Todesschüsse vor fünf Jahren

Gedenkmarsch für André B.: "Ausdrücklich nicht gegen Burghauser Polizei!"

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Burghausen - Zum fünften Jahrestag der tödlichen Schüsse auf Andre B. aus Burghausen veranstaltete der "Deutsche Hanfverband" einen Gedenkmarsch am Samstag, den 27. Juli.

Update, 20 Uhr: So war der Gedenkmarsch für André B.

Etwa 50 Teilnehmer hatte der Gedenkmarsch, welcher am Samstagnachmittag an den Tod von André B. in Burghausen erinnern sollte. Ausgangspunkt war das Bürgerhaus, von wo aus es zunächst zum Bahnhof, in der Nähe der Polizeiinspektion und abschließend zum Ort des Geschehens vor fünf Jahren in der Herderstraße ging. 

An den drei Stationen des Gedenkmarsches sprachen dann jeweils Vertreter des Hanfverbands sowie Dennis Uzon (Die Linke) und Andrea Braun (Grüne). Die Redner betonten ausdrücklich, der Gedenkmarsch richte sich nicht gegen die Polizei im allgemeinen oder in Burghausen im Speziellen. Vielmehr lobte Braun die Arbeit letzerer und auch die Veranstaltungsleiter betonten, die Burghauser Beamten hätten sich sehr offen gezeigt. Das Anliegen des Marsches sei vielmehr, Polizeigewalt zu ächten, so die Redner und insbesondere in diesem Fall auf die Einstellung der Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft aufmerksam zu machen, sowie das Anliegen eines Gedenksteins für B. vorzubringen.

Bilder vom Gedenkmarsch für Andre B. in Burghausen

Immer wieder verfolgten nicht wenige Passanten Redebeiträge und Demonstrationszug. Die Reaktionen fielen gemischt aus. Von manchen gab es Zustimmung zu dem Anliegen der Veranstaltung, andere brachten ihre Ablehnung dagegen klar zum Ausdruck. Angekommen in der Herderstraße legten die Teilnehmer des Marsches zunächst an einer improvisierten Gedenkstätte Blumen nieder. Dann sprachen Freunde und Familie noch einmal über André B.. Sie betonten, B. sei zum Zeitpunkt der Tat weder als Dealer tätig gewesen noch habe er Drogen konsumiert gehabt. Zum Abschluss gab es noch eine Schweigeminute für B.. 

Ein Sprecher der Polizeiinspektion Burghausen lobte im Anschluss an die Veranstaltung ausdrücklich deren ordentlichen und ruhigen Ablauf. 

Update, 16.45 Uhr - 

Der Gedenkmarsch endet in der Herderstraße mit kurzen Worten der Erinnerung von Freunden und Familie von B.. Die Veranstaltung schließt mit einer Gedenkminute.

Die Veranstaltung sei ruhig und ohne Zwischenfälle abgelaufen, berichtet die Polizei. Auch die Veranstalter zeigen sich zufrieden.

Update, 15.55 Uhr - 

Der Gedenkmarsch begibt sich nun zur Herderstraße.

Update, 27.Juli, 15.40

Etwa 50 Personen sind vor dem Bürgerhaus erschienen. Es finden erste Redebeiträge statt. Die Lage ist soweit ruhig. Ein Aufgebot der Polizei ist vor Ort.

Inzwischen hat dich der Gedenkmarsch in Bewegung gesetzt. Ruhig marschiert er durch die Stadt.

Der Gedenkmarsch ist nun in der Nähe der Polizeiinspektion angekommen. Weitere Redebeiträge finden statt.

Erstmeldung

"Die ungestrafte polizeiliche Erschießung des damals 33-jährigen, unbewaffneten mutmaßlichen Cannabisdealers André Borchardt jährt sich heuer zum fünften Mal. Nachdem die Staatsanwaltschaft Traunstein, trotz einer Petition mit über 37.000 Unterschriften, ihre Arbeit ohne Klageerhebung einstellte, ruft der Deutsche Hanfverband München zur Erinnerung an das tragische Ereignis dazu auf, gemeinsam mit der Familie und Politikern am Samstag, den 27. Juli, an einem Gedenkmarsch in Burghausen teilzunehmen", schreibt der Verband in einer Pressemitteilung.

"Hiermit soll an das Unrecht erinnert und ein Zeichen gegen Polizeigewalt gesetzt werden", so der DHV. "Der DHV bittet hierzu die Stadt Burghausen um die Genehmigung eines kleinen, spendenfinanzierten Gedenksteins und fordert vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd die Entwaffnung unfähiger Schützen im Polizeidienst. Zugleich ist der Gedenkmarsch eine Demonstration zur Unterstützung der Mehrheit der verantwortungsvollen Polizeibediensteten. Vertreter der Polizei wurden zur Teilnahme eingeladen."

Der Gedenkmarsch soll um 15 Uhr vor dem Bürgerhaus beginnen und am Ort des Geschehens vor fünf Jahren enden.

Umstrittener Fall im Jahr 2014

Am Abend des 25. Juli 2014 wollten der Zivilfahnder Michael K. und sein Kollege einen Haftbefehl gegen André B. vollstrecken - er stand unter Verdacht, mit Marihuana in nicht geringen Mengen gehandelt zu haben. Die beiden Männer warteten bereits seit dem Nachmittag auf den 33-jährigen Deutsch-Russen. Kurz vor 18 Uhr trafen sie ihn in der Burghauser Herderstraße, vor der Wohnung seiner Freundin Karo S., an.

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Die Festnahme missglückte, André B. bekam eine Kugel in den Hinterkopf und verstarb noch vor Ort. Lange Zeit war nicht klar, ob die Staatsanwaltschaft Traunstein Anklage gegen den Schützen erheben wird. Das Vorgehen der Behörden zog Kritik auf sich. Ein neues Gutachten wurde teils kritisch betrachtet, auch eine erneute Absperrung des Tatorts und die wiederholte Vernehmung von Zeugen zogen sich in die Länge. Der Nebenklage-Anwalt Steffen Ufer, ein renommierter Münchner Strafverteidiger, beklagte, das Ermittlungsverfahren diene lediglich der Rechtfertigung der Polizeiaktion und nicht der Aufklärung.

Staatsanwaltschaft stellte Verfahren gegen Polizisten ein

Die Staatsanwaltschaft Traunstein stellte schließlich das Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit dem tödlichen Schusswaffengebrauch eines Polizeibeamten am 25. Juli 2014 in Burghausen nach intensiven Ermittlungen mit dem Bayerischen Landeskriminalamt mit folgender Begründung eingestellt: "Es ergab sich, dass der Beamte weder vorsätzlich noch fahrlässig den Tod des Mannes verursacht hat, der sich der Festnahme entziehen wollte." Daraufhin richtete sich André B.'s Mutter in einem Brief an den Polizisten.

Aus dem Archiv:

Schießerei in Herderstraße

Quelle: innsalzach24.de

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