Vereinsumzug hilft der Firma Krones

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In die Tennisanlage an der Pürstlingstraße zieht die Tennisabteilung des Post-Telekom-Sportvereins um. Die bestehenden 21 Tennisplätze werden dann von den drei Vereinen TSV 1860, Sportbund DJK und PTSV gemeinsam genutzt. In der gekennzeichneten Wiese wird das neue Vereinsheim gebaut.

Rosenheim - Der Post-Telekom-Sportverein (PTSV) zieht aus dem Aichergelände an die Pürstlingstraße um. Nur so ist eine Erweiterung der Firma Krones am Standort Rosenheim möglich.

Das Vereinsgelände wird zum Mitarbeiterparkplatz.

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Noch in diesem Herbst nimmt der Verein Abschied von seinem Sportgelände an der Georg-Aicher-Straße. Er ist ab Frühjahr 2012 neuer Nachbar der beiden großen Sportvereine TSV 1860 und Sportbund/DJK an der Pürstlingstraße. „Dort bauen wir auch ein Vereinsheim – das ist nicht nur Tennisheim“, betont erster Vorsitzender Walter Gigler, um einen Schlusspunkt hinter alle dementsprechende Gerüchte zu setzen.

Ein Blick in die Geschichte des 1958 gegründeten Vereins erhellt die Hintergründe des Umzugs. 1980 baute der Post-Telekom-Sportverein im Aichergelände fünf Tennisplätze und eine Stockbahn, auf einem Grundstück, das der Post gehörte. Das war damals ganz normal: Die Post kümmerte sich auch um soziale Zwecke ihrer Beschäftigten. Dann kam die Privatisierung und damit die Begehrlichkeit der Bundesanstalt für Post und Telekommunikation, die das Grundstück zu Geld machen wollte. Der Verein hätte sich den Kauf nicht leisten können. Doch die Stadt änderte mit einem geschickten Schachzug den Flächennutzungsplan. Ende der 90er-Jahre erklärte sie das im Gewerbegebiet liegende Gelände offiziell zur Sport- und Freizeitfläche, was den Verkaufspreis minderte. So waren die Sportler 2001 in der Lage, als Käufer aufzutreten. Allerdings blieben sie eingeschnürt von gewerblicher Nutzung, und es gab kaum Parkplätze. "Man findet euch nicht, und parken kann man auch nicht", klagten Besucher.

Tennis ist einer der Schwerpunkte im Verein. Es gab Zeiten, als sich bundesweit wegen der sportlichen Erfolge von Boris Becker und Steffi Graf viele einen Tennisschläger unter den Arm klemmten, um den beiden nachzueifern. Von damals geblieben ist eine große Zahl von Tennisplätzen, auf denen die Bälle längst nicht mehr so häufig fliegen.

"Brauchen wir wirklich an der Pürstlingstraße noch 21 Tennsplätze für zwei Vereine?", fragte man sich deshalb bei der Stadt. Und die Antwort lautete: "Nein". Im Hintergrund stand aber vor allem der Wunsch der Firma Krones, an der Äußeren Münchener Straße ein Logistikzentrum zu bauen. Das florierende Unternehmen kann nur erweitern, wenn es dafür den Mitarbeiterparkplatz nutzt. Und wo sollen die Beschäftigten ihre Autos abstellen? Das einzige Grundstück, das dafür in Frage kommt, liegt auf der anderen Seite des Kanals - das Gelände des PTSV.

Dies war schließlich der letzte Anstoß, der den PTSV mit seinen 550 Mitgliedern nun an die Pürstlingstraße führt. Mit dem Verkauf des Grundstücks an die Firma Krones kann der Verein ein neues Vereinsheim bauen, die Firma Krones kann erweitern, und alle sind glücklich? "Na ja, so einfach war das nicht", räumt Walter Gigler als Erster Vorsitzender des PTSV ein. Da habe es schon auch Widerstände im Verein gegeben, und TSV und Sportbund waren nicht unbedingt begeistert. Immerhin muss jeder der beiden "Platzhirsche" an der Pürstlingstraße zwei Tennisplätze an den neuen Nachbarn abgeben. Inzwischen habe man aber einen guten Weg des Miteinander gefunden, versichert Zweiter Vorsitzender Manfred Kleibel.

Stadt und Verein loben sich gegenseitig. Wirtschaftsdezernent Thomas Bugl sagt, ohne die entgegenkommende Haltung des Vereins könnte Krones am Standort Rosenheim nicht erweitern, und der Verein ist auf der anderen Seite sehr zufrieden mit der Hilfestellung der Stadt. Zwar hat der PTSV nun kein eigenes Gelände mehr, aber mit der Stadt als Verpächterin fühlen sich die Sportler abgesichert. Diese Konstruktion hat sich auch schon beim TSV 1860 und beim Sportbund bewährt.

Endlich Platz für die Geschäftsstelle

Das alte Vereinsheim im Aichergelände war ohnehin zu klein. Das neue, behindertengerechte Heim, das ganzjährig genutzt wird, bietet für die Aktivitäten des Vereins wesentlich mehr Möglichkeiten. Endlich ist Platz für die Geschäftsstelle, die bisher in einer Privatwohnung untergebracht war. Der Mehrzweckraum mit 90 Quadratmetern steht für Gymnastik, Mutter-Kind-Turnen und andere Sportarten zur Verfügung, aber auch die Jahreshauptversammlung lässt sich dort abhalten. Mit einer kleinen Teeküche ist die Grundversorgung möglich. "Es wird aber keine Gastronomie geben", beruhigen die Vorstände Wirte in der Umgebung, die schon geschäftliche Einbußen fürchteten.

Die Nähe zur Wohnbebauung - für den Verein eigentlich eine gute Sache, weil neue Mitglieder aus Egarten, Fürstätt und Küpferling zu gewinnen sind - war zeitweise ein Problem. Die ersten Planungen führten zu Protesten in der Bruneckerstraße. Inzwischen ist das Vereinsheim um rund 100 Meter nach Norden gerückt, die Zufahrt erfolgt von der Pürstlingstraße aus. Besonders attraktiv ist die Lage für die sehr aktiven Läufer des PTSV: Der Keferwald liegt gleich nebenan.

Die Schachspieler haben sich für den Winter Ausweichquartiere gesucht. Auf das neue Heim freuen sich auch schon die Mitglieder aus den Sparten Badminton, Eishockey, Fitness und Gymnastik. Nur die Stockschützen müssen sich verabschieden - für eine Stockbahn ist kein Platz.

Zum Beginn der Tennissaison im nächsten Jahr soll das Heim fertig sein. Vorher will der PTSV die benachbarten Vereine einladen, um sich am neuen Standort vorzustellen und offene Fragen zu beantworten. "Und dann hoffen wir auf ein kooperatives, sportlich freundschaftliches Verhältnis", heben Gigler und Kleibel hervor, "und da sind wir ganz optimistisch."

re/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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