Ingolstädter Landgericht

Urteil im Geiselnahme-Prozess fällt am Montag

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Der Geiselnehmer wird von einem Beamten in den Gerichtssaal geführt.

Ingolstadt - Im Ingolstädter Geiselnahme-Prozess soll am Montag ein Urteil fallen. Der Angeklagte hatte im Ingolstädter Rathaus vier Menschen stundenlang als Geiseln festgehalten.

Im  Prozess um die spektakuläre Geiselnahme vor 15 Monaten im Rathaus von Ingolstadt wird an diesem Montag nach zehn Verhandlungstagen das Urteil verkündet. Der Angeklagte hatte zu Prozessbeginn im September gestanden, zwei Frauen und zwei Männer stundenlang als Geiseln genommen zu haben. Das Geiseldrama war am 19. August 2013 nach stundenlangem Nervenkrieg von einem Sondereinsatzkommando beendet worden. Die Polizisten befreiten die Opfer und schossen den mit einer Pistolenattrappe und einem Messer bewaffneten Täter nieder.

Opfer leidet noch heute

Einem der Opfer hatte der Angeklagte zuvor jahrelang nachgestellt. Die Frau leidet noch heute darunter, unter Tränen schilderte sie vor Gericht ihre Todesängste während der Geiselnahme. Mit der Pistole in der Hand habe der Angeklagte sie immer wieder bedroht: „Es wird ein blutiges Ende geben“, erinnerte sich die 26-Jährige vor Gericht an die Worte des Geiselnehmers. In Telefonaten mit der Polizei habe der Mann gedroht, sie zu erschießen. Die junge Frau leidet seitdem unter Schlafstörungen und ist in nervenärztlicher Behandlung.

Auch der 3. Bürgermeister von Ingolstadt, Sepp Mißlbeck, schilderte als eine der vier Geiseln die dramatischen Stunden von damals. „Alter Mann, du bist der erste, der eine Kugel in den Kopf bekommt“, habe der Angeklagte ihm gesagt. Er sei um Deeskalation bemüht gewesen, sagte Mißlbeck. „Ich habe versucht, den ruhigen älteren Herren zu spielen.“ Noch vor dem SEK-Einsatz ließ der Geiselnehmer den Bürgermeister und eine der beiden Frauen gehen.

Angeklagter stammt aus einer zerrütteten Familie

Als Tatmotiv des Geiselnehmers gilt, dass der 25-Jährigen über ein Hausverbot im Rathaus verärgert war. Er drei Wochen vor der Geiselnahme wegen Stalkings, Hausfriedensbruchs, Beleidigung und Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe von 20 Monaten verurteilt worden.

Erst am letzten Verhandlungstag des Geiselnahme-Prozesses brach der Angeklagte sein Schweigen zu den Tatvorwürfen. Er sei damals mit dem Vorsatz ins Rathaus gekommen, ein Entschuldigungsschreiben für ihm von Behörden angeblich zugefügtes Unrecht einzufordern. Er schilderte seine schwierige Kindheit in einer zerrütteten Familie. Vom eigenen Vater sei er sexuell missbraucht worden, sagte er vor dem Landgericht Ingolstadt aus. Seine Gemütslage vor der Geiselnahme beschrieb er so: „Ich bin reinmarschiert, habe geblufft, gepokert und verloren.“

Angeklagter fordert höhere Strafe als sein Anwalt

Der Staatsanwalt beantragte im Geiselnahme-Prozess am Montag zehneinhalb Jahre Haft , die Verteidigung plädierte auf sechseinhalb Jahre. Der Geiselnehmer selbst ergriff am Ende noch einmal das Wort. Überraschenderweise schlug er mit sieben Jahren Gefängnis eine höhere Strafe als sein Verteidiger vor. Da Gutachter dem Angeklagten bei überdurchschnittlicher Intelligenz eine „dissoziale Persönlichkeitsstörung“ bescheinigten, ist es durchaus möglich, dass das Gericht den Geiselnehmer nicht ins Gefängnis, sondern in eine Nervenklinik schickt. Der Angeklagte selbst hofft nicht darauf: Er wolle nicht in die geschlossene Abteilung einer psychiatrischen Klinik eingewiesen werden, bat er.

dpa

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