"Wie ein Kind unter acht Jahren zu behandeln"

Therme will Blinde nicht alleine schwimmen lassen

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Eine blinde Frau darf in der Titania-Therme in Neusäß nicht alleine ins Becken. (Symbolbild)

Neusäß - Dürfen Blinde alleine ins Schwimmbad gehen? - Im schwäbischen Neusäß ist um diese Frage ein heftiger Streit entbrannt, der mit einem Prozess enden könnte.

Die dortige Titania-Therme hat eine sehbehinderte 55-Jährige an der Kasse abgewiesen, weil sie keinen Begleiter dabei hatte. Laut Schwimmbadsatzung ist die Frau wie ein Kind unter acht Jahren zu behandeln. Sie werde von dem kommunalen Erlebnisbad diskriminiert, findet Angelika Höhne-Schaller und hat einen Rechtsanwalt beauftragt. Höhne-Schaller, die auch Vorsitzende des Bundes zur Förderung Sehbehinderter in Bayern ist, ist empört: „Ich bin doch nicht entmündigt.“

Deutscher Verein der Blinden kritisiert Mustersatzungen

Die Themen-Leitung sagt, sie orientiere sich nur an bundesweit üblichen Vorschriften. Für unbegleitete Blinde gebe es in dem Freizeitbad zu viele Gefahren. Bereits früher gab es ähnliche Fälle in Deutschland. Schon 2006 hatte der Deutsche Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf daher von den deutschen Bäderverbänden verlangt, dass die Mustersatzungen geändert werden. Diese Satzungen sind zwar weiter im Umlauf, allerdings haben viele Betreiber ihre Badeordnungen inzwischen so geändert, dass Blinde nicht mehr als hilflose Personen, die zwingend Begleitung bräuchten, aufgeführt werden.

dpa

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