Alkohol: Bewusstsein für Gefahren schaffen

Rosenheim - Auf Aufklärung statt Verbot setzt die Ausstellung "Na Toll!" in der Fachambulanz für Suchterkrankungen der Diakonie. Sie sensibilisiert Jugendliche für das Thema "Alkohol".

Die Ausstellung wird von der Landeszentrale für Gesundheit bundesweit an Einrichtungen verliehen, die sich im Bereich der Alkoholprävention engagieren. Diese Woche macht „Na Toll!“ Station in der Fachambulanz für Suchterkrankungen in der Kufsteiner Straße 55 über dem Modepark Röther. 13 Schulklassen haben ihren Besuch angemeldet. Nur am morgigen Donnerstag von 15 bis 20 Uhr ist die Ausstellung auch ohne vorherige Anmeldung zu besuchen. Angesprochen werden soll vor allem die Jugend. Die Organisatoren finden es aber auch wichtig, dass Eltern diese Chance nutzen, um sich mit dem Thema "Alkohol" intensiv zu beschäftigen.

Auf zahlreichen Schautafeln wird in Jugendsprache ganz ohne erhobenen Zeigefinger auf die Gefahren des Alkoholkonsums hingewiesen. Die Besucher erfahren dabei, was Alkohol eigentlich mit ihrem Körper macht und was sie tun sollen, wenn ein Freund durch überhöhten Alkoholkonsum in eine Notsituation gerät.

Gefahrenbewusstsein statt Alkoholverbot

"Wir wollen den jungen Leuten den Alkohol ja nicht verbieten. Uns ist wichtig, dass Jugendliche ein Bewusstsein für die Gefahren bekommen und wissen, wie man sich richtig verhält", meint dazu Monika Schindler. Sie ist bei der Fachambulanz für Suchterkrankungen für die Präventionsarbeit zuständig.

2010 wurden 68 Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung im Romed-Klinikum Rosenheim eingeliefert, bundesweit verzeichnete man im Jahr 2000 noch 9500 derartige Fälle. 2008 waren es schon 28.000.

Wie locker Jugendliche heutzutage mit Alkohol umgehen, zeigen immer wieder die Gespräche, die zur Ausstellung "Na Toll!" gehören. Ohne ihre Lehrer und Eltern erzählen die jungen Damen und Herren immer wieder ganz offen, welche extremen Erfahrungen sie selbst schon mit Alkohol gemacht haben.

Auf die Frage, wer schon einmal Alkohol getrunken hat, gehen bei den 13-Jährigen in der Regel alle Finger nach oben. In fast jeder Klasse finden sich auch immer welche, die selbst zumindest schon einmal richtig betrunken waren oder aber einen Freund kennen, der wegen einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert wurde. "Davon betroffen sind alle Schulformen und beide Geschlechter", zeigt Schindlers Erfahrung.

Der 15-jährige Sebastian (Name von der Redaktion geändert) schilderte bei einer gestrigen Führung ganz zwanglos und fröhlich, mit welchen Getränken für ihn in der Regel ein zweistündiger Partybesuch verläuft: "Zuerst trinke ich einen Spezi, dann kommen aber gleich zwei Biermixgetränke. Danach folgen zwei Alkoholpops und zum Abschluss setze ich noch zwei Wodka drauf." Als Schindler der Klasse vorrechnet, dass man durch einen derartigen Konsum bereits 1,88 Promille im Blut hat, staunt nicht nur Sebastian.

Tatsächlich stellt der Jugendliche aber anscheinend keine Ausnahme dar: "Bei allen bisherigen Führungen fielen die Schilderungen der Jugendlichen über ihr Trinkverhalten sehr einheitlich aus", sagt die Mitarbeiterin der Fachambulanz.

Trotzdem reagiert sie auf solche Offenbarungen niemals schockiert und gar belehrend. Schindler ist es wichtig, den jungen Menschen auf gleicher Augenhöhe zu begegnen. Ruhig und jugendgerecht schildert sie, welche Folgen derartiger Alkoholkonsum haben kann. Außerdem ist es ihr wichtig, mit Gerüchten aufzuräumen, die im Zusammenhang mit Alkohol kursieren.

"Ich habe gehört, wenn man viel trinken will, muss man vorher nur viel essen", meinte einer der Schüler und die Frage einer jungen Dame lautete: "Werde ich denn wirklich schon abhängig, wenn ich mich jede Woche nur einmal betrinke?"

Nach dem offenen Gespräch folgt noch ein "Praxistest". Mit Hilfe der sogenannten "Rauschbrillen" können die Besucher erfahren, wie man sich mit einem gewissen Promillepegel im Blut fühlt, ohne selbst Alkohol trinken zu müssen.

wu/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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