Freibäder: Aufregung wegen Preiserhöhung

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Die Stadtwerke ließen bei den neuen Tarifen die Familienkarten wegfallen. Tatsächlich wird die Einzelkarte laut Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer aber weiter angeboten. Bei der Saisonkarte will Geschäftsführer Dr. Götz Brühl keinen Rückzieher machen.

Rosenheim - Aufregung herrscht bei den Besuchern der Rosenheimer Bäder. Die Stadtwerke haben die Preise erhöht. Vor allem das Fehlen der Familienkarte für fünf Euro erregt die Gemüter.

Sie fällt, wie unsere Nachfrage ergab, nun doch nicht weg. Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer versichert: "Sie bleibt erhalten, auch wenn sie derzeit nicht in der Tarifübersichtsteht." Die Stadtwerke haben die Eintrittspreise im Freibad und im Hallenbad letztmals 2005 angehoben. In der Zwischenzeit haben sie für 12,2 Millionen Euro die Bäder runderneuert. Im Hallenbad wurden 6,5 Millionen, im Freibad 5,7 Millionen Euro investiert.

Einstimmig genehmigte der Aufsichtsrat im November 2010 die Erhöhungen, wobei etliche im Aufsichtsrat vertretene Stadträte auf Anfrage unserer Zeitung einräumen, die Auswirkung auf die Familien nicht durchschaut zu haben. Dem Aufsichtsrat war unter anderem erklärt worden, wegen des neuen Automaten am neuen Eingang am Deich müsse die günstige Familienkarte wegfallen. 4000 Erwachsene mit 5000 Kindern nutzten 2010 den Tarif: fünf Euro für die ganze Familie.

Das Freibad nach der Modernisierung

Freibad-Eröffnung

Die SPD entschied später in einer Fraktionssitzung, den Wegfall der Familienkarte nun doch nicht zu akzeptieren und stellte einen entsprechenden Antrag. Geschäftsführer Dr. Götz Brühl habe zugesagt, dies werde berücksichtigt, erklärte uns gegenüber die SPD-Fraktionsvorsitzende Gabriele Leicht.

Tatsächlich spricht das neue Tarifblatt eine andere Sprache: Kein Familientarif mehr. Beispielsweise Anja Höller, Mutter aus Rosenheim, reagiert erbost. "Als Familie zahlten wir einen Preis von fünf Euro. Der Wegfall bedeutet, dass eine Familie mit Kindern über sechs Jahre nun zehn Euro zahlen muss. Eine Preissteigerung von 100 Prozent nur für die Familien."

Familie pro Saison: Rosenheim 330 Euro, Kolbermoor 90 Euro

Ein wesentlicher Kostenfaktor in den Bädern sei das Personal, erläutert dazu Geschäftsführer Dr. Götz Brühl. Deshalb würden die Stadtwerke versuchen, die Kassen möglichst nicht mehr zu besetzen und so ziemlich alles über Automaten abzuwickeln. Das sei bei der Familienkarte nicht machbar, wegen des Freibad-Eingangs am Deich. Brühl bestätigt aber, der SPD zugesagt zu haben, es werde für Familien weiterhin einen kostengünstigen Eintritt geben - an der Kasse, wenn sie gerade besetzt ist. Im Hallenbad werde dies allerdings in Zukunft nur noch der Fall sein, wenn jemand beispielsweise eine Jahreskarte kaufen möchte. Im Freibad sei die Sache einfacher, weil dort die Wirtsleute vom Kiosk auch die Kasse bedienen.

Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer nennt dies ein Missverständnis: "Es ist ganz klar besprochen, dass der Familientarif erhalten bleibt."

Auch auf nochmalige Nachfrage geht Geschäftsführer Dr. Brühl davon aus, dass zumindest die Saison-Familienkarte im Freibad künftig nicht mehr angeboten wird. Die Nachfrage sei nicht allzu groß gewesen: 41 Stück verkaufte Karten 2010. Doch wer bisher davon profitierte, den trifft es hart: Zahlte etwa ein Ehepaar mit einem Kind über sechs Jahren im Freibad 110 Euro für die Saison, sind es jetzt 330 Euro, also 220 Euro mehr. In Kolbermoor kostet der Badespaß für dieselbe Familie in der Saison bescheidene 90 Euro.

Die Nachfrage nach der jetzt weggefallenen Ferienkarte für 20 Euro war nie groß: In der Bilanz steht für 2009 eine verkaufte Karte, 2010 waren es zwei.

Die 30- und 50-Punkte-Karten suchen die Badegäste gleichfalls vergeblich auf dem neuen Preisblatt. 150 30er- und 130 50er-Karten verlangten die Kunden im letzten Jahr. Technisch waren sie anfällig. 560-mal war ein Austausch notwendig.

Das durch die beiden Bäder verursachte Defizit lag 2009 bei 1,54 Millionen Euro, 2010 bei 1,6 Millionen. Die Stadtwerke haben ausgerechnet, dass jeder Badegast im Schnitt Kosten von 12,07 Euro verursacht, aber nur 2,19 Euro einbringt. Das bedeutet einen Verlust pro Badegast von 9,88 Euro.

Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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