Rat vom "Stadtklima-Lotsen"

Rosenheim - Der Umweltausschuss hat die Verwaltung beauftragt, einen Umweltbericht vorzulegen. Im Zuge dessen wurde ein „integriertes Energie-, Klima- und Umweltschutzkonzept Rosenheim 2025“ erarbeitet.

Den politischen Auftrag hat der Stadtrat im Februar erteilt; im Vordergrund soll zu Beginn die konzeptionelle Arbeit im Bereich Klima und Energie stehen. Der Umweltbericht wird auch die Bereiche Lärm, Abfall, Natur und Grünplanung umfassen, die auch Eingang in das integrierte Konzept finden werden.

Die Stadt hat sich mit diesem Konzept für das Förderprojekt "Stadtklimalotse" des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit beworben. Die Stadt hat dazu einen Projektleiter beauftragt sowie eine Lenkungs- und Projektgruppe aus Vertretern der zuständigen Dezernate, der städtischen Wohnbaugesellschaft GRWS sowie der Stadtwerke. Am 28. April erhielt Rosenheim als eine von 13 ausgewählten Städten den Förderzuwendungsbescheid in Höhe von 65 Prozent.

Damit nimmt die Stadt an einem sechsmonatigen Praxistest zur Anpassung an die Klimaveränderung teil. Der Stadtklimalotse ist ein eigenständig anwendbares, online-gestütztes Beratungsinstrument zur Auswahl von geeigneten Klimaanpassungsmaßnahmen für die kommunale Stadtentwicklung. Er greift auf eine Datenbank mit mehr als 130 Maßnahmen zurück und hilft durch verschiedene Abfragemöglichkeiten, die potenziell interessanten Maßnahmen auszuwählen.

Wichtig ist, dass dabei auf die Möglichkeiten von Synergien, aber auch von Konflikten zwischen einzelnen Maßnahmen hingewiesen wird. Für alle Maßnahmen ist ein Steckbrief mit Anwendungsbeispielen, rechtlichen Grundlagen und weiterführender Literatur abrufbar.

Dieser "Lotse" soll Städten und Gemeinden ermöglichen, lokalspezifisch als auch allgemein den Ursachen und Folgen des Klimawandels begegnen zu können. Die Zielgruppe für die Nutzung des Lotsen ist die Kommunalpolitik und -verwaltung beziehungsweise Akteure der kommunalen Stadtentwicklung.

Zum lokalen Energiekonzept hatte die SPD vier Anträge eingebracht, darunter als ersten die Stadt solle ein Programm erstellen, alle städtischen Fahrzeuge, die sich dazu eignen, auf E-Mobilität umzustellen. Dabei gehe es, so Stadträtin MdL Maria Noichl, hauptsächlich um die Verminderung von Lärm und Abgasen. Nach kurzer Diskussion sprach sich der Ausschuss einstimmig dafür aus, eine Auflistung erstellen zu lassen. Als ein Beispiel wurden die kleinen Gießautos genannt.

Mit 7:4 Stimmen abgelehnt wurde der SPD-Antrag auf ein Ausstiegsprogramm der Stadtwerke, innerhalb von drei Jahren beim örtlichen Energiemix auf Atomstrom zu verzichten. Dazu bemerkte CSU-Stadtrat Dr. Wolfgang Bergmüller, das sei eine Eingriff in die Geschäfte der Stadtwerke, während Robert Multrus von der FW/UP den Antrag so interpretierte, dass der Stadtrat den Werken schon eine solche Richtung vorgeben könne.

Als dritten Punkt brachte Noichl den Antrag, ein Fließwasserkraftwerk im Bereich der Eisenbahnbrücke im Inn zu erproben und mit den Inhabern der Wasserrechte zu verhandeln. "Wir wollen diese Art der Energiegewinnung nach Rosenheim holen", so Noichl.

Bei niederem bis hohem Mittelwasser schwimmt eine solche Stromboje leicht unterhalb der Wasseroberfläche und wird von einer Ankerkette an dem Punkt mit der günstigsten Strömung gehalten. Mit Ausnahme eines eingebohrten Ankerstabes und der Energieableitung sind keine baulichen Maßnahmen im Fluss nötig. Auch große Hochwassersituationen können unbeschadet überwunden werden. Die Stromboje taucht dann ab, so dass große Gegenstände darüber hinwegschwimmen können. Dem Antrag wurde zugestimmt.

Ein weiterer SPD-Antrag schlug vor, die Fahrradunterstellen am Bahnhof und die geplanten Busunterstellen mit Fotovoltaik-Anlagen zu bestücken. Baudezernent Helmut Cybuklska sagte dazu, inzwischen sei bei jedem öffentlichen Bauvorhaben das Thema Fotovoltaik zu beachten. Der SPD-Vorschlag des "Solarbahnhofs Rosenheim" werde in das Energiekonzept einfließen.

hh/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser