Gutachter stützen Aussage des 16-Jährigen

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Traunstein/Rosenheim - Im Prozess gegen den Ex-Polizeichef haben die Gutachter nun ihre Aussagen gemacht. Sie stützen die Schilderungen des 16-Jährigen.

Der Prozessauftakt im Video:

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Der Prozess geht weiter am Dienstag, 27. November! rosenheim24 wird wieder aktuell berichten.

Die Vorwürfe gegen den ehemaligen Leiter der Polizeiinspektion Rosenheim wiegen schwer: Der 51-Jährige soll einen gefesselten 15-jährigen Schüler im September 2011 auf der Wiesn-Wache krankenhausreif geschlagen haben. Nachdem am Montag, dem ersten Verhandlungstag, unter anderem der Angeklagte, der Geschädigte und die Mutter des Geschädigten ihre Aussagen gemacht hatten, wurden am Dienstagvormittag bei der Fortsetzung des Prozesses weitere Zeugen gehört.

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Zu Wort kamen am Vormittag fünf Polizeibeamte - vier Polizisten und eine Polizistin, darunter auch der Wiesn-Streifenpartner des Ex-Polizeichefs. Der Streifenpartner hat ausgesagt, dass er vor der Wiesn-Wache einige Kniestöße des Angeklagten gegen den Geschädigten beobachtet hatte. Was sich dann aber genau in dem Raum abgespielt hat, in dem der heute 16-Jährige seine massiven Verletzungen (Platzwunde, gebrochener Schneidezahn) erlitt, konnte aber auch der Streifenpartner nicht sagen. Er habe sich laut eigener Aussage vor dem entsprechenden Zimmer aufgehalten und sei damit beschäftigt gewesen, die aufgebrachte Mutter des Jungen an der Eingangstür zu beruhigen.

Aus dem Archiv: Bilder vom Prozessauftakt

Prozessauftakt gegen Ex-PI-Leiter

Nachdem er den Bereich an der Tür verlassen hatte, habe er aber eine gute Sicht auf den Raum gehabt, in dem der Vorfall passiert war. "Allerdings habe ich nichts gesehen." Erst später habe er bemerkt, dass der Jugendliche stark im Gesicht blutet. Der vorsitzende Richter Erich Fuchs meinte daraufhin: "Daraus kann man nur schließen, dass entweder die eine oder andere Seite lügt!"

Bei der Aussage einer 30-jährigen Polizistin kam auch zu Tage, was der Junge bei seinem Aufenthalt auf der Wiesn-Wache gesagt haben soll: "Die meisten Polizisten sind ja ganz nett, aber der Alte spinnt!"

Ein weiterer Polizist gab an, dass der Geschädigte sich nur dann "aufgeführt" habe, wenn der Angeklagte den Raum betreten hat. "Er hat immer wieder geschrien 'der Alte, der Alte'. Das hat sich mir richtig eingebrannt."

Angeklagte bleibt bei seiner Aussage

Nach einer kurzen Pause fragte der Vorsitzende Richter Erich Fuchs den Angeklagten, ob er bei seinen Schilderungen über die Vorfälle auf der Wiesn-Wache bleibe. "Sie beschreiben uns einen Stoß von hinten gegen den Geschädigten. Können es nicht doch mehrere gewesen sein? Nach den Gutachten liegen den Verletzungen des Jungen mehrere Stöße zugrunde."

Doch der 51-Jährige bleibt bei seiner Aussage: "Es war definitiv nur ein Stoß. Das andere sind reine Erfindungen der Gegenseite, die konstruiert wurden, damit man ihnen glaubt."

Die Ausführungen der Gutachter

Im Anschluss ging es weiter mit den Aussagen der Sachverständigen. Der zuständige Gutachter für DNA- und Blutspuren am Tatort, Dr. Martin Schulz, meinte in seinen Ausführungen, dass bei den Untersuchungen zwei Blutspuren an der Wand des Wachraums entdeckt wurden.

"Bei beiden Spuren handelte es sich um ein Blut-Speichel-Gemisch des Geschädigten." Darüber hinaus sei auch ein Defekt in der Wand gefunden worden.

"Ein einmaliger und kurzer Kontakt des Geschädigten mit der Wand, wie es vom Angeklagten beschrieben wurde, scheint daher nicht plausibel." Außerdem hätte das Blut nicht sofort auf die Wand übertragen werden können. "Blut braucht eine gewisse Zeit, um auszutreten. Das spricht für einen mehrmaligen oder einen längeren Kontakt an der Wand."

Der Zahnarzt Dr. Kühnisch stellte bei seinen Untersuchungen im Mundbereich des Geschädigten sieben Einzelverletzungen fest. "Aus zahnärztlicher Sicht sind diese Verletzungen durch mindestens zwei verschiedene Ereignisse entstanden."

Der Biomechaniker Dr. Abamec unterstützte dies ebenfalls mit seinen Ausführungen. "Wir haben es mit mindestens zwei Gewalteinwirkungen zu tun." Damit bekräftigte er auch die Aussagen des 16-Jährigen und seiner Mutter. Beide gaben am ersten Verhandlungstag an, dass er vom Angeklagten mehrfach gegen die Wand geschlagen wurde. "Die Verletzungen lassen sich gut durch diese Schilderungen erklären", so Abamec abschließend.

Mit der Aussage der Sachverständigen endete der zweite Verhandlungstag. Sofern keine Anträge gestellt werden, geht es dann am Dienstag, 27. November, weiter mit den Plädoyers.

ps/mw/redro24

Quelle: rosenheim24.de

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