Viel Lärm um wenig Rauch

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Rauchen an der Theke: In Rosenheim verzichtet das Ordnungsamt auch nach dem verschärften Nichtraucherschutzgesetz auf eine "Raucherpolizei". Beschwerden über rauchende Gäste hat es bislang nur wenige gegeben. 

Rosenheim - Seit 1. August gilt in Bayern das strengste Rauchverbot Deutschlands. Beim Rosenheimer Ordnungsamt beschweren sich seitdem nicht mehr Leute über qualmende Gäste, sondern über Lärmbelästigung

Seit 1. August gilt in Bayern das strengste Rauchverbot Deutschlands. Beim Rosenheimer Ordnungsamt beschweren sich seitdem nicht mehr Leute über qualmende Gäste als zuvor. Allerdings rauchen wegen des Verbots mehr Gäste vor den Kneipen; die Anwohner fühlen sich oft vom Lärm gestört und rufen deswegen die Polizei.

Wer in einer Rosenheimer Kneipe rauchen will, muss seit 1. August Hochzeit oder Geburtstag feiern. Eine Ausnahme vom strengsten Rauchverbot Deutschlands gibt es in Bayern nur bei privaten Feiern. Sonst gilt der Nichtraucherschutz, für den sich die Bürger per Volksentscheid ausgesprochen haben.

Beim Ordnungsamt wurde nach drei Monaten keine große Veränderung festgestellt. "Wegen des neuen Rauchverbots sind die Probleme nicht größer geworden, da das Rauchen in Gaststätten ja auch schon vorher verboten war", so Oliver Horner vom Ordnungsamt.

Seit August ist das Rauchen auch in kleinen Kneipen und in Festzelten verboten. Beschwerden über rauchende Gäste hätten laut Horner seit der Gesetzesverschärfung aber nicht zugenommen. Nach wie vor beschwere sich wöchentlich ungefähr ein Gast darüber, dass in einem Lokal geraucht worden sei.

Das Volk hatte sich im Juli gegen das Rauchen in Gaststätten und Kneipen ausgesprochen, die Staatsregierung hat das umgesetzt. Ob sich die Bürger tatsächlich daran halten, überwachen seitdem Landratsämter und kreisfreie Städte. Dafür haben sie allerdings nicht die Rechte der Polizei: sie dürfen keine Personalien feststellen.

In Rosenheim verzichtet man nach wie vor auf eine "Raucherpolizei". "Die Stadt muss nämlich nicht eingreifen, solange die Lokale rauchfrei bleiben", so Horner. Kontrollen seien im neuen Gesetz nicht vorgeschrieben, deshalb setze man nach wie vor auf eine soziale Kontrolle. Wenn sich ein Gast also doch eine Zigarette anzündet, sollen sich andere Gäste oder schließlich der Wirt darum kümmern, dass das Lokal rauchfrei bleibt.

Die einzige Chance für das Ordnungsamt, einen Raucher in flagranti zu erwischen, sind die Lebensmittelüberwacher. Allerdings sind die Kontrolleure nicht auf der Jagd nach Rauchern, sondern nur angehalten, einen Verstoß gegen das Verbot zu melden, wenn sie bei ihren Lebensmittelkontrollen zufällig einen qualmenden Gast entdecken.

Das Rauchverbot hat aber eine andere Nebenwirkung, die vorher nicht solche Probleme gemacht hatte. Da es mittlerweile keine Raucherlokale mehr gibt, gehen noch mehr Gäste zum Rauchen vor die Tür als vorher. "Die Beschwerden wegen Lärmbelästigung haben zugenommen", weiß Horner. Allerdings ließen sich die Streitigkeiten zwischen Anwohnern und Rauchern meist am Ort durch die Polizei regeln. Das Ordnungsamt müsse nur in wenigen Fällen nachträglich darüber informiert werden.

Wie viele Leute tatsächlich in Kneipen und Gaststätten rauchen, ist letztlich nur den Wirten und ihren Gästen bekannt. Der Grund für die wenigen Beschwerden ist wohl, dass die Wirte verpflichtet sind, das Rauchen zu unterbinden, und die Gäste sich auch weitgehend an das Verbot halten. Probleme gibt es nur, wenn Wirt oder Gast sich weigern, das Verbot zu akzeptieren. Dann reiche ein Zeuge, der sich schriftlich beschwert, und der Wirt müsse zahlen - meistens ein Bußgeld zwischen 100 und 200 Euro. "Die Höhe der Strafe hängt von der Größe des Lokals ab - und davon, wie viele Gäste geraucht haben", erklärt Horner. Tatsächlich bezahlen mussten in Rosenheim aber bisher nur wenige Wirte.

lom/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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