Streit um Mobilfunk-Strahlung im Landtag

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Die Fachleute sind uneins: Bei einer Anhörung im Bayerischen  Landtag wurden die unterschiedlichen Einschätzungen der Gefahren durch Mobilfunk deutlich.

München - Der Mobilfunk entzweit nicht nur die Bürger, sondern auch die Fachleute: Bei einer Anhörung im Landtag warnen die Einen, die Anderen sehen keinen Grund für Alarmstimmung.

Bei der Anhörung zu möglichen Gesundheitsgefahren des Mobilfunks haben im Landtag Fachleute und Behördenvertreter sehr unterschiedliche Meinungen vertreten. Mehrere Wissenschaftler warnten vor der Strahlung. Behördenvertreter und andere Forscher verwiesen dagegen darauf, dass es nach wie vor keinen einwandfreien wissenschaftlichen Beweis für eine erhöhte Gefahr von Hirntumoren und anderen Krankheiten gebe.

Die Technologie sei gefährlich, sagte der Biologe Ulrich Warnke von der Universität des Saarlandes. “So weiter machen wie bisher, ist unmöglich.“ Der Konstanzer Mediziner Joachim Mutter sagte, das Risiko werde “total unterschätzt“. Sein Hauptargument: Neben den Mobilfunkmasten und Handys gibt es noch viele andere strahlende Geräte in den Haushalten - unter anderem schnurlose Telefone und Internetverbindungen.

Dagegen sagte die Umweltmedizinerin Caroline Herr von der Universität Gießen - als Vertreterin der Strahlenschutzkommission: “Wir können weiter forschen, aber es ist nichts an den Grenzwerten zu verändern.“ Auch Gunde Ziegelberger, die Vertreterin des Bundesamts für Strahlenschutz, sagte: “Bis jetzt sind diese Inzidenzraten nicht ansteigend“ - was bedeutet, dass bei Handynutzern bislang keine höhere Zahl von Hirntumoren festgestellt worden sei.

Die Auseinandersetzung hat einen Grund: Es gibt viele Studien zum Mobilfunk, deren Autoren auf einen Zusammenhang von Handynutzung und Gesundheitsgefährdung hinweisen oder ihn vermuten. Mehrere wissenschaftliche Organisationen in den USA und anderswo haben entsprechende Warnungen ausgesprochen. Als zweifelsfreier wissenschaftlicher Beweis gilt jedoch nur, wenn sich solche Hinweise und Vermutungen im Experiment oder in einer Studie zuverlässig nachweisen lassen - und dies fehlt beim Mobilfunk nach wie vor.

Das lassen allerdings die Gegner nicht gelten. Es gebe bislang auch keinen wissenschaftlichen Beweis für die schützende Wirkung eines Fallschirms bei einem Sprung aus dem Flugzeug, spottete Joachim Mutter.

Ein Problem für die Wissenschaft ist, dass Hirntumore eine sehr lange Latenzzeit haben - also oft erst nach zwanzig Jahren auftreten. Handys sind aber erst seit den 1990er Jahren in Gebrauch. Die Expertin vom Bundesamt für Strahlenschutz erwartet allerdings, dass diese Phase der Unklarheit bald endet: “Wenn in den nächsten drei, vier Jahren die Inzidenzraten nicht steigen, hätten wir die Phase der Latenz abgedeckt“, sagte sie.

dpa

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