Kriminalserie "Tatort24" 

Tuntenhausener Pfarrer im Visier brutaler Verbrecher - So wurden sie überführt! 

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Pfarrer Sinha Roy aus Tuntenhausen wurde im Juni 2012 in seinem Pfarrhaus überfallen und ausgeraubt.
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Tuntenhausen - In den frühen Morgenstunden des 17. Juni 2012 wurde der Pfarrer von Tuntenhausen Opfer einen schweren Raubüberfalls. Die Tat stand in Zusammenhang mit einer Raubserie auf Pfarrhäuser in der Region – und einem zweiten Raubüberfall. Die Ermittler arbeiteten mit Hochdruck an der Aufklärung:

Gegen 3 Uhr morgens sind zwei Unbekannte in das Haus des Pfarrers eingebrochen und haben den 42-Jährigen im Schlaf überrascht. „Die Täter gingen sehr brachial vor“, erinnert sich Kriminalhauptkommissar Herbert Leipold-Beck an den Fall im Sommer 2012. „Mit einem aus der Wand herausgerissenen Telefonkabel haben sie den Mann gefesselt und mit einer Brechstange bedroht. Das Haus wurde durchsucht, Türen aufgebrochen – schließlich fanden die Täter Scheckkarten und Bargeld.“

„Wie sich herausstellte, zwangen sie den wehrlosen Mann zur Herausgabe des PIN‘s. Der Haupttäter fuhr noch in der Tatnacht nach Ostermünchen, um mit der Karte einen vierstelligen Betrag abzuheben. Der zweite Täter hielt indes Wache bei dem 42-Jährigen. Nachdem sie sich am Konto des Pfarrers bedient hatten, flüchteten die Täter und ließen ihr Opfer zurück.“ Der Pfarrer meldete die Tat um kurz nach 4 Uhr morgens über Notruf. Die Polizei fand am Tatort „brachiale Spuren der Verwüstung“, erinnert sich Leipold-Beck. „Der Pfarrer stand schwer unter Schock und leidet vermutlich noch heute unter den Folgen der schweren räuberischen Erpressung.“

Die Täter drangen durch das Kellerfenster ins Pfarrhaus in Tuntenhausen ein. 

Die Täter schlagen erneut auf brutale Art und Weise zu 

Sofort beginnt die Kripo in alle Richtungen zu ermitteln, Spuren und Handydaten werden ausgewertet. Die Beamten sehen einen möglichen Zusammenhang mit einer Einbruchsserie im Bereich Mühldorf und Ebersberg sowie in weiten Teilen der Region. Bereits vor dem Raubüberfall gerieten leerstehende Pfarrhäuser ins Visier von Einbrechern. „Es kommt selten vor, dass wir solche Häufungen an Straftaten vorfinden und vermuteten, dass es sich wohl um ein und dieselben Täter handelte“, erklärt der Kriminalhauptkommissar. 

Plötzlich geschah ein zweiter Überfall: Nur einen Monat nach dem Raubüberfall in Tuntenhausen, am 20. Juli 2012, wurde ein Pfarrer aus Böbing im Landkreis Weilheim-Schongau nach dem gleichen Tatmuster überfallen. Der Pfarrer und seine Haushälterin wurden gefesselt und getreten, Scheckkarten und ein Laptop entwendet. „Die Opfer waren verletzt und traumatisiert, standen Todesängste durch“, so Leipold-Beck. „Die psychische Belastung ist nach einem solchen Überfall enorm.“

Weil die Tatbegehung deckungsgleich war mit dem Fall in Tuntenhausen standen die Ermittler unter enormen Druck. Die Rosenheimer Kripo tat sich mit den Kollegen aus Mühldorf und Weilheim zusammen. Unter allen Umständen sollte ein dritter Überfall verhindert werden.

Blitzer-Foto und eingespeicherte Navi-Ziele überführten die Täter 

Ein Ermittlungsansatz war, dass es Bilder vom Haupttäter gab: Überwachungskameras zeichneten sowohl die Abhebungen am Bankautomat in Ostermünchen als auch in Böbing auf. Darauf zu sehen: eine männliche Person in einer Kapuzenjacke. Ein Vergleich der sichergestellten Spuren ergab einen DNA-Treffer auf einen Mann, Mitte Zwanzig, aus Eggenfelden. Auch die Auswertung der Handydaten an beiden Tatorten führte die Ermittler auf die Spur des Verdächtigen. Schnell wurde die Wohnung ermittelt, mit einem Durchsuchungsbeschluss fiel das SEK „sogleich mit der Tür ins Haus“, wie es Leipold-Beck formuliert. 

Die Überwachungskamera filmte den Haupttäter am Bankautomaten. 

„Die beiden Deutschen im Alter von 24 und 25 Jahren kamen in Untersuchungshaft, beide schwiegen vehement, die Kommunikation lief nur über den Rechtsanwalt.“ Doch die Beweislage war erdrückend. „Tatfahrzeug und Fahrer wurden auf der Rückfahrt vom Tatort in Böbing in München geblitzt, im Navi waren die letzten Zielorte, identisch mit den Tatorten, noch gespeichert. Auch der gestohlene Laptop wurde bei einem der Täter gefunden.“ Das alles untermauerte den Verdacht und die Puzzleteile des Tatvorgangs fügten sich peu à peu zu einem Gesamtbild.

Einer der Täter im Gerichtssaal. 

Ende März 2013 folgte der Gerichtsprozess, bei dem den Männern die Raubüberfälle als schwerwiegendere Delikte im Gegensatz zu der Einbruchsserie in der Region zur Last gelegt wurden. „Das Duo hatte die Taten am Ende gestanden. Die Anklage lautete auf schweren Raub und Freiheitsberaubung. Das Urteil fiel dementsprechend hart aus“, erinnert sich Rosenheims Kriminalhauptkommissar. „Der Haupttäter bekam 11 Jahre, der Mittäter 10 Jahre – beide ohne Bewährung. Die Männer sitzen heute noch – und das zu Recht.“

Kommende Woche: Raubüberfall mit Geiselnahme in Feldkirchen-Westerham

Nächste Woche rollt die Kriminalserie "Tatort24" einen bewaffneten Banküberfall mit Geiselnahme in Feldkirchen-Westerham wieder auf. Seit sechs Jahren ist der Fall offen, der Täter auf freiem Fuß. Finden sich neue Zeugenaussagen, damit die Kripo Rosenheim dem Täter auf die Spur kommt und den Fall abschließen kann? 

mb

Quelle: rosenheim24.de

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