Gefängnis für Verleumdungen im Internet

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Rosenheim/Traunstein - Eine Rosenheimerin soll mit einer fingierten E-Mail-Adressen abenteuerliche Verdächtigungen verschickt haben. Jetzt droht ihr dafür sogar Gefängnis.

Jetzt wird es für eine Rosenheimerin (48) eng. Denn wenn das Landgericht Traunstein die Urteile des Amtsgerichts Rosenheim bestätigt, muss sie wohl für zwei Jahre und vier Monate ins Gefängnis.

Heute steht die ehemalige Bürokauffrau erneut vor Gericht, diesmal in Traunstein. 2008 war sie in Rosenheim wegen Verleumdung, Beleidigung und Betrugs in mehreren Fällen zu eineinhalb Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt worden. 2010 kam eine weitere Gefängnisstrafe von zehn Monaten (ebenfalls ohne Bewährung) wegen Körperverletzung dazu, weil sie 2008 - mehrere Monate nach dem ersten Schuldspruch - in der Rosenheimer Innstraße auf der Mangfallbrücke zwei vorbeiradelnde Männer mit Pfefferspray attackiert hatte. In beiden Fällen bestreitet die 48-Jährige, die Taten begangen zu haben. Deshalb werden sie bei der Berufungsverhandlung erneut aufgerollt. Angesetzt sind drei Prozesstage.

Der Richter in Rosenheim sah es als erwiesen an, dass die Frau 2006 immer wieder per Mausklick versucht hatte, rechtschaffene Menschen in Verruf zu bringen. Alle Vorwürfe waren frei erfunden. So verfasste sie unter einem Tarnnamen E-Mails, in denen sie einen Mitarbeiter der Rosenheimer Stadtwerke bezichtigte, Frauen ständig sexuell zu belästigen, zu beleidigen, ihre Telefone mit Hilfe eines Komro-Mitarbeiters abhören zu lassen und sie als krank zu melden, um eine Art Krankengeld zu kassieren. Die E-Mails mit verleumderischen Inhalten schickte sie übrigens nicht irgendwem, sondern der Oberbürgermeisterin höchstpersönlich. Einmal behauptete sie sogar, dass ihr ein weiterer Stadtwerke-Mitarbeiter das Wasser und den Strom sperren sowie Fernseher und Computer abschalten ließ - was sie als Rache-Aktion eines hartnäckigen Verehrers hinstellte, dem sie stets einen Korb gegeben hätte.

In einem weiteren elektronischen Brief, den sie an die Rohrdorfer Gemeindeverwaltung sendete, warf sie einer Rohrdorfer Gemeinderätin und einem weiteren "Opfer" vor, sie würden in Rosenheim systematisch Männer auf Frauen ansetzen, um sie sexuell zu nötigen.

Auch die Stadt Kolbermoor hatte Post im E-Mail-Eingang, abermals unter einem Decknamen verschickt. Auch hier wurde ein Mann als polizeibekannter Frauenschänder, Spanner und Stalker hingestellt.

Doch damit nicht genug. Manche Opfer meldete die Rosenheimerin, natürlich unbefugt und ohne deren Wissen, bei Erotik-Branchenbüchern im Internet an - mit Anschriften, Telefonnummern und E-Mail-Adressen. Wer auf diese Seiten klickte, hatte den Eindruck, die Personen böten "Telefonsex ohne Tabus" oder gingen als Prostituierte anschaffen. Auch Sex-Spielzeug bestellte die 48-Jährige per Computer von ihrer Wohnung aus im Namen anderer. Ein Mann bekam so fünf Erotikbücher ins Büro geliefert.

Das Motiv für die Verleumdungskampagne blieb im ersten Prozess unklar. Manche Opfer kannte die Frau nicht einmal - so wie die zwei Radfahrer, die sie mit Pfefferspray angegriffen hatte.

Ludwig Simeth/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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