Vorbereitungen auf Nuklear-Katastrophe

Bei Super-GAU bliebe Rosenheimern nur Flucht in die Keller

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Rosenheim - Tschernobyl und Fukushima haben es gezeigt: Die Kernkraft-Technologie ist nicht sicher vor Katastrophen. Die Stadträte haben am Mittwoch darüber diskutiert, wie gut oder schlecht Rosenheim auf einen Super-GAU vorbereitet wäre.

Rund 85 Kilometer von Rosenheim entfernt, im Landkreis Landshut, befindet sich das Kernkraftwerk Isar, deren Block 2 noch in Betrieb ist. Das ist zwar nicht direkt vor der Haustür, doch bei einem größeren Zwischenfall könnte auch unsere Region betroffen sein. 

So wollte die ÖDP von der Stadt wissen, wie die Stadt Rosenheim auf einen Atomunfall vorbereitet wäre. Im Haupt- und Finanzausschuss gab das Amt für Brand- und Katastrophenschutz am Dienstagabend Auskunft. 

Zusammengefasst kann man mit den Worten von Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer sagen: "Eine Katastrophe wäre für uns tatsächlich eine Katastrophe". Zwar habe man aus Tschernobyl und Fukushima gelernt, so Bauer, "aber in so einer Situation wären wohl alle überfordert". 

Nur 3526 Schutzraumplätze für ganz Rosenheim

Das liegt vor allem daran, dass in Rosenheim nur 3526 Schutzraumplätze vorhanden sind - für über 62.000 Einwohner!

Die Schutzraumbauten werden als Tiefgaragen oder Lagerräume genutzt. Im Katastrophenfall könnten sie mit Toiletten sowie Wasser- und Lebensmittelvorräten ausgestattet werden. 

Hier befinden sich die Schutzräume: 

  • Wohnanlage in der Carl-Orff-Straße 1-5 / 653 Plätze
  • Fachhochschule in der Marienbergerstraße 26 / 720 Plätze
  • Finanzamt in der Wittelsbacherstraße 25 / 2.029 Plätze
  • Wohngebäude in der St.-Georg-Straße / 124 Pläze

Die Bauten bieten zu wenig Platz - und sind kaum mehr funktionsfähig! Die Bundesrepublik stellt nur so wenige Finanzmittel zur Verfügung, dass Grundreinigung und Notbeleuchtung gewährleistet sind. So lasse sich etwa die Stahlbeton-Schutzraumtür am Finanzamt noch schließen - aber nicht mehr öffnen! Es gibt jedoch noch andere Ausgänge im Ernstfall. 

Rosenheim ist keine Ausnahme: Rund 80% der Bauwerke in Deutschland seien nicht mehr vollständig belegungsfähig.

Die Stadt empfiehlt somit keine Evakuierung in die Schutzräume, sondern einen Rückzug in private Kellerräume. 

Jodtabletten, Messgeräte und Nahrungsmittel-Versorgung

In anderen Bereichen ist die Stadt besser vorbereitet auf einen nuklearen Katastrophenfall: 

  • Die Stadt ist ein Hauptanlieferungspunkt für die Verteilung von Jodtabletten aus dem geheimen Zentrallager in Bayern. Diese würde im Ernstfall über die Apotheken in den Stadtteilen ablaufen. Die Tabletten verhindert die Speicherung von radioaktivem Jod in der Schilddrüse. 
  • Im Katastrophenschutzplänen der Kreisverwaltungsbehörde sind Großhandlungen, Großmetzgereien und Brauereien hinterlegt. Man könnte in einem solchen Ausnahmefall auf ihre Vorräte zurückgreifen.
  • Im Klinikum Rosenheim sind ein Strahlenmessgerät und geschultes Fachpersonal vorhanden.
  • In der Hauptfeuerwache ist ein ABC-Zug stationiert und mit entsprechenden Messgeräten ausgestattet.

Quelle: rosenheim24.de

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