Unter Drogen Sohn zu Drogendeal gefahren

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Rosenheim - Angeblich wollte er seine Freundin treffen. Jedoch chauffierte ihn sein Vater nicht zur Freundin nach Bad Tölz, sondern zum polizeilich überwachten Drogendeal.

"Papa, fahr mich doch bitte nach Bad Tölz, ich möchte meine Freundin treffen", bat der Sohn seinen Vater. Seit zwei Jahren lebte er beim geschiedenen Vater, nachdem er mit seiner Mutter nicht klar gekommen war. Der Rosenheimer, glücklich seinen Sohn zurück zu haben, bemühte sich ihm, wo er konnte, behilflich zu sein. Er wusste von der Freundin in Bad Tölz und fand nichts dabei, im August 2009 den Sohn dorthin zu chauffieren.

Keine Ahnung hätte der Angeklagte gehabt, dass der Sohn zuhause etwa 500 Gramm Haschisch hatte und es in Bad Tölz verkaufen wollte. So berichtete er vor dem Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Heinrich Loeber. Ebenso wenig habe er gewusst, dass die Freundin des 20-Jährigen zwei Tage vorher in die Türkei in Urlaub geflogen war. Schon gar nicht habe er gewusst, dass sein Sohn und dessen Kontaktmann einem verdeckten Ermittler aufgesessen waren und in Bad Tölz eine Falle lauerte. Er berichtete, er habe in Bad Tölz noch einen Bekannten seines Sohnes mitgenommen, worum dieser ihn gebeten habe.

Während der Sohn und dessen Bekannter Freunde am Tölzer Bahnhof treffen wollten, habe er sich einen Imbiss gekauft. Zurück beim Auto, hätten ihn die Jungs gebeten, noch einen anderen Parkplatz aufzusuchen, bevor sie zu der Freundin führen. Während die Burschen zu einem wartenden Auto gegangen seien, hätte er sich Autos angesehen, die zum Verkauf angeboten wurden.

Plötzlich sei er von Unbekannten überwältigt, zu Boden geworfen und mit Handschellen gefesselt worden: "Ich hab gedacht, ich bin in einem schlechten Film." Der inzwischen vom Jugendgericht verurteilte Sohn bestätigte die Angaben. Er habe verhindern wollen, dass sein Vater von seinen Drogengeschäften erführe.

Das Gericht betrachtete die Schilderung des Vaters deshalb kritisch, weil sich herausstellte, dass dieser bei der Fahrt selber unter Drogeneinfluss gestanden hatte: "Ja, ich habe am Vortag einen Joint geraucht." Er habe aber nicht gedacht, dass das noch am Folgetag Auswirkungen haben könne. Er gestand ein, dass er zu Hause einen Joint besäße. Von Beidem habe der Sohn nichts gewusst, da er nur selten und niemals im Beisein des Juniors Marihuana konsumiere.

In Lichte der Ereignisse waren diese Angaben zumindest anzweifelbar. Skepsis verbreiteten auch die Aussagen des Kontaktmannes, der im Auto mitgefahren war. Der hatte in seiner Aussage bei der Polizei erklärt: "Ich denke, dass der Vater mitbekommen hat, was da läuft." Die Polizei konnte aber eine Tatbeteiligung nicht zweifelsfrei nachweisen.

Ein Belastungszeuge erklärte, dass er sich an eine Tatbeteiligung des Vaters nicht entsinnen könne und jener sicher unwissend dabei gewesen sei. Zweifel an der Tatbeteiligung des Vaters waren letztlich nicht auszuräumen. So reduzierte der Staatsanwalt die Anklage auf den Besitz von Haschisch in geringer Menge und die Autofahrt unter Drogeneinfluss. Er beantragte eine Geldstrafe von 1700 Euro inklusive einem begrenzten Fahrverbot.

Dem stimmte im Grundsatz auch der Verteidiger, der Rosenheimer Rechtsanwalt Hans Sachse zu. Da seinem Mandanten damit unrechtmäßig das Fahrzeug beschlagnahmt worden sei, müsse eine deutlich niedrigere Geldstrafe angesetzt werden. Das Gericht stimmte dem zu und verhängte eine Gesamtstrafe von 1300 Euro zuzüglich eines einmonatigen Fahrverbotes, was den Angeklagten auf die Gefahren des Drogenmissbrauchs und an seine Vaterpflichten erinnern solle.

au/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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