Am „Schicksalsfluss“ häufen sich die Probleme

Wurde an der Tiroler Ache zu massiv eingegriffen?

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Diskutierten beim Fachgespräch über aktuelle Probleme an der Tiroler Achen in Almau (v.l.): Josef Schiller, 1. Vorsitzender des Anglerbunds Chiemsee, Franz Vollmaier, Vorstand des Verbands Bayerischer Bienenzüchter, Josef Haiker vom Fischereiverband Oberbayern, Stimmkreisabgeordneter Klaus Steiner, Matthäus Michlbauer, Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands in Traunstein und Übersees Bürgermeister Marc Nitschke.

Übersee - Nach einer Reihe von Anfragen und Beschwerden in seinem Stimmkreisbüro hat MdL Klaus Steiner bei einem Vor-Ort-Termin im Überseer Ortsteil Almau ein Fachgespräch mit Fischern, Imkern, einem Vertreter der Landwirtschaft und Übersees Bürgermeister Marc Nitschke organisiert. Gespräche mit der Leitung des Wasserwirtschaftsamtes sollen folgen.

Eine unwirkliche Seenlandschaft, so weit das Auge reicht mit einer überfluteten Autobahn A8 zwischen Grabenstätt und Übersee: Welch zerstörerische Kraft die Wassermassen der Tiroler Achen entfalten können, zeigte sich zuletzt beim Katastrophenhochwasser im Jahr 2013. Inzwischen wurde viel für den Hochwasserschutz am „Schicksalsfluss“ des Achentals getan, der früher regelmäßig über die Ufer getreten ist. 

Für manchen stellt sich allerdings die Frage, ob bei den Abholzaktionen und Umbauten entlang der Uferdämme nicht zuviel des Guten getan wurde. „Bei uns im Stimmkreis-Büro häufen sich die Beschwerden, dass das Wasserwirtschaftsamt zu massiv in den natürlichen Bewuchs eingegriffen hat und es zu Problemen an der Tiroler Achen kommt“, schilderte der CSU-Landtagsabgeordnete Klaus Steiner die Ausgangslage für ein Gespräch mit Fachleuten. 

An der Brücke im Ortsteil Almau erläuterten Vertreter aus Fischerei, Bienenzucht und Landwirtschaft zusammen mit Übersees Bürgermeister Marc Nitschke, wo es derzeit hakt. 

„Dramatische Gewässererwärmung“ 

Auf die „dramatische Gewässererwärmung“ in einem heißen Sommer wie in diesem Jahr verwiesen Josef Haiker vom Fischereiverband Oberbayern und Josef Schiller, Vorstand des Anglerbunds Chiemsee. „Wir brauchen mehr Beschattungsflächen an der Tiroler Achen, etwa durch ufernahe Weiden“, forderten beide. Die wärmeempfindliche Bachforelle würde bereits in Seitenbäche ausweichen. Die beiden Fischer sprachen sich auch für mehr Ruhe- und Rückzugsräume für Fische und Kleinlebewesen in der durch Kanalisierung und Begradigung schnell dahinfließenden Tiroler Achen aus. Vorteilhaft seien ufernahe Steinschüttungen mit tieferen Gumpen, sogenannte Buhnen, Holzverbauungen mit Kehrwasser wie bei Raiten oder Totholzbereiche, in denen die Fische Unterschlupf finden können. Aktuell finde man in der Tiroler Achen neben der Forelle auch Äsche, Huchen und Weißfische im Unterlauf. 

Auf eine weitere besorgniserregende Entwicklung wies Josef Schiller hin. „Wir stellen fest, dass die Laichfähigkeit der Fische in der Tiroler Achen beständig abnimmt“. Er äußerte den Verdacht, dass möglicherweise Medikamentenrückstände im Flußwasser dafür verantwortlich sein könnten und fragte, inwiefern die entsprechenden Werte bei Routine-Untersuchungen des Wasserwirtschaftsamtes zur Wasserqualität berücksichtigt werden. „Studien aus Österreich deuten auf Zusammenhänge“, ergänzte Schiller. 

Zu wenig Nahrung für Bienen 

Franz Vollmaier, Vorsitzender des Verbands Bayerischer Bienenzüchter, kritisierte, dass durch die Beseitigung vieler Weiden mit ihren energiereichen Pollen am Achendamm gerade im Frühjahr das Nahrungsangebot für Bienen und Insekten massiv eingeschränkt worden sei. Die Blühstreifen entlang der Hauptstraßen würden aufgrund des für Bienen ungünstigen Fahrtwindes nur bedingt Ersatz bieten. Matthäus Michlbauer, Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands in Traunstein, erklärte, die Ausweisung von Blühstreifen am Waldrand durch die Landwirte könnte Entlastung bieten. 

Ebenso Anlass zur Kritik gaben die frühen und häufigen Mähintervalle an den Achendämmen durch das Wasserwirtschaftsamt, die das Absamen von Blühpflanzen verhindern und Bodenbrütern die Deckung nehmen, worauf Josef Haiker verwies. 

Die Öffnung bzw. Rückverlegung der Hochwasserschutzdeiche nördlich der Autobahn und am Rothgraben sprach Bürgermeister Marc Nitschke an. Lautete das ursprüngliche Ziel dabei, die Verlandung der Hirschauer Bucht zu verzögern, so geht es jetzt vornehmlich um die Ausweisung kleinerer Retentionsflächen für Überschwemmungen. „Mir geht es darum, dass die Interessen der Landwirte mit berücksichtigt werden“, merkte Klaus Steiner dazu an. Es gehe um die bestehenden Weiderechte in diesem Gebiet. Er habe von den zuständigen Behörden die Zusage, dass die Weideberechtigten in die laufenden Verhandlungen mit einbezogen würden. Aufgrund der extensiven Weidenutzung, die auch vor zu schneller Verbuschung schütze, seien weitere Gespräche mit dem Forstbetrieb Ruhpolding und dem Wasserwirtschaftsamt sowie den Weideberechtigten nötig. 

Probleme mit Gänsesäger 

Der Stimmkreisabgeordnete sagte zu, sich zu den angesprochenen Themen und Problemen mit der Leitung des Wasserwirtschaftsamtes Traunstein abzustimmen. Die Forderungen der Imker, den Achendamm naturnäher und bienenfreundlicher zu gestalten, halte er für berechtigt und nachvollziehbar. Gleiches gelte für die Forderung der Fischer, Rückzugsräume für die verschiedenen Fischarten zu schaffen, die in der Tiroler Achen besonders durch den Gänsesäger gefährdet seien. Steiner versprach, sich diesbezüglich mit der Leitung des Wasserwirtschaftsamtes Traunstein abzustimmen.

Axel Effner

Quelle: chiemgau24.de

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