Stadträte trauern Turm nach

Rosenheim - So hatte sich der Stadtrat das nicht vorgestellt: Der Aussichtsturm wurde verkauft, ohne dass die Mitglieder noch einmal Gelegenheit bekommen hätten, sich dazu zu äußern.

Einige zeigten sich gehörig verärgert und kritisierten das Vorgehen der Verwaltung. Die Arche der Kirchen bleibt, wie berichtet, in Rosenheim und wird zum Blumenladen. Das Diakonische Werk richtet in der Arche einen sozialen Beschäftigungsbetrieb ein. Als Standort ist der Bereich zwischen dem Haus der Malteser und dem ehemaligen Haupteingang zum Mangfallpark an der Rathausstraße vorgesehen. Den 17 Meter hohen Aussichtsturm hingegen hat die Landesgartenschaugesellschaft an die Gemeinde Rimsting verkauft. Der Turm aus heimischem Tannenholz wird auf der Ratzingerhöhe aufgestellt.

Dabei hatten fraktionsübergreifend sowohl die CSU als auch die SPD im Stadtentwicklungs- und Bauausschuss im September noch verlangt, den Punkt dort erneut zu behandeln. Beide Fraktionsvorsitzenden, Herbert Borrmann und Gabriele Leicht, wollten das Thema Gastronomie am Innspitz und als Attraktion den 17 Meter hohen Turm nicht einfach zu den Akten legen. "Wenn dann noch Bootsfahrten hinzukämen, wäre das eine Schau", hatte Borrmann geschwärmt und gemeint, vielleicht lasse sich ein Förderverein finden, der sich der Sache annimmt.

Das hat sich jetzt erledigt. Im Stadtrat erklärte Baudezernent Helmut Cybulska, gleichzeitig Prokurist der Landesgartenschaugesellschaft, der Turm habe ja gar nicht der Stadt gehört. "Aber vielleicht hätte sie als Käuferin auftreten wollen", hielt ihm Gabriele Leicht vor, während Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer betonte, nicht alle hätten den Turm geliebt. Es habe durchaus auch Sicherheitsbedenken gegeben. Egal wie: Der Turm kommt weg, und der Stadtrat fühlt sich übergangen.

Im Rimstinger Gemeinderat hielt Bürgermeister Josef Mayer in öffentlicher Sitzung den Preis geheim. "Er ist etwas billiger gekommen", sagte er nur. Ursprünglich waren Kosten von rund 30000 Euro im Gespräch. Besucher werden von der Ratzingerhöhe aus, wo der Aussichtsturm aufgestellt wird, einen reizvollen "Zwei-Seen-Blick" haben, auf den Chiem- und den Simssee.

WIR-Stadträtin Bärbl Thum zeigte sich im Rosenheimer Stadtrat nicht nur brüskiert wegen des Turms, sondern auch, weil nicht mehr über den "Blütenfluss" diskutiert worden war, für den sie sich eine Patenschaft vieler Rosenheimer hätte vorstellen können. "Wir werden darüber nachdenken", hatte Gabriele Bauer im September geantwortet. Der "Blütenfluss", eine ständig neu gestaltete Augenweide während der Landesgartenschau, bestand aus einjährigen Pflanzen, die nach dem Sommer auf jeden Fall weggeräumt werden mussten, erläuterte Helmut Cybulska. Es bleibe dem Stadtrat unbenommen, zu entscheiden, ob in dieser Art wieder etwas entstehen solle.

Öffnung des Geländes verzögert sich

Dass sich die Öffnung des Geländes verzögern könnte, weil die Gartenschaugesellschaft noch einmal wegen der Kosten für das Zurücksetzen des Zauns am Hermann-Gröber-Weg verhandeln musste, nahmen die Stadträte mit Ungeduld und Bedauern auf. "Wir sollten uns das noch einmal anschauen", drängte die Oberbürgermeisterin. Die Verzögerung um einige Tage gilt für den oberen Deichweg im Mangfallpark Süd. Zwischen Rathaus- und Innstraße sollten die Barrieren eigentlich im Lauf des Novembers fallen, dies verschiebt sich voraussichtlich bis in den Dezember. Die Öffnung des Mangfallparks Nord, also zwischen Innstraße und Ellmaierstraße, war von vornherein erst Anfang 2011 vorgesehen.

Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © Landesgartenschau Rosenheim

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser