Zweckhamer wehren sich schon lange

Spuckattacke im Traunreuter Stadtrat wegen Dorferweiterung

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CSU-Stadtrat Gerer überlegt nach der Spuckattacke von der Zuschauertribüne nun rechtliche Schritte. 
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Traunreut - Zweckham, ein kleines Dorf südostlich von Traunreut, könnte um ein paar Häuser erweitert werden - viele Einheimische wehren sich schon länger dagegen, doch jetzt wurde es unappetitlich.

Nach der Abstimmung in der jüngsten Traunreuter Stadtratssitzung wurde von der Zuschauertribüne auf Stadtrat Christian Gerer (CSU) heruntergespuckt, wie der Traunreuter Anzeiger berichtet. Der widerliche Angriff war wohl eine Retourkutsche einer Zweckhamerin für Gerers Stimmverhalten. Mit einer hauchdünnen Mehrheit von 13:12 stimmte der Stadtrat für eine mäßige Erweiterung des Dorfes - auch Christian Gerer war dafür.

"Ich hatte nur gespürt, dass mir was auf die Schulter gefallen ist. Es hat sich angefühlt wie eine Papierkugel. Auf dem Gang hat mir dann ein Besucher erzählt, dass mir eine Zuhörerin unmittelbar nach der Abstimmung drauf gespuckt hat", so der Stadtrat gegenüber dem Traunreuter Anzeiger. Sollte sich die Frau nicht bei Gerer entschuldigen, werde er rechtliche Schritte einleiten, so die Zeitung weiter.

Wie sich die Zweckhamer bisher wehrten

Gerade Mal ein gutes Dutzend Anwesen hat der Weiler Zweckham. Eine mögliche Erweiterung des Dorfes, durch Erlass einer Entwicklungssatzung, steht schon länger zur Diskussion. Es geht um etwa sieben Häuser. Mit allen erdenklichen Argumenten versuchten sich viele Zweckhamer bisher gegen die Dorferweiterung zu wehren. "Gockel krähen, Enten schnattern, Hunde bellen, Goaßlschnalzen, Jodeln... Ob das sogenannte Zuagroaste akzeptieren?", schreib eine Zweckhamerin an die Verwaltung und fürchtet vorprogrammierten Streit. 

"Keine Fremden in das idyllische Dorf", schreibt eine andere Bewohnerin. Und ob sich die Neuen an den Gerüchen im Dorf stören könnten? Das Futtersilo rieche im Sommer schließlich und natürlich werde Jauche ausgefahren. Ein anderer Zweckhamer fürchtet einen "Kuhglockenstreit" wie kürzlich in Holzkirchen.

"Verschandelung des Landschaftsbildes"

Bedenken gibt es auch, ob für die Bauern künftig strengere Auflagen durch das "landwirtschaftliche Mischgebiet" gelten, die für ihre Existenz gefährlich werden könnten. Auch vom Flächenfraß und einer Zersiedelung ist die Rede: Eine "Verschandelung des Landschaftsbildes" nannte es nun Stadtrat Josef Winkler. Auch andere Behörden meldeten Kritik an: Das Wasserwirtschaftsamt fürchtet schädliche Auswirkungen auf das Trinkwasser

Nach der Abstimmung können nun Betroffene und Behörden erneut Stellungen abgeben, erst nach erneuter Abstimmung wäre die Entwicklungssatzung für Zweckham dann endgültig beschlossen. Es gäbe also weiterhin Möglichkeiten, die Satzung abzuwehren - doch hoffentlich nur noch mit vernünftigen Mitteln. 

xe

Quelle: chiemgau24.de

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