Mehrgenerationenhaus: Stadt soll einspringen

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Bei der Eröffnung 2007 zeigten Familien großes Interesse am Angebot des Mehrgenerationenhauses der Arbeiterwohlfahrt in der Ebersberger Straße 8. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Doch jetzt läuft die Modellphase aus, und der Bund kürzt seinen Zuschuss. Foto re

Rosenheim - Mit 40.000 Euro pro Jahr hat der Bund bisher die Arbeit im Mehrgenerationenhaus der Arbeiterwohlfahrt gestützt. In einigen Monaten läuft das Förderprogramm allerdings aus.

Zwar hat die Rosenheimer Einrichtung gute Chancen auf ein Fortbestehen - aber nur, wenn die Stadt mit jährlich 10.000 Euro einspringt. Es war die ehemalige Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen, die 2007 dafür sorgte, dass bundesweit 500 solcher Mehrgenerationenhäuser eingerichtet wurden. Sie sind zentrale Anlaufstellen, wo Menschen in ihrer Nachbarschaft alles finden sollen, was sie im Alltag brauchen, von Angeboten für Kinder bis zur praktischen Hilfe bei Fragen um die Betreuung Demenzkranker.

Im Rosenheimer Haus in der Ebersberger Straße 8 liegt ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ehrenamt. Sozialpädagoge Klaus Schindler koordiniert das Engagement von rund 70 Aktiven. Sie engagieren sich unter anderem als Schülerpaten, treten als Vorleser in Altersheimen auf oder wollen Kinder zum Selberlesen anspornen. Schindler steuert auch das Programm zur Vermittlung von Familienanschluss und die Begleitung überschuldeter Familien. Es gibt unter anderem Beratung für Migranten und soziale Beratung. Das Mehrgenerationenhaus ist gleichfalls eine Heimat für Selbsthilfegruppen. Eine besonders wichtige Einrichtung ist die Tafelrunde, zu der sich zweimal pro Woche Menschen treffen, um gemeinsam ein preisgünstiges Mittagessen einzunehmen - weil sie sich nicht viel leisten können oder weil es ihnen einfach gut tut, in Gesellschaft zu essen.

Auch in die telefonische Pflegeberatung der Arbeiterwohlfahrt für Angehörige und Senioren ist das Mehrgenerationenhaus eingebunden. Wer kostenlos die Telefonnummer 0800/6070110 anruft und Fragen rund die Themen Alter und Pflege hat, erhält dort Informationen über sämtliche in Frage kommenden Anlaufstellen in der Nähe des Wohnortes.

Die Förderphase für das Modellprojekt betrug fünf Jahre. Danach sollten sich die Häuser durch eine Kooperation mit der Wirtschaft selber tragen. Doch dies blieb nicht nur in Rosenheim Theorie. Die Einrichtung ist weiterhin auf Fördergelder angewiesen.

Zwischen Ende 2011 und Ende 2012 läuft die Förderung für die erste Phase aus. In einem Folgeprogramm will nun das Bundesfamilienministerium das generationenübergreifende Angebot noch stärker in den Mittelpunkt rücken. "Das lässt sich machen", ist sich Klaus Schindler sicher. Der Arbeit würde es aber gut tun, wenn die Zukunft des Hauses nicht immer nur etappenweise gesichert werden würde, meint er.

Stadt bemüht sich um sichere Finanzierung

Insgesamt 450 Mehrgenerationenhäuser können am Folgeprogramm teilnehmen, das heißt, von den bundesweit vorhandenen 500 haben 50 keine erneute Förderung zu erwarten. Sowohl das Haus in Rosenheim als auch das in Wasserburg haben jedoch gute Chancen: In jedem Landkreis und in jeder kreisfreien Stadt will der Bund weiterhin ein Haus unterstützen. Allerdings kürzt das Ministerium den bisherigen Zuschuss. 10000 Euro von 40000 Euro soll die jeweilige Kommune übernehmen. Sozialamtsleiter Christian Meixner versichert: "Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer und die Verwaltung stehen voll hinter dem Mehgenerationenhaus." Dies habe habe er dem Kreisvorsitzenden der Arbeiterwohlfahrt, Herbert Weißenfels, bereits in einem Gespräch bestätigt. Die Stadt werde sich auch bemühen, die Finanzierung auf sichere Beine zu stellen. Derzeit werde geklärt, ob die Restfinanzierung zum Beispiel über Stiftungsleistungen geleistet werden kann.

Vom Bundesfamilienministerium heißt es dazu, es hätten Gespräche mit allen Bundesländern und den kommunalen Spitzenverbänden begonnen, um gemeinsam Wege zu finden, wie die Mehrgenerationenhäuser auch über das Folgeprogramm hinaus nachhaltig etabliert und dauerhaft in die regionale und lokale Infrastruktur eingebettet werden können.

Unterschiedlich bewerten die heimischen Bundestagsabgeordneten die Situation. Während die CSU-Abgeordnete Daniela Ludwig feststellt, mit dem neuen Programm werde der Erfolg der Mehrgenerationenhäuser auch weiterhin gewährleistet und anerkannt, kritisiert ihre Kollegin von der SPD die Finanzierung. Angelika Graf meint: "Weniger Häuser, die schlechter gefördert werden, das ist die falsche Richtung."

re (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

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