Verbesserungen im ÖPNV diskutiert

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Rosenheim - Der Kreistag diskutierte den aktuellen Sachstandsbericht zum Thema Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV).

Verbesserungen im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu erreichen ist eine Angelegenheit, die viel Geduld verlangt. Das wurde am Mitttwoch im Rosenheimer Kreistag erneut deutlich, als Hans Zagler, einer der beiden Geschäftsführer der Rosenheimer Verkehrsgesellschaft (RoVG) seinen jährlichen Sachstandsbericht vorstellte.

Übereinstimmend beklagen alle Busunternehmer leicht sinkende Fahrgastzahlen im ländlichen Raum. Wesentliche Stütze des ÖPNV bleibt in diesem Bereich die Schülerbeförderung. Über die Gründe konnte Zagler nur spekulieren. Er vermutet, dass in den meisten Seniorenhaushalten ein Auto vorhanden ist und zudem, im Unterschied zu früher, auch ältere Frauen einen Führerschein haben.

Die Bedeutung der Schülerbeförderung für den Busverkehr auf dem Lande spürt ganz besonders die Gemeinde Babensham. Damit im August überhaupt noch ein Bus fährt, finanziert der Landkreis täglich eine Fahrt von Babensham nach Wasserburg und zurück. Andere Lösungen, wie der Einsatz eines Kleinbusses, scheitern am Aufwand oder an den hohen Kosten. Zagler brachte hier als mögliche Alternative einen Bürgerbus ins Spiel. Im Landkreis gibt es bisher ein Beispiel, dass eine von ehrenamtlichen Fahrern betriebene Linie funktionieren kann. Nordwestlich des Chiemsees verbindet der Bürgerbus neun Gemeinden. Ein ähnliches Projekt wird möglicherweise im Priental verwirklicht. Erste Gespräche fanden bereits statt.

Rund um Rosenheim können die Bürgerinnen und Bürger, zumindest wochentags, auf ein gutes Angebot im Öffentlichen Personennahverkehr zugreifen. Auf der Verbindung von Stephanskirchen nach Rosenheim konnte nach langwierigen Verhandlungen jetzt eines der wichtigsten Projekte im Busbereich zum Abschluss gebracht werden. Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember wird auf Sdieser Strecke ein minutengenauer Stundentakt eingeführt. An den notwendigen Mehrkosten wird sich neben der Rosenheimer Verkehrsgesellschaft auch die Gemeinde Stephanskirchen beteiligen.

Bewegung gibt es auch auf der von mehreren Unternehmen bedienten Strecke Kolbermoor – Rosenheim. Die Stadt Kolbermoor erstellt derzeit ein Konzept für eine Neugestaltung des Stadtverkehrs. Das bereits vorhandene Angebot muss dabei berücksichtigt und integriert werden. In diesem Zusammenhang könnte auch in die seit längerem vergeblich geführten Verhandlungen über eine gegenseitige Anerkennung der Zeitkarten durch die Busunternehmer wieder Schwung kommen.

Im Oktober werden die Nachtbusse im Mangfall- und im Inntal gewürdigt. Beide Linien bestehen nämlich schon seit 20 Jahren. Erfreulich entwickelt sich der erst seit Januar 2010 betriebene Nachtexpress Albaching – Forsting – Pfaffing – Edling – Wasserburg. Im Vergleich zum Vorjahr verdoppelten sich die Fahrgastzahlen im ersten Halbjahr dieses Jahres fast. Ein neues Projekt startet Ende September. Die Gemeinden Rimsting, Prien, Bernau und Aschau werden an den Nachtbus nach Traunstein angebunden.

Unklar ist die Zukunft der Wendelstein-Ringlinie. Auch nach 12 Jahren Betrieb benötigt diese Linie weiterhin erhebliche Zuschüsse. Bis Ende des Jahres soll eine Entscheidung fallen. Erfreulicher waren Zaglers Nachrichten zur Chiemsee-Ringlinie. Hier sollen nach Möglichkeit noch in diesem Jahr die letzten Bushaltestellen im Landkreis Rosenheim barrierefrei umgestaltet werden.

Das Ziel der Rosenheimer Verkehrsgesellschaft, den von allen Busunternehmern genutzten Streckentarif durch einen Wabentarif zu ersetzen, konnte auch im vergangenen Jahr nicht erreicht werden. Einige Unternehmen weigern sich beharrlich, den Wabentarif zu übernehmen, weil sie unter anderem befürchten, ein Teil ihrer Selbstständigkeit aufgeben zu müssen. Aber auch die Landkreise Rosenheim und Traunstein, in deren Gebiet der Wabentarif eingeführt werden soll, können mit dem derzeitigen Entwurf nicht einverstanden sein. Der Geschäftsführer der Rosenheimer Verkehrsgesellschaft kritisierte beispielsweise die Linienführung im Wabenplan, die seiner Meinung nach, nicht immer logisch nachvollziehbar sei.

Ende dieses Jahres übernimmt die SüdostbayernBahn von DB Regio die Bahnlinie Prien – Aschau. Die Rosenheimer Verkehrsgesellschaft hofft, dass danach eine kostenfreie Mitnahme von Fahrrädern auf dieser Strecke organisiert werden kann. Die SüdostbayernBahn ist das einzige Verkehrsunternehmen, das gegen eine Pauschalzahlung bereit ist, Fahrräder in den Nahverkehrszügen kostenfrei mitzunehmen. Bisher besteht dieses Angebot nur auf den Strecken Rosenheim – Wasserburg – Mühldorf sowie Wasserburg – Forsting. Skeptisch ist Zagler, was die Zukunft der kostenlosen Fahrradbeförderung anbelangt. Der französische Konzern Veolia, der ab Dezember 2013 den Schienenverkehr in der Region betreiben wird, zeigte bei einer ersten Kontaktaufnahme kein großes Interesse an diesem Thema. Ganz grundsätzlich plant Veolia aber eine ganze Reihe von Verbesserungen im Schienenpersonennahverkehr.

Zum Schluss berichtete Hans Zagler noch von einigen Infrastrukturprojekten in der Region. Der neue Haltepunkt Bruckmühl/Hinrichssegen an der Mangfalltal-Bahn soll im Herbst kommenden Jahres errichtet werden. Der Haltepunkt „Rosenheim/Hochschule“ an der Strecke Rosenheim – Wasserburg dagegen verzögert sich um ein Jahr. Grund ist eine Vorschrift der Europäischen Union, wonach auf Ausweichstrecken des Transeuropäischen Netzes geprüft werden muss, ob die Strecke auch von ausländischen Zügen befahren werden kann. Der Bau des Kreuzungsbahnhofes Steinhöring wird 2013 ausgeführt. Er ist Voraussetzung für einen Stundentakt auf der Strecke Wasserburg – Ebersberg. Ab Dezember wird der RailJet, das österreichische Gegenstück zum deutschen ICE, auf seiner Fahrt von München über Wien nach Budapest sowohl bei der Hin- als auch bei der Rückfahrt in Rosenheim anhalten.

Pressemitteilung Landratsamt Rosenheim

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © Kroiss GmbH&Co KG

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