Urteil im Schläger-Prozess gegen Fußballspieler gefallen

Angeklagter M. muss ins Gefängnis!

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Die Verhandlung fand im Amtsgericht in Rosenheim statt.
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Rosenheim - Im Prozess um den niedergeschlagenen Fußball-Schiedsrichter hat das Amtsgericht am Mittwoch die Urteile gefällt: Ein Freispruch und eine Gefängnisstrafe ohne Bewährung! **Neu: Video**

Nach den Urteilen am Landgericht in Rosenheim, stand der Richter Heinrich Loeber Rede und Antwort zu Fragen über den Prozess.

Richter Heinrich Loeber im Gespräch

UPDATE 16.20 Uhr:

Nach einer kurzen Beratungspause sind im Amtsgericht soeben die Urteile gesprochen worden:

Der Angeklagte K. wurde - wie von Staatsanwaltschaft und Verteidigung gefordert - frei gesprochen. Der Angeklagte M. wurde zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und zwei Monaten ohne Bewährung sowie einem Schmerzensgeld von 15.000 Euro verurteilt!

Die Urteilsbegründung:

Im Fall des Angeklagten M. hätten das Gericht vor allem drei Zeugenaussagen überzeugt. Ein erster Zeuge habe wortwörtlich gesagt: "Der Angeklagte hat dem Schiedsrichter mit der Faust ins Gesicht geschlagen." Ein zweiter Zeuge habe wortwörtlich gesagt: "Der Angeklagte hat dem Schiedsrichter eine verpasst." Vor allem sei aber auch die Aussage des Trainers des ESV entscheidend gewesen, der sich zu 70 Prozent sicher gewesen sei, den Angeklagten bei den Schlägen erkannt zu haben. Das Gericht sei demnach überzeugt, dass der Angeklagte M. zugeschlagen und für die Verletzungen beim Schiedsrichter verantwortlich sei.

Beim Strafmaß ging das Gericht nicht von einer schweren, sondern nur von einer vorsätzlichen Körperverletzung aus, da das Gericht davon ausgeht, dass der Verlust des Augenlichts nicht dauerhaft gegeben sein wird. Das Gericht verurteilte M. daher zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten ohne Bewährung sowie einem Schmerzensgeld von 15.000 Euro!

Unter gewissen Voraussetzungen könne das Gericht bei einer Haftstrafe zwischen einem und zwei Jahren die Bewährung verwehren, so Richter Heinrich Loeber gegenüber rosenheim24.de. Demnach habe Loeber ein vollständiges Geständnis sowie ein angemessenes Angebot an Schmerzensgeld vermisst.

UPDATE 15.50 Uhr:

Pünktlich um 14 Uhr wurde der Prozess fortgesetzt. Ohne weitere Zeugen zu hören hielten sowohl die Staatsanwaltschaft, der Vertreter der Nebenklage als auch die Verteidiger ihre Plädoyers:

Plädoyers der Staatsanwaltschaft:

Zunächst kam die Staatsanwaltschaft zu Wort und musste eingestehen, dass sich der Tatvorwurf gegen den Angeklagten K. nicht bestätigt habe. K. habe sich in der Kabine oder am Spielfeldrand aufgehalten, so die Staatsanwaltschaft, nicht aber im Tumult. Der einzige Zeuge, der K. anhand seiner Rückennummer gesehen haben will, müsse sich getäuscht haben. Die Staatsanwaltschaft forderte für den Angeklagten K. daher einen Freispruch.

Der Tatvorwurf gegen den Angeklagten M. habe sich laut Staatsanwaltschaft allerdings bestätigt. Sie gehe von zwei heftigen Schlägen ins Gesicht des Schiedsrichters aus. Diese zwei Schläge hätten auch zu den Verletzungen und den psychischen Störungen beim Opfer geführt, so die Staatsanwaltschaft. Sowohl der Geschädigte als auch drei weitere Zeugen hätten die Schläge bestätigt.

Auch wenn der Verlust des Augenlichts beim Schiedsrichter nicht dauerhaft sein wird und man sich - laut Staatsanwaltschaft - aus diesem Grund an der Grenze zur schweren Körperverletzung befinden würde, fordert sie eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten ohne Bewährung!

Plädoyers der Nebenklage:

Der Vertreter der Nebenklage (des Opfers) schloss sich der Staatsanwaltschaft an, fügte aber hinzu, dass es zu einem angemessenen Schmerzensgeld kommen müsse.

Pädoyers der Verteidiger:

Bei den Plädoyers der Verteidiger kam zunächst der Anwalt des  Angeklagten K. zu Wort. Er forderte wie die Staatsanwaltschaft Freispruch für seinen Mandanten, da sich der einzige Zeuge, der seinen Mandanten beschuldigt habe, geirrt haben müsse.

Die Ausführungen des Verteidigers des Angeklagten M. waren schließlich etwas umfangreicher. Nachdem er dem Opfer ein Schmerzensgeld in Höhe von 1000 Euro anbot, sprach er von "anderen Gesetzen im Fußball". Anhand einer Gruppendynamik könnten demnach Emotionen schon einmal hochkochen und unbescholtene Familienväter in einer Art und Weise reagieren, die man von diesen eigentlich nicht kennen würde. Der Verteidiger griff auch die Medien an, die mit ihrer einseitigen Berichterstattung seinen Mandanten bereits vorverurteilt hätten.

Letztendlich musste der Verteidiger des Angeklagten M. aber eingestehen, dass der Vorfall als Körperverletzung zu verurteilen sei. Sein Mandant habe ein Schubsen eingestanden, die Verletzungen würde dieses Schubsen aber nicht erklären. Vielmehr habe der einzige unbeteiligte Zeuge die Nummer 15 gesehen, die auf den Schiedsrichter eingeschlagen habe, sein Mandant hätte aber die Nummer 11 gehabt.

Letztendlich forderte der Verteidiger eine milde Strafe, da sein Mandant ein nicht vorbestrafter Familienvater sei, er ein Geständnis abgelegt habe und er dem Opfer auch eine Entschuldigung angeboten habe, das Opfer habe diese Entschuldigung allerdings nicht angenommen.

Das letzte Wort

Der Angeklagte M. hatte schließlich das letzte Wort: "Es tut mir leid, dass ich falsch gehandelt habe. Aber nach wie vor: Ich habe ihn nur geschubst!"

Der Vorbericht

Nachdem am ersten Prozesstag bereits 25 Zeugen im Fall des verletzten Schiedsrichters aus Rosenheim gehört wurden, wird das Urteil gegen die beiden mutmaßlichen Schläger am Mittwoch Nachmittag erwartet.

Der erste Prozesstag in der Zusammenfassung

Am Dienstag fand unter dem Vorsitz von Richter Heinrich Loeber der Prozessauftakt gegen drei Spieler des FC Iliria wegen gefährlicher Körperverletzung statt. Bereits zu Beginn der Verhandlung gestand einer der Angeklagten, ein 25-jähriger Maschinenführer, den Angriff auf den Trainer des ESV Rosenheim. Bei dem Tritt in dessen Bauch zog sich der Coach des ESV eine Rippenprellung und eine Leberprellung mit erheblichen Schmerzen zu. In einem Vergleich verplichtete sich der gebürtige Kosovare, dem Geschädigten eine Summe von insgesamt 2000 Euro in monatlichen Raten als Schmerzensgeld zu zahlen. In einem abgetrennten Verfahren wurde er anschließen zu einer Bewährungsstrafe von sieben Monaten verurteilt.

Die zwei weiteren Angeklagten, ein 37-Jähriger und ein 25-Jähriger, stritten die gegen sie erhobenen Vorwürfe vor Gericht ab. Der 37-jährige M. gab an, den Schiedsrichter lediglich "im Gesicht geschubst" zu haben, nicht aber mit den Fäusten geschlagen zu haben. Der zweite Angeklagte, der 25-jährige K. erklärte, zum Zeitpunkt der Tumulte auf dem Feld, dieses bereits verlassen zu haben und in der Kabine gewesen zu sein. Die Aussage des angeklagten K. wurde im Folgenden von einer Vielzahl der Zeugen bestätigt. Lediglich ein Zuschauer, der am Dienstag als Zeuge geladen war, gab an, den Angeklagten K. anhand seiner Rückennummer im Getümmel gesehen zu haben. Dabei soll er einen Faustschlag gegen die linke Seite des Gesichts des Schiedsrichters ausgeführt haben.

Zum Verhalten des Angeklagten M. machten die 25 Zeugen sehr unterschiedliche Angaben. Die Mehrheit der Spieler beider Mannschaften, die am Dienstag Nachmittag als Zeugen geladen waren, gaben an, zum Vorwurf keine Aussage machen zu können, Spieler M. hätten sie nicht gesehen oder bemerkt. Einige Zeugen sagten vor Gericht jedoch aus, dass der 37-jährige M. nach dem Abpfiff auf den Schiedsrichter losgestürmt sei und diesen angegangen haben soll.

Der Schiedsrichter erlitt schwere Verletzungen

Die Sehfähigkeit des Geschädigten habe sich auf dem linken Auge mittlerweile so sehr verschlechtert, dass man von einer "funktionellen Einäugigkeit" ausgehen müsse, so der Vertreter der Nebenklage. Weiter zog sich der Schiedrichter einen Kieferbruch und eine Zerfetzung des Trommelfells auf der linken Seite zu. Im Nachgang des Fußballspiels sei der Schiedsrichter zudem massiv bedroht worden, teilweise sogar in schriftlicher Form. Diese Bedrohungen führten zu psychischen Beschwerden wie Angstzuständen, Depressionen und Schlafstörungen. Der Geschädigte befinde sich seitdem in therapeutischer Behandlung.

Der Sachverständige Prof. Dr. Michael Ulbig hatte höchst Interessantes zu berichten: "Hier liegt eine sehr seltene, psychogene Blindheit vor!" Aufgrund seiner Untersuchungen konnte Prof. Ulbig feststellen, dass es im Augenbereich des Opfers zwar Prellungen gegeben hatte, diese hätten aber keine bleibenden Schäden zur Folge gehabt. Der Sachverständige geht von einer psychischen Sehstörung aufgrund eines seelischen Traumas aus. "Der Patient hat aber selbst den Eindruck, dass er nichts sieht", so Prof. Ulbig, der Patient sei auch kein Simulant. Die Sehstärke könne man laut Ulbig wieder herstellen, dies aber nur mit langwieriger Hilfe von Psychotherapie.

rosenheim24.de ist auch beim zweiten Verhandlungstag vor Ort und berichtet ab 14 Uhr aus dem Gerichtssaal in Rosenheim.

Quelle: rosenheim24.de

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