Starke Partner geben "HaLT"

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Rosenheim - Derzeit sorgt das Thema Alkohol auch in Rosenheim für Schlagzeilen. Das Projekt "HaLT" will in diesem Zusammenhang Kindern und Jugendlichen helfen.

Für Kinder und Jugendliche ist Alkohol besonders schädlich, da sie noch im Wachstum sind. Schreckensmeldungen über 13jährige „Komasäufer“ sind keine Seltenheit. Das Komasaufen, oder „Binge drinking“ wie es richtig heißen müsste, ist ein jugendspezifisches Thema. Es gilt, in kürzester Zeit möglichst viel Alkohol zu trinken. Dies geschieht meist im privaten Freundeskreis oder bei sog. „Flatrate-Parties“. Da der Körper keine Zeit hat, den konsumierten Alkohol abzubauen und die natürlichen Warnmechanismen (z. B. Übelkeit und Schwindel) „übertrunken“ werden, kann ein Kind oder Jugendlicher schnell bewusstlos werden. Das Koma ist also keineswegs Ziel des Trinkens, es geschieht eher zufällig.

Deshalb ist es ein sinnvolles Erziehungsziel, Kindern und Jugendlichen einen verantwortlichen und maßvollen Umgang mit Alkohol zu vermitteln. Auch in Rosenheim ist dieses Problem nicht unbekannt: In den Jahren 2007 bis 2009 mussten insgesamt 163 Patienten im Alter zwischen 12 Jahren und 17 Jahren wegen akuter Alkoholvergiftung auf der Kinderstation im RoMed Klinikum behandelt werden. Für solche Kinder wurde das Projekt HaLT- Hart am LimiT, entwickelt. Bayern entschied sich als erstes Bundesland im Herbst 2007 für eine möglichst flächendeckende Einführung des Alkoholpräventionsprojektes HaLT. Noch im selben Jahr begann die Stadt Rosenheim mit der Planung und Umsetzung eines eigenen HaLT-Standortes und war somit unter den ersten neun Städten, die sich vorbildlich für die Alkoholprävention einsetzten. Mittlerweile gibt es 41 Standorte in Bayern.

HaLT lebt von der Vernetzung verschiedener Kooperationspartner, in Rosenheim engagieren sich das RoMed Klinikum Rosenheim, das Amt für Kinder, Jugendliche und Familien, das Gesundheitsamt, die Polizei, die Berufsschule II, einige Rosenheimer Tankstellen und die Fachambulanz für Suchterkrankungen der Diakonie Rosenheim. Das Projekt HaLT besteht einerseits aus Vorbeugung auf gesellschaftlicher Ebene und andererseits aus der Behandlung der betroffenen Kinder und deren Familien. Die Gesellschaft soll auf das Problem des „Binge Drinking“ aufmerksam gemacht und eine Kultur des Hinschauens entwickelt werden.

Um eine Veränderung zu unterstützen, werden die Alkohol verkaufenden Geschäfte und deren Personal werden zum Thema Jugendschutz geschult. In Rosenheim geschieht das zum Beispiel an der Berufsschule II. Auch an Tankstellen im Stadtgebiet wurde das Verkaufspersonal über die Jugendschutzgesetzrichtlinien informiert. Regelmäßige Schulungen sind Voraussetzung für die jährliche HaLT-Zertifizierung.

Auch auf politischer Ebene können Veränderungen eingeleitet werden: So wurden durch eine Erhöhung der Alkoholsteuer die sog. Alkopops fast vom Markt verdrängt und sind für Kinder und Jugendliche kaum mehr Thema. Der durchgängige Verkauf von Alkohol an Tankstellen wird nun möglicherweise im Stadtgebiet eingeschränkt. Dies ist ein wichtiges Zeichen im Sinne der eben erwähnten Kultur des Hinschauens. Wird ein Kind oder Jugendlicher mit einer Alkoholvergiftung im Raum Rosenheim aufgefunden, so wird er auf die Kinderintensivstation ins RoMed Klinik Rosenheim eingeliefert. Die Fachkräfte sind bestens geschult, um schnell und richtig handeln zu können und in erster Linie gilt es, lebensrettende Maßnahmen einzuleiten.

Neben den gesundheitlichen Risiken gilt es aber auch, die psychischen Ursachen und Konsequenzen abzuklären. Das Klinikpersonal meldet einer Fachkraft der Fachambulanz für Suchterkrankungen über eine Rufbereitschaftsnummer die Einlieferung eines neuen Klienten. Selbstverständlich wird hier die Schweigepflicht gewahrt und eine weiterführende Hilfe kann nur eingeleitet werden, wenn der Jugendliche und dessen Eltern zustimmen. Im sogenannten Brückengespräch, das noch im Klinikum stattfindet, wird gemeinsam mit dem Jugendlichen die Situation besprochen, die zur Alkoholvergiftung geführt hat – es ist wichtig, das Erlebte einzuschätzen und dem Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, es zu reflektieren. Auch den Eltern wird ein Gespräch angeboten um über ihre Sorgen zu sprechen und Fragen zu klären. Wichtig ist, dass eine einmalige Alkoholvergiftung nicht automatisch bedeutet, dass das Kind alkoholsüchtig ist.

Den Kindern und Jugendlichen wird angeboten, an einem sog. Risiko-Check teilzunehmen. Dieser findet zeitnah an den Vorfall statt. Besonders ist, dass der Jugendliche einen Freund oder eine Freundin zum Risiko-Check mitnehmen kann. Freunde sind oft die ersten Helfer, wenn ein Kind wegen Alkoholüberdosis bewusstlos wird. Manchmal werden aber auch Kinder und Jugendliche bewusstlos liegen gelassen und nehmen größeren Schaden. Dies gilt es zu besprechen und möglichst zu verhindern. Seit 2008 wurden 15 Risiko-Check-Seminare mit insgesamt 75 Kindern und Jugendlichen durchgeführt. Der Risiko-Check ermöglicht es den Teilnehmern, das eigene Verhalten auf mal ernste, mal spielerische Weise zu reflektieren und sich mit risikoreichem Verhalten auseinander zu setzen.

Erfreulich ist, dass die Zahl der Alkoholintoxikationen insgesamt zurückgegangen ist. Bei Fragen, auch zu weiteren Präventionsangeboten an Schulen und in Vereinen oder bei Bedarf einer Angehörigenberatung, steht die Fachambulanz für Suchterkrankungen in der Kufsteiner Straße 55 in Rosenheim unter der Nummer 08031-356280 zur Verfügung.

Pressemitteilung Fachambulanz für Suchterkrankungen (A. Dörries)

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © pa

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