TÜV-Prüfer sorgt für sicheren Nervenkitzel

+
Sichere Fahrgeschäfte: TÜV-Prüfer Patrycjusz Idzikowski testet den "Power Tower" auf der Wiesn.

Rosenheim - Nicht nur wegen Bier, Blasmusik und Hendl - viele Wiesn-Fans lieben das Herbstfest auch für seine aufregenden Fahrgeschäfte. Aber wer überprüft deren Sicherheit?

Beispielsweise Patrycjusz Idzikowski, der 33-jährige Bauingenieur arbeitet seit vier Jahren für den TÜV und ist seither jedes Jahr auch am Herbstfest im Einsatz.

Idzikowski ist Sachverständiger für "Fliegende Bauten und Freizeitparks" beim TÜV. Beispielsweise fallen Autoscooter und Riesenrad unter das Baurecht und müssen deshalb als sogenannte Sonderbauten begutachtet werden. In Rosenheim ist der TÜV bereits seit Montag am Werk. Die Experten testen nicht nur spektakuläre Fahrgeschäfte auf ihre Sicherheit: "Wir prüfen alles - vom Kinderkarussell, über die Bierzelte bis hin zum Power Tower", sagt Idzikowski.

Vor eben diesem Power Tower beobachteten der Sachverständige und seine Kollegen, wie sich die gelbe Plattform mit den grünen Sitzen am Turm nach oben bewegt, immer in Richtung des blauen Rosenheimer Himmels. Heute werden sich die ersten Fahrgäste an den orangefarbenen Bügeln festkrallen und kreischen, wenn die Plattform für Sekunden ins Bodenlose fällt.

Damit alles sicher ist, mussten die TÜV-Prüfer noch Einiges an Arbeit investieren. Bei solch spektakulären Fahrgeschäften dauere die Prüfung laut Idzikowski bis zu fünf Stunden.

Das gelbe Achteck des "Freifall-Turms" rauscht nach unten und bremst auf halber Höhe scharf ab - das gesamte Bauwerk wackelt für wenige Sekunden. "Das war ein erster Härtetest für die Bremsen", erklärt Idzikowski. Es gebe eine Mindesthöhe, bei der das Gerät zum Stehen kommen muss. Schließlich könne es bei Nässe noch einmal zwei bis drei Meter nach dem Bremsen abrutschen. Die Sicherheitsfunktionen mit Seilen und Bremsen würden zu 100 Prozent überprüft. Sonst ist der finale Test allerdings eine Stichprobe. "Wir können ja nicht jede Schraube begutachten", so Idzikowski.

Insgesamt laufe der Sicherheitstest in vier Phasen: Bereits lange vor dem Wiesn-Spaß übergeben die Betreiber alle Unterlagen ihrer Anlage dem TÜV. Beim zweiten Schritt, der sogenannten Abnahme, testen die Experten das Fahrgeschäft erstmals in aufgebautem Zustand. Die Sicherheit wird bei der Verlängerungsprüfung weiterhin gewährleistet. Schließlich folgt die Gebrauchsabnahme, in diesem Fall der abschließende Härtetest auf der Rosenheimer Wiesn.

Was bei einem Notfall zu tun ist, gehen die Prüfer ebenfalls im Voraus durch: beispielsweise die Evakuierung eines Fahrgeschäfts. Idzikowski ist sich allerdings sicher, dass dieser Fall nicht eintreten wird. Schließlich testen die Experten jedes Fahrgeschäft selbst bei einer Testfahrt. "Es ist doch das beste Zeichen, wenn die Prüfer selbst einsteigen", versucht der Bauingenieur auch Herbstfestbesuchern die letzte Angst zu nehmen.

Trotz Testfahrten hat Idzikowski noch lange nicht genug vom Nervenkitzel. Er freut sich auf die Jubiläums-Wiesn und natürlich besonders auf die Fahrgeschäfte. Einen Favoriten hat er auch bereits: den getesteten freien Fall. lom

Mehr zum Herbstfest auf www.herbstfest-rosenheim.de

lom/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: Herbstfest Rosenheim

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser