Fachsimpeln beim Stricktreff

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Evelyn Payr-Braun (Zweite von links) gibt den Teilnehmerinnen des Stricktreffs wertvolle Tipps, wenn sie bei ihren Vorhaben nicht mehr weiterkommen.

Rosenheim – Was ist die beste Wolle? Welches Strickmuster für welches Teil? Beim Stricktreff im Café „Aran“ in der Färberstraße fachsimpeln jeden Monat Frauen beim offenen Stricktreff intensiv über solche Fragen.

Kaffee trinken und ratschen gehören dazu, wenn sie sich von 9.30 bis 11 Uhr treffen. Hier kommen etwa zwölf Frauen unterschiedlichen Alters zusammen. Ins Leben gerufen haben das gemütliche Beisammensein zwei erfahrene Strickerinnen, Thea Miehle und Evelyn Payr-Braun.

"Stricken ohne Thea Miehle gibt es nicht", erklärt Karin Kuhn, eine der Frauen, die jede Woche zum Treffen kommen. Miehle hat eine abgeschlossene Lehre zur Handarbeiterin und war selbst 45 Jahre lang Besitzerin eines Handarbeitsgeschäfts in der Heilig-Geist-Straße. Unter Frauen, die sich für das Stricken interessieren, gilt sie als Legende. Die Österreicherin Evelyn Payr-Braun ist Handarbeitslehrerin und lebt seit sechs Jahren in Rosenheim. Die beiden helfen mit selbst geschriebenen Anleitungen und unterstützen bei Vorhaben wie Trachtenpullovern, gewalkten Hüten oder Strickkleidern für die Enkeltochter.

Inspirieren lassen sich die Strickerinnen aus Fachzeitschriften wie "Verena", "Burda" und "Filati". Auf der Basis von "Rechts-Links-Maschen", wie es Payr-Braun ausdrückt, wird alles gestrickt, was sich die Frauen vornehmen.

Den Raum stellt Sabine Baur, Inhaberin des Cafés "Aran", kostenlos zur Verfügung - die Handarbeiterinnen konsumieren auch den einen oder anderen Kaffee oder mal ein Croissant. "Manchmal sieht sie nach uns, um zu sehen, dass wir wirklich stricken und nicht nur ratschen", vermutet Ida Sedlmeir, eine der Strickdamen, scherzhaft. So streng geht es aber gar nicht zu. Es sei auch nicht so dramatisch, wenn man mal nicht strickt, nur Kaffee trinkt und Neuigkeiten austauscht, sagt Corinna Brodde, eine andere Teilnehmerin.

Stricklust verbreitet sich

Vor eineinhalb Jahren boten Miehle und Payr-Braun im Laden "Woll-Lust" am Max-Josefs-Platz, in dem Miehle einmal in der Woche berät und verkauft, einen Strickkurs an. Die Teilnehmerinnen waren begeistert, und Payr-Braun kam die Idee zu dem wöchentlichen Stricktreff. Der Großteil kannte sich bereits vorher durch regelmäßige Wolleinkäufe im Handarbeitsgeschäft von Miehle. Später, als Miehle ihren Laden aus Altersgründen schloss, traf man sich dann in der "Woll-Lust".

Stricken sei ein wenig wie eine Sucht, beschreibt Sedlmeir das Hobby der Frauen. "Manchmal stricke ich schon in der Früh im Nachthemd", gibt sie zu. Wenn sie doch einmal nicht weiterkommt, bleibt das angefangene Teil auch mal 14 Tage liegen, ohne dass sie daran arbeitet. Dann lässt sie sich von den anderen helfen. Nicht nur die "Sucht" treibt die Teilnehmerinnen zu den Treffen - eine der Frauen hat sieben Kinder und nutzt den Montagvormittag zum Entspannen und "Rauskommen".

Neue Strickfans, auch Anfänger, sind willkommen, anmelden muss man sich nicht. Für die 90 Minuten verlangen die beiden Stricklehrerinnen einen Unkostenbeitrag von fünf Euro.

lb/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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