seiner Auszeichnung ein Wiesn-Wirt auf Bewährung.

Die Stadt war vergangene Woche nach Presseberichten auf den Vorfall aufmerksam geworden, der sich am letzten Wiesn-Abend im Hippodrom zugetragen hat – und den Krätz nach anfänglichem Leugnen in einer Erklärung an die Stadt nun doch zugegeben hat: Krätz hatte Mitarbeiter beleidigt und tätlich angegriffen, weil diese zum Abschied auf die Bühne gestiegen waren – so war es Tradition im Hippodrom.

Doch heuer wollte der Wirt die Bühne nicht teilen und verscheuchte Mitarbeiter unter groben Beschimpfungen, Tritten in den Hintern und Faustschlägen auf den Hinterkopf. Einen Kellner hat er laut Belegschaft an den Ohren gezogen und die Treppe hinuntergeschubst.

Krätz entschuldigt sich bei der Stadt

In seiner schriftlichen Stellungnahme gegenüber der Stadt bedauert Krätz nun sein Verhalten und versichert, „zukünftig keinen Anlass zu ähnlichen Beschwerden mehr geben zu wollen“, wie das Wirtschaftsreferat mitteilt. „Herr Krätz hat sich bei uns entschuldigt und wir gehen davon aus, dass er dies auch bei seinem Personal tun wird“, sagte Referatssprecher Wolfgang Nickl auf tz-Anfrage. Wirtschaftsreferent Reiter findet gegenüber dem unbeherrschten Wirt weniger versöhnliche Töne: „Körperliche Übergriffe jeglicher Art, insbesondere auch gegenüber Ihrem Personal sind inakzeptabel.“

Auch OB Ude ist entsetzt. Anfang der Woche sagte er der tz: „Das sind ja ganz neue Zukunftsaussichten. Da heißt es nicht nur beim Schichtl: ‚Heute wieder Hinrichtung‘, sondern vor dem Bierzelt ‚Heute wieder Wirtshausschlägerei – wir verprügeln nur die eigenen Leute!“‘

Publik geworden war der Eklat, weil einige geschockte Mitarbeiter sich an die Presse gewandt hatten, auch Sascha Schneider (35), Hippodrom-Kellner und angehender Lehrer: „Sepp Krätz hat inzwischen ein Mitarbeiterfest versprochen“, erzählte er am Mittwoch der tz. Krätz selbst wollte sich gegenüber der tz nicht äußern.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Wiesn-Wirt abgemahnt wird: Bereits in Krätz’ erstem Wiesn-Jahr 1995 hielten seine Ordner betrunkene Gäste mit Feuerlöschern und Dobermännern (!) davon ab, das Zelt zu stürmen. Im Jahr darauf verlor er die Nachtkonzession, die das Hippodrom bis dato hatte. 2000 sorgte Krätz mit goldenen „VIP-Bändchen“ für Unmut bei der Stadt – und hatte zwischenzeitlich scheinbar vergessen, dass er keine Nachtkonzession mehr hat: Eine Stunde nach Schankschluss schenkte er noch Bier an einige Gäste aus – Abmahnung! Zuletzt kassierte Krätz 2006 einen Rüffel, als er Paris Hilton für einen Werbe-Auftritt ins Hippodrom holen wollte (das It-Girl wollte Prosecco in der Dose groß rausbringen). Wiesn-Chefin Gabi Weishäupl sorgte dafür, dass Hilton die Dose zu ließ.

Zulassung als Festwirt in Gefahr

Nach den jüngsten Prügelvorwürfen klingt die abermalige Ermahnung der Stadt nun bereits wie eine Drohung. Reiter: „Sollte es erneut zu Verstößen kommen, müsste ich dem Stadtrat leider vorschlagen, Sie künftig nicht mehr als Festwirt auf dem Oktoberfest zuzulassen.“

Simone Herzner

Bisher mussten drei Wiesn-Wirte ihre Zelte dicht machen

Die Stadt hat in der jüngeren Vergangenheit insgesamt drei Wiesn-Wirten die Konzession entzogen.

1984: Während der Wiesn muss Richard Süßmeier die Leitung des Armbrustschützenzeltes abgeben. Grund: Bei einer Kontrolle entdeckt die Gewerbeaufsicht 23 illegal Beschäftigte. Im Vorfeld hatte sich der Wirtesprecher über den damaligen KVR-Referenten Peter Gauweiler lustig gemacht. Viele sehen einen Zusammenhang zwischen Parodie und Kontrolle – was Gauweiler bestreitet. In den laufenden Wiesn-Betrieb steigt Helmut Huber als Wirt ein.

1990: Helmut Huber verliert wegen Hygienemängel die Konzession für den Salvatorkeller im Nockherberg und damit auch die Zulassung für die Wiesn.

1994: Das Ehepaar Weinfurtner wird wegen Steuerhinterziehung verhaftet und darf ab sofort auch nicht mehr die Geschäfte im Hippodrom führen.

Quelle: Oktoberfest live

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