Viele Fälle im Münchner Umland - Weitere Beispiele gesucht

Gift-CDs, IS-Drohbriefe? So schüren Fake-News den Hass

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Warnungen vor vergifteten CD-Hüllen kursieren im Münchner Umland, sind aber frei erfunden.

München - Vergiftete Koran-CDs in Briefkästen: Das ist die neueste, aber längst nicht die einzige Falschmeldung, die in München und Umland kursiert. Ein Überblick, der sprachlos macht.

Seit Wochen hält sich hartnäckig ein fieses Gerücht, das über WhatsApp verbreitet wird: Angeblich werden Gratis-Weihnachts-CDs in Briefkästen geworfen, die jedoch in Wirklichkeit Korantexte enthalten und mit Gift versehen sind, das die Atemwege lähmt. An der Sache ist rein gar nicht dran, dennoch verbreitete sie sich vor allem im Raum Weilheim und Rosenheim massenhaft.  In Weilheim hält die Falsch-Meldung die Polizei am Freitag immer noch auf Trab. Es gebe etliche Rückfragen, teilte die Inspektion mit.

Das ist nicht die einzige Falsch-Meldung, die im Münchner Umland bewusst verbreitet wurde, um Hass auf bestimmte Bevölkerungsgruppen zu schüren - allen voran auf Flüchtlinge.  Wie untenstehende Karte zeigt, kursierten in vielen Orten in München und Oberbayern schon Fake-News, die gezielt über soziale Netzwerke verbreitet wurden.

Afrikaner pinkeln an Kirche? Falsch!

Auf Facebook erregte jüngst ein Foto die Gemüter, das angeblich sechs Dunkelhäutige zeigt, die an die Mauer der Kirche St. Gertrud am Harthof in München urinieren. Doch nein - die Eritreer bieselten nicht, sie beteten! In den Köpfen vieler Menschen, die den Hintergrund des Fotos nicht genauer verfolgten, bleibt es aber wohl bei der Pinkel-Version.

Und dann geisterte dann noch der angebliche Brief des Sozialreferats durch die sozialen Medien, adressiert an Senioren in München. Sie werden darin aufgefordert, Wohnraum für Flüchtlinge zu Verfügung zu stellen - und damit eine Beschlagnahmung zu umgehen. Völliger Unsinn und fiese Hetze gegen Flüchtlinge, erklärte die Stadt München. Auch in Wolfratshausen kursierte in den sozialen Netzwerken das Gerücht, ein Ehepaar müsse nach Jahrzehnten ihre Wohnung für Flüchtlinge räumen.

Beliebtes Gerücht: Flüchtlingen geht es „zu gut“

Gerüchte, dass es Flüchtlingen „zu gut“ geht und die restliche Bevölkerung den Kürzeren zieht, sind der Renner unter den Falschmeldungen. Für große Aufregung in den sozialen Medien sorgte im Januar ein Bild, das eine angebliche Bordell-Freikarte für Flüchtlinge zeigt, die diese vom bayerischen Sozialamt erhalten. Im Tegernseer Raum wurde zigfach ein Foto geteilt, auf dem Asylbewerber scheinbar Kleidung wegwerfen, die sie gespendet bekommen haben. Damit sollte der Eindruck von undankbaren und unverschämten Asylbewerbern gestreut werden. Das Portal „Mimikama“, das sich dem Enttarnen solcher Falschmeldungen verschrieben hat, deckte jedoch auf, dass das Bild von einer Kleidersammlung für Rumänien stammt. Ebenfalls im Raum Tegernsee geisterte die haarsträubende Falsch-Meldung durchs Internet, die Polizei habe den Tod eines Pakistani im Flüchtlingsheim vertuscht, sogar angebliche Beweis-Fotos von der Leiche und vom Sarg wurden geteilt.

Asylbewerber bekommen Markenkleidung und plündern Christbäume

In Traunstein machte eine gefakte WhatsApp-Nachricht die Runde, wonach ein Mädchen in einer Unterführung von einem Flüchtling vergewaltigt worden sei, die Polizei den Fall jedoch vertusche. Blanker Unsinn. Eine Facebook-Userin aus Schongau verbreitete via Facebook das Gerücht, das Landratsamt zahle Flüchtlingen teure Markenkleidung. Alles nur ausgedacht. Bis nach Oberbayern schwappte über die sozialen Netzwerke auch ein Video, das scheinbar Muslime dabei zeigt, wie sie in einem Bremer Einkaufszentrum einen Christbaum plündern. Das Video stammte jedoch aus Ägypten und hatte einen völlig harmlosen Hintergrund.

Gefälschte Meldung über IS-Drohbrief verbreitete sich massenhaft

Für Angst und Schrecken im Kreis Rosenheim sorgte die Nachricht über einen IS-Drohbrief an eine Realschule in Brannenburg. Angeblich stammte sie von unserem Partnerportal rosenheim24.de. Doch in Wahrheit war die Meldung ein Dumme-Jungen-Streich, ein Schüler hatte sie sich ausgedacht.

Ach ja, und dann wäre dann natürlich noch die Verschwörungstheorie, dass die Bundesregierung über den Münchner Flughafen nachts heimlich Flüchtlinge einschleust. Rechte Kreisen verbreiteten diese Legende über Facebook und Co., dahinter steckte: rein gar nichts.

Fake-News nach dem Amoklauf in München

Nicht immer sind Asylbewerber die Opfer von Falschmeldungen. In Erinnerung geblieben sind auch diegefälschten Meldungen, die sich nach dem Amoklauf im OEZ in München via Facebook und WhatsApp verbreiteten. Rasend schnell machte das Gerücht die Runde, dass auch Schüsse am Stachus fielen. Außerdem kursierte ein Foto, das beweisen sollte, dass der Mann, der vorm McDonalds geschossen hatte, völlig anders aussah als der, den die Polizei niedergestreckt hatte. Der wahre Täter lebe demnach noch oder es gebe zwei Täter. Dabei stammte eines der Bilder von einem völlig anderen Polizeieinsatz. Während und nach dem Amoklauf ging außerdem ein Bild viral, dass mehrere Tote in einem Einkaufszentrum zeigte - angeblich Opfer des Amoklaufs im OEZ. Das Foto war ein Fake und stammte aus Südafrika. 

Hetze nach der Bluttat in Grafing

Auch nach der Bluttat am Grafinger Bahnhof, wo ein geistig Verwirrter mit einem Messer wahllos auf vier Menschen einstach, kursierten mehrere Fake-Meldungen. Im Netz wurde ein gefälschter Zeitungsartikel verbreitet, nach dem ein weiterer Täter in Hessen festgenommen worden sei - alles erlogen. Bloße Hetze war auch die Behauptung im Netz, die Polizei vertusche den wahren Namen des Täters, um zu verheimlichen, dass es kein Deutscher gewesen sei. 

Apokalypse-Geräusch über München: Alles inszeniert

Manchmal entspringen Fake-News auch einfach nur der Phantasie eines einzelnen Internet-Users, der besonders „witzig“ sein will. Tausende Male auf Facebook geteilt wurde zum Beispiel die Suchmeldung über eine entlaufene Vogelspinne im Münchner Stadtteil Neuhausen. Ein einzelner Facebook-User dachte sich außerdem die Meldung aus, McDonalds senke die Preise. Hunderttausende teilten seine erfundene Nachricht. Und manchmal sind Fake-News inszeniert: Die Sendung „Galileo“ verbreitete im Netz das Video eines unheimlichen Geräuschsüber Schwabing, das tagelang für Rätselraten in der Stadt sorgte. Die Aktion sollte zeigen, wie leicht Menschen auf Falschmeldungen hereinfallen - und war ein Volltreffer.

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