Türke wollte Ehre seiner Cousine verteidigen

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Rosenheim - Ein junger Türke drohte seinen ehemaligen deutschen Freund, weil dieser mit seiner Cousine eine Beziehung einging. Dabei akzeptierte die Familie die Liebe:  

Deshalb stand er jetzt vor Gericht, wo er eine Bewährungsstrafe erhielt. Die Familie seiner Cousine hat den deutschen Freund längst akzeptiert.

Als er sie auf dem Herbstfest 2010 miteinander bekannt machte, rechnete der Türke nicht damit, dass sich die beiden ineinander verlieben würden. Sehr zum Missfallen der Eltern wurden sie ein Paar. Der 20-Jährige sah sich in der Folge ständig mit dem Vorwurf konfrontiert, an dieser unwillkommenen Beziehung Schuld zu sein.

So stellte er den Freund zur Rede und verlangte von ihm, die Beziehung zu beenden. Der versprach ihm das auch. Weil aber wahre Liebe keine Hindernisse kennt, pflegte das Paar die Kontakte heimlich weiter.

Ehre seiner Cousine retten

Als der 20 Jahre alte "Vermittler" davon erfuhr, war er nicht zu halten. Er glaubte, die vermeintliche Ehre seiner Cousine retten zu müssen und meinte auch, bei den Eltern des Mädchens im Wort zu stehen. Außerdem fühlte er sich durch den Schwindel hintergangen. Er telefonierte im Freundeskreis herum, bis er den Kumpel erreichte. Dabei beschimpfte er ihn und dessen Familie mit übelsten Ausdrücken und drohte ihm Prügel und Schlimmeres an.

Der Betroffene nahm die Drohungen ernst. Immerhin hatte der Cousin seiner Freundin ins Telefon gebrüllt, er werde ihn mit einer Gaspistole erschießen, zudem werde er sich Mutter und Schwester des Bedrohten vorknöpfen. Deshalb meldete dieser den Vorfall der Polizei. Dies geschah zu einem Zeitpunkt, als die Familie des Mädchens ihn schon längst akzeptiert hatte.

Der Angeklagte bestritt zunächst, gedroht und beleidigt zu haben. Erst im Laufe der Beweisaufnahme räumte er zumindest die Beleidigungen ein. Die angeblichen Drohungen hingegen seien keine gewesen. Aus seiner Sicht waren dies einfach besonders krasse Formen der Beleidigung, die aber kein Mensch in die Praxis umsetze.

Der Vorsitzende des Jugendschöffengerichtes, Herbert Schäfert: "Das ist ja nun schon ein Fortschritt, dass sie hier Einsicht und Reue zeigen - ganz unabhängig davon wie das Gericht ihr Verhalten werten wird."

Angeklagte schon vorbestraft

Besonders kritisch war die Situation für den Angeklagten, weil er nur wenige Monate vorher wegen Körperverletzung zu acht Monaten Haft verurteilt worden war und deshalb unter offener Bewährung stand.

Die Staatsanwältin erwartete vom Gericht konsequentes Durchgreifen. Mit dieser unglaublichen Rückfallgeschwindigkeit in offener Bewährung sei der Angeklagte ein klassischer Bewährungsversager. Sie beantragte - unter Einbeziehung des Urteils von 2010 - eine Gesamtstrafe von zwölf Monaten Jugendstrafe, die nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden könne.

Der Bewährungshelfer zeichnete ein ganz anderes Bild des jungen Rosenheimers. Der melde sich regelmäßig bei ihm, komme allen Auflagen pünktlichst nach und habe vor über einem Jahr selbst eine neue Arbeitsstelle gefunden, wo man sehr zufrieden mit ihm sei. Der Bewährungshelfer sah seinen Schützling auf einem guten Weg und hielt den Vollzug einer Gefängnisstrafe für das falsche Signal. Strafe müsse wohl sein, aber besser noch einmal mit Bewährung.

Wortwahl sei dem Kulturkreis zuzuordnen

Verteidigerin Susanne Schomandl argumentierte, einiges bei der erregten Wortwahl sei wohl dem Kulturkreis ihres Mandanten zuzuordnen. Dieser habe inzwischen dazugelernt, sich bei dem ehemaligen Freund entschuldigt und sei auf dem besten Wege, verlässlich ein normales Leben zu führen.

Richter Schäfert erklärte dem Angeklagten: "Im Bayerischen würde man Sie ein ,Gifthaferl' nennen." Der Angeklagte müsse dringend lernen, sein Temperament und seine Gefühlsausbrüche unter Kontrolle zu bekommen. Das Gericht war aber der Meinung, er sei auf einem guten Weg. Zur ursprünglichen Jugendstrafe von acht Monaten kamen vier weitere hinzu, ein letztes Mal zur Bewährung ausgesetzt. Der Richter machte dem jungen Mann deutlich klar: "Bei dem geringsten erneuten Vergehen marschieren Sie schnurstracks ins Gefängnis."

au/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © pa

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