Nahversorgungszentrum: Streit wegen Varianten

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Aufbauend auf einem Ausschnitt des Flächennutzungsplans "Nördlich der Fachhochschule"" von 2006, in der eine Anbindung der Marienberger Straße (gelb) an die Westerndorfer Straße so vorgesehen war, ist hier nun die Fläche des geplanten Nahversorgungszentrums (NVZ) eingefügt. Oben rechts ist die Einmündung der Ebersberger Straße. Bei Variante 1 wird der hier geplante Verlauf der Marienberger Straße zur Stichstraße mit Wendehammer und die Straße nördlich entlang der NVZ-Fläche zur Westerndorfer Straße geführt. Die Variante 2 entspricht dem Straßenverlauf dieser Grafik; Variante 3 sieht dort statt einer Einmündung einen Kreisel vor, der Flächen des rechts liegenden Geländes der Bundespolizei benötigen würde.

Rosenheim - Auf Flächen nördlich der Fachhochschule soll an der Westerndorfer Straße ein Nahversorgungszentrum, bestehend aus einem Vollsortimenter, einem Lebensmittel-Discounter und einem Drogeriefachmarkt entstehen.

Im Frühjahr hatten Bauausschuss und der Stadtrat beschlossen, die Bauleitplanung fortzuführen. Der Leiter des Stadtplanungsamtes, Robin Nolasco, stellte jetzt im Bauauschuss drei Erschließungsvarianten vor. Alle sehen eine Fortführung der Marienberger Straße zur Westerndorfer Straße vor, womit auch der Lkw-Verkehr auf dieser Straße entzerrt werden kann.

Zwischen Hochschule und NVZ befindet sich eine Gemeinbedarfsfläche, bei der 6000 Quadratmeter für Parkplätze für die FHR, die Fachoberschule und Berufsoberschule entstehen sollen.

Variante 1 sieht vor, zwischen der geplanten Schulparkplatzfläche und der nördlich daran anschließenden Fläche für das NVZ eine 185 Meter lange Stichstraße mit Wendehammer zu bauen und die Marienberger Straße nördlich des NVZ mit einer Ampelanlage an die Westerndorfer Straße anzuschließen. Die Einmündung läge 70 Meter südlich derjenigen der Ebersberger Straße.

Nolasco erläuterte die Vor- und Nachteile. Variante 1 sei sofort umsetzbar, da alle Flächen im Besitze des NVZ-Projektträgers seien. Dieser bevorzuge eindeutig diese Lösung. Städtebaulich problematisch sei die Lage der Kundenparkplätze im Norden am Ortseingang. Zudem sei es die teuerste Variante.

Variante 2 und 3 führen die Marienberger Straße zwischen der Fläche für die Schulparkplätze und der des NVZ zur Westerndorfer Straße. Die beampelte Einmündung der Variante 2 wäre dann 180 Meter südlich der Einmündung der Ebersberger Straße, die Variante 3 sieht dort statt einer Ampelanlage einen Kreisel vor.

Die Vorteile dieser beiden Varianten, so Nolasco, seien die geringere Bodenversiegelung und niedrigeren Kosten, besonders beim Kreisel. Städtebaulich wäre der Ortseingang so attraktiver zu gestalten, weil die Kundenparkplätze südlich des NVZ anzuordnen wären. Nachteilig sei, dass der Projektträger Grundstücke erwerben müsse, was zu zeitlichen Verzögerungen führen könne. Mehrere Alleebäume müssten gefällt werden und die Marienberger Straße werde mangels der Stichstraße mehr mit Kunden- und Lieferverkehr des NVZ belastet.

Der Münchner Verkehrsgutachter Professor Dr. Harald Kurzak erklärte auf Fragen des CSU-Fraktionsvorsitzenden Herbert Borrmann nach der verkehrlichen Belastungskapazität, alle drei Lösungen seien machbar und vergleichbar leistungsfähig. Sollte auf der B15 ein Kreisel gebaut werden, so sei ein Durchmesser von 32 Metern ausreichend.

Als weiterer Experte gab Christian Hörmann vom Stadt- und Regionalentwicklungsbüro CIMA eine Stellungnahme ab. Die im Frühjahr in der Beschlussvorlage des Stadrates von der CIMA genannte Maximalverkaufsfläche von 2850 Quadratmetern war damals gestrichen worden. Der Projektträger hält insgesamt 4100 Quadratmeter für notwendig - 2200 Quadratmeter für den Vollsortimenter, 1200 für den Discounter und 700 für den Drogeriemarkt. Die Stadt, so Hörmann, müsse den Rahmen vorgeben. Die Projektträger passten sich an, auch städtebaulich - das habe sich in München bei ähnlichen Vorhaben schon öfter gezeigt. Ein Verträglichkeitsgutachten der CIMA werde in drei Wochen vorliegen.

SPD-Stadtrat Andreas Lakowski mahnte energisch eine zügige Fortführung des Projektes an. Die Unterversorgung sei festgestellt, die Varianten 2 und 3 hätten Probleme im Detail, und ein für den Kreisel notwendiger Flächenerwerb von der Bundespolizei würde wohl "noch in 20 Jahren nicht realisiert werden können". Die Argumente gegen die Variante 1 seien an den Haaren herbeigezogen. "Abwägerei und Erbsenzählerei" der Verwaltung verzögere das Projekt, die nicht das gemacht habe, was der Stadtrat vorgegeben habe.

Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer erklärte entschieden, ihr sei nicht vorzuwerfen, dass sie das Projekt zögerlich anginge. Eine schnelle Abstimmung zwischen Bauwerber und Stadtentwicklungsplanung sei leider gescheitert.

Für einen Kreisverkehr an anderer Stelle plädierte Fraktionsvorsitzende Dr. Beate Burkl von den Freien Wählern/UP. Die Entscheidung über die Varianten dürfe nicht übers Knie gebrochen werden.

Die Oberbürgermeisterin kündigte an, zur Januarsitzung lägen alle geforderten Gutachten vor, und dann werde über die Varianten abgestimmt. Baudezernent Helmut Cybulska berichtete, in der Zwischenzeit wären auch Abstimmungsgespräche mit der Hochschule und dem staatlichen Bauamt geführt worden. Dieses Entwicklungskonzept werde "brandaktuell" in der Januarsitzung vorliegen.

Die SPD-Fraktionsvorsitzende Gabi Leicht kritisierte, von März bis Dezember sei nichts von den Varianten bekannt gewesen: "Wir sind hier nicht die einzigen, die der Meinung sind, von der Verwaltung blind gehalten zu werden."

Bärbel Thum vor der Wählerinitiative WIR betonte, sie habe den Standort Ebersbereger Straße bevorzugt, sich aber der Mehrheit gebeugt. Jetzt sei es nicht verwerflich, sich für die beste Lösung Zeit zu nehmen.

"Die beste Lösung liegt auf dem Tisch: die Variante 1. Da gebe ich dem Kollegen Lakowski recht, das rasch zu realisieren", schaltete sich Josef Gasteiger von der CSU ein. Das Problem des Lkw-Verkehrs in der Marienberger Straße dürfe nicht weiter auf die lange Bank geschoben werden.

"Wir sollten nicht den Druck des Bauwerbers auf die Verwaltung weitergeben", mahnte Anna Rutz von den Grünen. Die Verwaltung habe nicht geschlafen, sondern ihre Arbeit gemacht. Es sei gut, Varianten zu haben.

Für zwei Varianten fehlten noch Grundstücke, so nolasco, jedoch sei der Grundeigentümer bereit, sie abzutreten. Herbert Borrmann regte an, zur Januarsitzung sollten dazu notarielle Erklärungen vorliegen.

hh/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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