Prozess um versuchten Totschlag

Angeklagte belasten sich gegenseitig

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Diese drei Angeklagten aus Kolbermoor und Bad Aibling müssen sich ab heute vor Gericht verantworten.
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  • Robert Märländer
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Traunstein/Kolbermoor - Vor dem Landgericht müssen sich drei Männer aus dem Raum Kolbermoor wegen versuchten Totschlags verantworten. Die Angeklagten belasten sich gegenseitig - mit unglaublichen Details!

Update 13 Uhr:

Der 39-jährige Angeklagte ließ durch seinen Rechtsanwalt verlauten, dass er keine Angaben zur Tat mache. Er sei nicht daran beteiligt gewesen und könne nichts dazu sagen.

Wenn der Geschädigte am kommenden Donnerstag seine Aussage zum Fall macht, wird chiemgau24.de wieder live für Sie vor Ort sein.

Update 12.15 Uhr:

Mit seiner Aussage belastete der 28-jährige Gastronom seinen 45-jährigen Mitangeklagten schwer. Ihm zufolge habe dieser den Geschädigten zuerst mit der Faust geschlagen, während der dritte Angeklagte ihn festgehalten habe. Als das Opfer dann zu Boden ging, habe der 45-Jährige dem Opfer mit dem Fuß ins Gesicht getreten: “Ich habe ihn dann weggezogen und zu ihm gesagt, dass er den Scheiß lassen soll.”

Danach habe sich der Koch ein Messer aus der Küche geholt und versucht, dem Geschädigten den Finger abzuschneiden. Der 28-jährige bestreitet, dass er ihm das Messer gegeben habe. Er selbst habe dem Opfer ausschließlich vier bis sechs Faustschläge verpasst. Die Messerstiche in den Bauch des Geschädigten könne er sich nicht erklären. “Keiner von uns hat dem Opfer in den Bauch gestochen.” 

Update 11.10 Uhr:

Durch seinen Verteidiger Harald Baumgärtl ließ der 45-jährige Koch zuerst eine Erklärung zum Tatgeschehen verlesen. Demnach seien die drei Angeschuldigten aus Rache auf den Geschädigten losgegangen und hätten ihn gefoltert. Rund zwei Wochen vor der Tat soll das Opfer eine Bedienung in der Stammbar der drei Angeklagten hart angepackt haben. Der 45-jährige Koch und der 28-jährige Mitangeklagte sollen daraufhin den Geschädigten aus dem Lokal gebracht haben. Einige Tage später erfuhren sie, dass der Geschädigte die Kellnerin wegen des Rauswurfs angezeigt habe.

In der Tatnacht, rund zwei Wochen nach diesem Vorfall, trafen sich die drei Angeklagten erneut in der gleichen Bar und unterhielten sich über die ganze Sache. Sie seien sich einig gewesen, dass der Geschädigte die Bedienung nicht so angreifen dürfe. Der 28-Jährige habe dann den Vorschlag gemacht, dass man die Bedienung, die auch gleichzeitig die Freundin des 39-jährigen Angeklagten ist, rächen solle. Zu diesem Zeitpunkt hatten alle drei bereits eine beträchtliche Menge Alkohol konsumiert.

Die Angeklagten machten sich, gegen 2.30 Uhr morgens, auf den Weg zum Haus des Geschädigten, "um ihm eine Abreibung zu verpassen", so der 45-Jährige. Für das Opfer begann damit aber ein fast zweistündiges Martyrium. Den Einlassungen des Kochs zufolge, habe er dem Geschädigten zuerst einige Faustschläge ins Gesicht verpasst und ihn anschließend weiter geschlagen, als dieser schon am Boden lag. An Fußtritte könne er sich aufgrund des Drogen- und Alkoholkonsums nicht mehr genau erinnern.

Der 28-Jährige habe ihm daraufhin gesagt, er solle ein Messer holen, um dem Opfer einen Finger abzuschneiden. Nach einigen schnitten habe er das aber abgebrochen, weil der Geschädigte stark geblutet habe. Er habe danach sein Hemd aus der Küche geholt und sei aus dem Haus gegangen. Die beiden anderen Angeklagten wären wenig später auch herausgekommen.

Wieder in der Bar fiel dem 45-Jährigen auf, dass er ein falsches Hemd mitgenommen hatte. Zusammen mit dem 28-Jährigen ging er daraufhin zurück zum Haus des Geschädigten, um sein Hemd zu holen. Er habe sich dabei allerdings nur in der Küche aufgehalten und habe von den weiteren Vorfällen nichts mitbekommen.

Laut Anklageschrift soll der 28-Jährige währenddessen dem Geschädigten einen Messerstich in den Bauch verpasst haben, bei dem der Dünndarm des Opfers perforiert wurde. Anschließend soll der 45-Jährige dem Geschädigten mit heißem Wasser die Wunden übergossen haben. Diesen Tatvorwurf bestreitet der Angeklagte allerdings.

Lesen Sie hier den Vorbericht:

Zwei Männer aus Kolbermoor und ein Mann aus Bad Aibling stehen ab Dienstagvormittag, 11. März, vor Gericht. Ihnen wird die schwere Misshandlung eines Mannes in Kolbermoor vorgeworfen. Bei zwei der Angeklagten lautet die Anklage außerdem auf versuchten Totschlag durch einen Messerstich in den Bauch. Beim Opfer des Überfalls wurde der Dünndarm an sechs Stellen durchstoßen und auch die Beckenschlagader verletzt. Der Stich durch den Bauch hat laut Anklage fast bist zur Wirbelsäule gereicht.

In der Nacht vom 7. auf den 8. Juni 2013 sollen die Angeklagten ihr Opfer in dessen Wohnung überfallen haben. Laut Anklageschrift hat das Opfer gegen 2.30 Uhr die Wohnungstür geöffnet und ist daraufhin sofort niedergeschlagen worden. Anschließend sollen die Angeklagten das Opfer mit Schlägen und Tritten auf Kopf, Gesicht und Oberkörper Misshandelt haben. Außerdem hätten sie das Opfer mit einem Messer mehrfach in den Finger geschnitten, wie die Anklage ausführt.

Immer brutalere Misshandlung

Nach rund einer halben Stunde sollen die Angeklagten den Tatort verlassen haben. Zwei von ihnen seien jedoch kurz darauf zurückgekehrt. Daraufhin soll die Gewalt auf schockierende Art eskaliert sein.

Die Anklage wirft den Männern vor, das Opfer erneut mit Schlägen und Tritten traktiert zu haben. Schließlich soll einer der beiden anwesenden Angeklagten ein rund 25 Zentimeter langes Messer genommen und es dem Opfer in den Bauch gerammt haben. Die Angeklagten sollen den niedergestochenen Mann anschließend noch mit kochendem Wasser verbrüht haben.

Das schwerst verletzte Opfer wurde erst gegen 11.45 Uhr aufgefunden. Neben den Folgen der Stichverletzung hat der Mann unter anderem mehrere Frakturen und Verbrühungen erlitten.

Die Anklage lautet für alle Angeklagten auf gefährliche Körperverletzung. Zwei von ihnen wird darüber hinaus versuchter Totschlag zur Last gelegt. Für den Prozess sind sechs Verhandlungstage angesetzt.

Quelle: chiemgau24.de

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