Tierheim Rosenheim: Geldnöte bleiben

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Hohe Betriebskosten: Viele der aufgelesenen Tiere sind krank oder verletzt und müssen im Tierheim ärztlich versorgt werden.

Rosenheim - Noch immer plagen das Rosenheimer Tierheim Geldnöte. Auch wenn die Situation etwas besser erscheint als noch vor zwei Monaten, bleibt die Angst vor der Zukunft.

"Wir haben kein Polster und können so jederzeit vor dem Aus stehen", befürchtet Barbara Angermaier, Vorsitzende des Rosenheimer Tierschutzvereins. Enttäuscht ist sie von Stadt und Landkreis: "Beide Seiten haben schnelle Hilfe zugesichert. Bis jetzt hat sich nichts getan." Beim "Tag der offenen Tür" im November machte Angermaier ihrem Ärger Luft. Sie klagte über sinkende Spendenbereitschaft und das Verhalten vieler Gemeinden im Landkreis in Sachen "Fundtiere" (wir berichteten). Zumindest im Punkt "Spendenbereitschaft" hat sich laut der Vorsitzenden des Tierschutzvereins aufgrund des OVB-Artikels einiges getan. Allerdings sei das angesichts der monatlich rund 20 000 Euro Betriebskosten im Tierheim nur ein "Tropfen auf den heißen Stein". Spenden alleine würden nicht reichen, um diese Summe zu decken. Das finanzielle Polster, das durch die Spendenbereitschaft der Bevölkerung in der Weihnachtszeit entstanden ist, reiche laut Angermaier voraussichtlich bis April. "Wenn nicht irgend etwas passiert, dann stehen wir wieder vor dem Nichts."

Zu "irgend etwas" zählen beispielsweise Erbschaften, die hätten das Tierheim in der Vergangenheit immer wieder einmal knapp vor dem endgültigen "Aus" gerettet. Aber solche Zuwendungen seien weder planbar noch vorhersehbar. "Bis jetzt war es immer ein glücklicher Zufall", so Angermaier. Es sei wichtig, dass die finanzielle Situation des Tierheims auf sichere Füße gestellt wird. Die Vereinsvorsitzende hofft dabei auf die Mithilfe von Stadt und Gemeinden, die schon von Gesetzes wegen dazu verpflichtet seien, sich um Fundtiere zu kümmern, die in ihrem Gebiet gefunden werden. In Rosenheim waren das im vergangenen Jahr 160 herrenlose Katzen. Jede verursacht bei ihrer Ankunft Kosten. Dabei geht es bei weitem nicht nur um das Futter. Oft sind die aufgelesenen Tiere krank oder verletzt und müssen ärztlich versorgt werden. In der Vergangenheit habe der Verein noch davon abgesehen, für ein Fundtier eine Rechnung an Stadt oder betreffende Gemeinde zu stellen, doch das sei zu überdenken. "Wir haben bis jetzt auf die Freiwilligkeit gehofft. Nun müssen wir handeln, um das Tierheim zu retten", so Angermaier. Im Fall von Rosenheim müsste die Stadtverwaltung mit Kosten von über 10 000 Euro rechnen. Nicht im Haushalt eingeplant Geld, das bis jetzt noch in keinem Haushalt eingeplant ist. "Das kann Schwierigkeiten geben", erklärt Albert Detsch, Leiter des Rosenheimer Umweltamtes. Seiner Meinung nach muss sich am Bewusstsein der Bevölkerung und damit auch bei den Stadträten etwas ändern: "Jeder schiebt die Betreuung von herrenlosen Tieren ganz selbstverständlich auf das Tierheim ab und ist froh, dass es dieses Haus gibt. Über das Geld, das die Einrichtung braucht, denkt man aber eben nicht so gerne nach." Detsch bittet aber auch den Tierschutzverein, der Stadtverwaltung eine klare Bilanz vorzulegen. "Es ist wichtig, dass man die entstehenden Kosten einmal genau aufgeschlüsselt nachvollziehen kann. Ohne fundierte Unterlagen ist eine Lösung nicht möglich", sagt er. Zusätzlich sei es für den Tierschutzverein wichtig, darüber nachzudenken, ob sich nicht in irgendwelchen Bereichen Geld einsparen lasse.

Aus dem Archiv:

Ein Tierheim für die Region Rosenheim erachtet der Leiter des Umweltamts als "Notwendigkeit". Allerdings muss es seiner Ansicht nach nicht unbedingt in Rosenheim selbst angesiedelt sein.

Der Landkreis suchte im vergangenen Jahr schon nach einem neuen Grundstück, um den schlechten baulichen und hygienischen Verhältnissen und der Platznot des Tierheims Einhalt gebieten zu können. "Bislang führte die Suche aber noch nicht zum Erfolg", bestätigt Michael Fischer, Pressesprecher des Landratsamtes.

Zumindest Detsch ist aber zuversichtlich, dass sich zumindest daran bald etwas ändern könnte: "Ich bin optimistisch, dass das mit dem neuen Grundstück in diesem Jahr klappt." Der Bau dürfte dann keine finanziellen Probleme machen. "Dafür finden sich bestimmt ausreichend Sponsoren", meint Detsch. Ähnlich sieht das Angermaier: "Im Bauvorhaben selbst sehe ich tatsächlich nicht die große Schwierigkeit. Was uns belastet, sind nun einmal hauptsächlich die alltäglichen Kosten."

Ob es da aber zu einer baldigen Lösung kommt, bleibt abzuwarten. Angermaier hofft immer noch auf Gespräche mit Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer und Landrat Josef Neiderhell und damit verbunden auf "die Einsicht, dass Stadt und Gemeinden für ihre Fundtiere aufkommen müssen".

wu/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser