TÜV Süd will jetzt auch Lebensmittel überwachen

München - Nach Lebensmittelskandalen wie verseuchten Tiefkühl-Erdbeeren aus China oder gefährlichem Milchpulver wächst der Wunsch nach sicheren Lebensmitteln weltweit. Der TÜV Süd will davon profitieren.

Der TÜV Süd will sein Geschäft mit der Lebensmittelüberwachung massiv ausbauen. Weltweit nehme das Bedürfnis nach sicheren Lebensmitteln deutlich zu, sagte Vorstandschef Axel Stepken am Mittwoch in München. „Hier werden wir in den nächsten zehn Jahren am stärksten wachsen.“ Der Umsatz in diesem Bereich soll sich auf 200 Millionen Euro verzehnfachen. Erst vor kurzem hatte der TÜV Süd ein Labor zur Lebensmittelprüfung in Brasilien gekauft, in Indien eröffnete der Konzern ein eigenes Labor. Großes Wachstumspotenzial sieht Stepken auch in China, wo Lebensmittelskandale um verseuchtes Milchpulver oder belastete Tiefkühl-Erdbeeren das Thema ins Bewusstsein gerückt haben.

Der TÜV Süd ist einer der größten Anbieter von Prüfleistungen in Deutschland und dem Ausland. In diesem Jahr steuert das Unternehmen auch dank rund einem Dutzend Übernahmen auf den Rekordumsatz von 1,8 Milliarden Euro zu - ein Plus von rund acht Prozent. Die Zahl der Arbeitsplätze legte um 1500 auf 18 600 zu, fast die Hälfte der Beschäftigten arbeitet im Ausland. Im kommenden Jahr will der TÜV Süd die Marke von zwei Milliarden Euro Umsatz knacken und weltweit mehr als 1000 neue Arbeitsplätze schaffen. „Erneut stehen zahlreiche internationale Unternehmenskäufe auf unserer Agenda“, sagte Stepken.

Starkes Wachstum erwartet der TÜV Süd auch mit der Auto-Überprüfung im Ausland. In der Türkei hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren ein landesweites Netz an Prüfstationen eingerichtet. „Mittlerweile prüfen wir mehr Autos am Bosporus als in Deutschland“, sagte Vorstandsmitglied Horst Schneider. Für 2012 geht der TÜV Süd von 6,5 Millionen Hauptuntersuchungen in der Türkei aus - in Deutschland sind es rund 5,3 Millionen.

Ein riesiges Potenzial sieht der TÜV Süd auch in Indien. Dort sei die technische Überwachung zwar bislang nur für gewerblich genutzte Fahrzeuge wie Busse oder Taxen Pflicht - auch dies sind nach Worten von Schneider aber bereits 10 bis 15 Millionen Fahrzeuge. Sollte die Überprüfung auch für alle anderen Autos eingeführt werden, seien die Chancen noch größer. „Dann kann man sagen, dass der Markt nahezu unbegrenzt ist.“ Wegen des desolaten Zustandes vieler Autos kämen in Indien jedes Jahr rund 200 000 Menschen bei Unfällen ums Leben.

dpa

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