Urteil: Bewährungsstrafe für 24-Jährigen

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Traunstein/Burghausen - Am Dienstag hat sich ein Burghauser vor dem Schwurgericht wegen versuchten Totschlags verantworten müssen. **NEU: Video-Interview mit dem Verteidiger**

 

Update 11 Uhr

Soeben hat der Vorsitzende Richter Erich Fuchs das Urteil verkündet. Auch für das Gericht steht fest, dass ein Tötungsvorsatz nicht gegeben ist. Es verurteilte den Angeklakten wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe in Höhe von einem Jahr und sechs Monaten, ausgesetzt zur Bewährung. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre.

Das Gericht betonte die "dramatischen psychischen Folgen" der Tat für das Opfer, die das Gericht "glaubwürdig und nachvollziehbar" nannte. Das Gericht legte andererseits dem Angeklagten positiv aus, dass er geständig war und sich bisher nichts hatte zu Schulden kommen lassen. Außerdem habe die dreimonatige Untersuchungshaft den Angeklagten "sehr beeinträchtigt und beeindruckt". Zudem erläuterte das Gericht, es habe dem Angeklagten in hohem Maße angerechnet, dass er um einen Täter-Opfer-Ausgleich bemüht war.

Die Verteidigung erklärte nach der Urteilsverkündung, auf Rechtsmittel zu verzichten.

Update 10.30 Uhr

Am Montagvormittag wurde der Prozess gegen einen jungen Mann aus Burghausen fortgesetzt. Die Anklage lautete: Versuchter Totschlag in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung.

Soeben haben Verteidigung und Anklage ihre Plädoyers vorgetragen. Der Staatsanwalt erklärte, dem Angeklagten könne kein besonderer Tötungsvorsatz nachgewiesen werden. Als Grund führte er unter anderen an, dass die Verletzungen des Opfers vergleichsweise gering seien. Zudem sei nicht zu klären, ob der Angeklagte mit voller Wucht zugeschlagen habe.

Der Staatsanwalt forderte deshalb wegen gefährlicher Körperverletzung eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, ausgesetzt zur Bewährung. Außerdem solle der Angeklagte 160 Stunden Arbeit in einer gemeinnützigen Einrichtung leisten.

Der Staatsanwalt rechnete dem Angeklagten an, dass er versucht hat, sich bei dem Opfer zu entschuldigen, und ihm bereits 3000 Euro gezahlt hat. Schwer zu seinen Lasten wiegt indes aus Sicht der Anklage das "völliv Grundlose" der Tat. Der Staatsanwalt sprach von einem "bemerkenswerten Maß an Aggressivität".

Die Nebenklagevertreterin schloß sich weitgehend der Argumentation des Staatsanwalts an. Sie legte dem Angeklagten nahe, an seinem Aggressionspotential zu arbeiten. Auch sie hob die Grundlosigkeit der Tat hervor und hält wie der Staatsanwalt eine Bewährungsstrafe in Höhe von zwei Jahren für angemessen. Der Angeklagte sei bislang ein unbescholtener Bürger gewesen.

Der Verteidiger des Angeklagten folgte im Großen und Ganzen ebenfalls der Argumentation des Angeklagten. Auch er betonte die Intensität und die Grundlosigkeit der Tat. Andererseits habe sich der Angeklagte mehrmals entschuldigt und 3000 Euro Schmerzensgeld gezahlt. Außerdem seien die Verletzungsfolgen in Maßen. Des weiteren spreche für den Angeklagten dessen gute soziale Prognose. Der Verteidiger hält eine Bewährungsstrafe zwischen 15 und 18 Monaten für angemessen.

In seinem Schlusswort betonte der Angeklagte erneut, wie leid ihm alles tue. "Ich bin kein aggressiver Mensch und ich weiß nicht, wie es so weit kommen konnte", so der 24-Jährige.

Das war der erste Verhandlungstag

Laut der Anklageschrift geht der Staatsanwalt davon aus, dass der Angeklagte bei der Tat unter Alkoholkonsum den Tod des 47-jährigen Opfers zumindest billigend in Kauf genommen hätte. Der Angeklagte räumte ein, dass er ein Fahrrad gegen das Zelt des 47-jährigen Opfers geworfen habe. Er äußerte jedoch in seiner Aussage, dass er den Eindruck gehabt habe, es sei "nicht so heftig" gewesen. Allerdings sei nach dem Vorfall schon klar gewesen, "dass man ein bisschen überreagiert hat". Die Aussage des Angeklagten weicht in einigen Punkten von der Anklage ab. So habe er dem Opfer keinesfalls die Daumen in die Augen gedrückt.

Auch das Opfer sagte vor Gericht aus. der 47-Jährige berichtete dass er noch heute mit massiven Kopfschmerzen unter den Folgen des Vorfalls leide. Nach weiteren Zeugenaussagen sowohl zu Gunsten als auch zu Lasten des Angeklagten, wurde auch ein medizinischer Sachverständiger angehört. Dieser sagte aus, dass aus seiner medizinischen Sicht, nicht jedes Detail des Vorfalls ergründet werden kann.

Lesen Sie dazu auch den Live-Ticker des ersten Verhandlungstages.

Vorbericht

Es war schon nach 4 Uhr morgens, als Mitte Juli ein 24-jähriger Burghauser auf dem Heimweg von einer langen Partynacht mit einem Mann in Streit geraten sein soll: Als der 24-Jährige an einem Zelt vorbeikam, soll er ein Fahrrad gegen die Zeltwand geschleudert haben. Im Innern schlief ein Mann, der von dem Vorfall geweckt wurde und den Burghauser zur Rede stellen wollte. Völlig unvermittelt, so lautet der Vorwurf, soll der 24-Jährige den 47-jährigen Mann attackiert haben.

Er soll ihn am Kopf gepackt und seine Daumen in beide Augen gedrückt haben. Anschließend soll der 24-Jährige den Kopf des inzwischen am Boden liegenden Mannes mehrmals auf den Asphalt geschlagen haben. Der Burghauser soll erst von dem Mann abgelassen haben, als ihn Zeugen wegzogen.

Das 47-jährige Opfer erlitt eine Gehirnerschütterung, zahlreiche Prellungen und Schürfwunden sowie eine Platzwunde und verbrachte mehrere Tage im Krankenhaus. Dienstagvormittag beginnt der Prozess gegen den 24-Jährigen vor dem Schwurgericht am Landgericht Traunstein. Ihm wird versuchter Totschlag in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zur Last gelegt.

bla/redro24

Quelle: innsalzach24.de

Rubriklistenbild: © Alexander Belyamna

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