Prozess in Traunstein um versuchte Tötung in Berchtesgaden

"Er hat sie wie eine Barbie-Puppe an den Haaren hochgerissen!"

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Traunstein/Berchtesgaden - Es war ein purer Alptraum, den eine Berchtesgadenerin im Juli erlebte: Ihr Ex soll versucht haben, sie zu töten. Der 47-Jährige steht seit dem Vormittag vor dem Traunsteiner Landgericht. Der erste Prozesstag im Überblick:

UPDATE, 16.25 Uhr - Weitere Zeuginnen sagen aus

Die nächsten beiden Zeuginnen sind die Nachbarinnen, die dem Opfer in Berchtesgaden zur Hilfe kamen - und womöglich Schlimmeres verhindern konnten: Das ist unter anderem eine der Fragen, die das Gericht noch klären will. Ihr Balkon liegt direkt über dem Garten, in dem sich die schrecklichen Szenen abspielten.

"Sie lag nur am Boden und er oben drüber. Sie hatte sich überhaupt nicht mehr bewegt und die Augen zu", schildert die Nachbarin: "Ich hab' meiner Tochter gesagt, sie soll die Polizei rufen und ich bin sofort runter." Die Nachbarin versuchte, den Angeklagten wegzustoßen - nach einem kurzen Gerangel landete aber auch sie am Boden: "Wie eine Barbie-Puppe hat er sie an den Haaren hochgerissen und dann wie ein Wrestler wieder auf den Boden geschmissen." Die Zeugen erinnert sich an einen hasserfüllten Blick des Angeklagten und an gefletschte Zähne, als er in ihr Gesicht blickte.

"Ich werde jetzt die Polizei rufen, gehen Sie aus dem Garten", schrie die zweite Nachbarin vom Balkon in den Garten hinunter, die nun vernommen wird. Dann habe der 47-Jährige von seiner Ex-Partnerin abgelassen, sei "baff" dagestanden und weggegangen - das Opfer sei reglos dagelegen, doch ihr Martyrium hatte dann ein Ende.

Der Prozess wird für anschließend unterbrochen und am 27. März fortgesetzt: Dann werden weitere Polizeibeamte und psychologische Gutachter aussagen. Erich Fuchs, der vorsitzende Richter, geht davon aus, dass am 27. März auch das Urteil schon gefällt werden kann.

UPDATE, 15 Uhr - "Ich bringe dich um!"

"Jetzt mache ich das, was ich schon längst hätte tun sollen: Ich bringe Dich um", äußerte der angeklagte Schönauer laut der Geschädigten, die jetzt vernommen wird. Die 46-Jährige spricht selbstsicher und bestimmt, doch man merkt ihr die Aufregung an. "Ich dachte, er schreit jetzt einfach herum und geht dann wieder - weil man bringt ja nicht einfach so jemanden um." Immer wieder habe er aber betont, dass er es jetzt "zu Ende" bringe: "Seine Augen waren richtig irre."

Sie schildert die festen Würgegriffe des Angeklagten um ihren Hals, die sie bis zur Bewusstlosigkeit brachten. "Dann war ich weg und als ich wieder wach wurde, war plötzlich meine Nachbarin über mir." Doch die Attacken ihres Ex-Partners hätten noch immer nicht aufgehört: "Dann hat er die Nachbarin weggezerrt und wollte wieder auf mich." Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Würgegriffe lebensgefährliche Ausmaße hatten. In den Stunden nach den Attacken konnte sie nicht mehr richtig schlucken und hatte Probleme mit dem sprechen.

Noch immer ist die Berchtesgadenerin in psychologischer Behandlung: "Durch Angstgefühle und Schlafmangel ist sie noch immer stark eingeschränkt", so ihr Arzt in einer schriftlichen Mitteilung an Richter Fuchs. Die rund dreimonatige Beziehung, Anfang 2016, beschreibt die Frau als von Misstrauen geprägt: "Ich konnte überhaupt nicht mehr atmen und er hat mir ein Verhältnis angedichtet."

UPDATE, 12.30 Uhr: Vernehmung eines Kripo-Beamten

Bei der Vernehmung eines Kripo-Beamten, der auch mit der Ex-Freundin des Angeklagten gesprochen hat, wird langsam klar, warum die Beziehung unter anderem in die Brüche ging: Sie berichtete von Misstrauen und Kontrollen des Angeklagten, er wollte zum Beispiel in ihrem Handy spionieren. "Es wurde ihr zu eng. Dann hat sie die Beziehung beendet", so der Kriminalpolizist.

Der Angeklagte selbst berichtete über die Beziehung dagegen, dass seine Ex-Partnerin wohl wenig engagiert gewesen sei und kaum mit angepackt habe: "Stattdessen hat sie sich die Haare geglättet." Auch Geldforderungen für die Wohnungseinrichtung waren mit ein Grund, warum der Angeklagte im Clinch mit seiner Ex lag, zusätzlich zu den Konflikten, die es am Arbeitsplatz gab.

Nach der Mittagspause wird dann auch die Ex-Freundin des Angeklagten vernommen und die Nachbarinnen, die dem Opfer beherzt zu Hilfe kamen.

UPDATE, Dienstag 10.50 Uhr: Angeklagter war wie in einem Tunnel

"Jetzt ist es soweit, ich bring' Dich um", soll der Angeklagte zu seiner Ex gesagt haben, als er ihre Tür eintrat und plötzlich in der Wohnung stand. Der Staatsanwalt verliest die Anklageschrift, alle verschiedenen Verletzungen werden aufgelistet, die er seiner ehemaligen Partnerin wohl angetan hat: Schwellungen, Schürfungen und Blutaustritte im ganzen Kopf- und Gesichtsbereich.

Erfolgreiche Schulkarriere aber Schläge im Elternhaus 

Der 47-Jährige nimmt die Anklageverlesung gefasst hin. Auch seine Ex-Partnerin ist als Nebenklägerin am Dienstag vor Richter Erich Fuchs. Der Angeklagte berichtet von einer erfolgreichen Schulkarriere mit Abitur, aber Schlägen im Aschaffenburger Elternhaus. Später arbeitete er am Bau, machte sich als Maurer- und Betonbaumeister dann auch selbstständig. Wegen gesundheitlicher Probleme hörte er auf, war arbeitslos und machte eine Ausbildung zum Lokführer. Seit 2013 arbeitete er dann als Lokführer, wohnte zuerst in Ainring. Trotz vieler Überstunden "ein Traumjob", wie der Angeklagte sagt.

Der Staatsanwalt hat aber eine Nachfrage zu seinem Werdegang: "Sie waren in jungen Jahren mal Kampfsportler?" Der Angeklagte bestätigt, dass er einen schwarzen Gürtel in Kenjukate habe und in seiner Jugend drei Mal bayerischer Meister im Boxen war.

Beziehungsende "beschädigte" die Männlichkeit

Über die Arbeit lernte der 47-Jährige schließlich seine Ex kennen, sie zogen zusammen, doch schnell gab es Probleme: "Nach der Beziehung stürzte er in ein tiefes Loch", so sein Anwalt. Auch in der Arbeit sprach sich die zerbrochene Beziehung schnell herum. Es gab Streitigkeiten zwischen seinem Arbeitgeber, Kollegen und seiner Ex - der Angeklagten erhielt eine Abmahnung. Außerdem, so sein Anwalt, bahnte sich eine neue Beziehung zwischen seiner Ex und einem anderen, entfernten Arbeitskollegen an.

"Sie fühlten sich in Ihrer Männlichkeit beschädigt und wollten sich an Ihrer Ex räche n", drückt es Richter Fuchs aus. Als der Angeklagte schließlich seine Ex in Berchtesgaden zur Rede stellen wollte "sei er wie in einem Tunnel gewesen", so sein Verteidiger: "An den genauen Tatverlauf kann er sich deshalb nicht mehr erinnern." Doch im Prinzip leugnet er die Taten nicht. Nachdem er direkt nach der Tat "realisierte", dass er seine Ex auch gewürgt haben muss, kontaktierte er eine Rechtsanwältin, später auch die Polizei.

"Er bereut es noch immer, würde es gern wieder rückgängig machen. Mein Mandant kann sich das nicht erklären und ihm ist bewusst, dass er eine Strafe verdient hat." Auch der Angeklagte selbst betont: "Ich wollte sie nie umbringen."

Nun werden die ersten Zeugen geladen.

Vorbericht

Sie hatten eine kurze Beziehung, die im März 2016 endete. Am 22. Juli gipfelte alles darin, dass der Ex - ein 47-jähriger aus Schönau - die Frau wohl umbringen wollte. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Mann sie töten wollte, weil er sie nicht zurückgewinnen konnte. Auch Eifersucht auf einen vermeintlichen neuen Partner soll im Spiel gewesen sein. 

Haare ausgerissen und bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt?

Mit den Worten "Jetzt ist es soweit, ich bring' Dich um" soll der Schönauer am Nachmittag des 22. Juli 2016 durch einen Tritt in die Tür plötzlich in der Wohnung der Frau gestanden sein. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hat er der Frau dann büschelweise Haare ausgerissen und ihr Wohnzimmer demoliert. 

Als die Frau auf die Terrasse flüchten konnte, hat sie der Mann wohl eingeholt - der Kampf ging im Garten weiter, so die Staatsanwaltschaft: Durch einen Würgegriff sei die Frau 40 Sekunden bewusstlos gewesen, dann sei eine Nachbarin zu Hilfe gekommen. Der Angeklagte habe sie weggestoßen und seiner Ex weiter an den Haaren gezogen und sie gewürgt. 

Nur dank der Nachbarn passierte wohl nicht mehr

Die Nachbarin konnte die Frau schließlich endgültig befreien und rannte mit ihr weg. Weitere Zeugen wurden auf die Vorfälle im Garten aufmerksam: Erst als sie dem Angeklagten sagten, dass die Polizei bereits informiert sei, machte er sich wohl aus dem Staub. "Dem beherzten Eingreifen von Nachbarn war es zu verdanken, dass der Mann von seinem Opfer abließ und sich entfernte", so die Polizei am Tattag. Eine knappe halbe Stunde nach dem Vorfall stellte sich der Angeklagte bei der Polizei

Der 47-jährige Schönauer ist deshalb angeklagt wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung und Nötigung. Es sind drei Verhandlungstage angesetzt, das Urteil wird für den 28. März erwartet.

BGLand24.de wird ab 9 Uhr aus dem Traunsteiner Landgericht berichten. 

xe

Quelle: chiemgau24.de

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